Es wird höchste Zeit…

Obwohl es im Indonesien von 2015  an Projekten und Problemen nicht mangelt, wird es höchste Zeit, dass Indonesien nach 50 Jahren sich endlich  Klarheit über die Ereignisse verschafft, die mit dem Kürzel “G30S” umschrieben werden, dem Militärputsch des General Suharto und dem damit verbundenen Massenmord und den Progromen an  Millionen indonesischer Bürger.

Bald wird es keine überlebenden Zeugen mehr geben.  Den überlebenden Tätern, die sich als Retter Indonesiens feiern lassen,  käme das sehr zu pass. So wurde z.B. 2014 durch eine internationale Kampagne gerade noch verhindert, dass der damalige Präsident (und Ex-General) Susilo Bambang Yudhoyono (SBY), seinen Schwiegervater General Sarwo Edhie Wibowo, den verantwortlichen Militärkommandeur für den Massenmord in Mitteljava, posthum zum Nationalhelden  erklärte. 

Das Regime Suharto wurde 1998 zwar entmachtet, aber das Tabu “G30S” und seine Profiteure blieben bis heute unangetastet. Die Kinder und hinterbliebenen Familien haben einen Anspruch auf Gerechtigkeit.

Dank an den Autor Till Mayer, der sich dieses  Themas in diesem SPIEGEL-Artikel angenommen hat.  (KS)

Till Mayer Indonesien

 

Völkermord in Indonesien:                                             Eine Million Tote – keine Gerechtigkeit

Aus Jakarta berichtet Till Mayer                                                                                      SPIEGEL-Online 1. März 2015

In Indonesiens Folterkellern starben bis zu eine Million Kommunisten, Linke, Künstler. Überlebende und Angehörige fordern 50 Jahre danach noch immer Gerechtigkeit. Doch die Täter gelten als Helden

Die Schattenmänner stehen verloren im Abseits, kaum einer beachtet sie. Trotzdem streckt einer die linke Faust in den Himmel. “Gegen die Straflosigkeit!” Was Endang Darsa ruft, schluckt der Verkehr. Mopeds, Laster, Autos rauschen an ihm vorbei. Ab und zu blickt einer hinter dem Steuer auf die alten Männer am Straßenrand. Dann springt die Ampel wieder auf Grün.

Wer oft an Indonesiens Präsidentenpalast vorbeifährt, kennt die Demonstranten. Seit Jahren stehen sie dort an jedem Donnerstagnachmittag. Ihre schwarzen Schirme mit dem weißen Aufdruck erinnern an einen verdrängten Völkermord. Zu ihren Füßen liegen Fotos der Ermordeten.

1965 töteten rechtsgerichtete Militärs und Milizen laut Schätzungen von Amnesty International bis zu eine Million Menschen, die sie für Staatsfeinde hielten: Kommunisten, Intellektuelle, Studenten, Künstler, Gewerkschafter, zudem Angehörige der chinesischen Minderheit und sogar andere Soldaten.

Weiterlesenhttp://www.spiegel.de/politik/ausland/indonesien-opfer-des-genozids-fordern-entschaedigung-und-gedenken-a-1019629.html

siehe zum Thema auch: https://klaussturm.wordpress.com/2012/11/30/ein-gar-nicht-mehr-lustiges-theater/

„HERR, schicke mich bitte nicht in Deinen Himmel…“

ya tuhan

Indonesien: Gebet eines jungen muslimischen Bloggers

„HERR,  schicke mich bitte nicht in Deinen Himmel…“

Wenn die Bewohner dieses Himmels ihre Mitmenschen gerne in Deinem Namen verfluchen…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn die Bewohner dieses Himmels gerne die Gebets- und Kultstätten  in Brand stecken von Menschen, die andere Überzeugungen haben als ihre eigenen…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser  Himmel von Leuten bevölkert wird, die ihre Mitmenschen gerne beleidigen und terrorisieren…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser Himmel von Leuten bevölkert wird, die gerne die Häuser ihrer Nachbarn in  Brand stecken und sie obdachlos machen…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser Himmel von Leuten bevölkert wird, die sich gerne selbst in die Luft sprengen und in Deinem Namen die Erde verwüsten…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser Himmel voll ist  von Leuten, die in Deinem Namen  gerne Kriege führen und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen..

HERR, lass mich bitte nicht in den Himmel, der von Leuten bevölkert ist, die gerne in Deinem Namen ihre Mitmenschen umbringen…

HERR, lass mich bitte nicht in den Himmel, der voll ist von Leuten, die gerne in Deinem Namen über ihre Mitmenschen richten…

HERR, erhöre meine Bitte, denn dieser Himmel  kann doch nicht aus Blut, Zorn und Feuer bestehen…

…weil es doch klar ist, dass dieser Himmel nur  die HÖLLE sein kann!

Jakarta, 3. April 2008

Feri Latif

ps. Es sei denn, diese Leute bereuen und bekennen ihre Verfehlungen gegenüber DIR und der Menschheit… und sind bereit,  für ihre Fehler zu büßen.

(Übers. aus Bahasa Indonesia: K.S.)

MÖRDERISCHE IDENTITÄTEN

Mörderische Identitäten

maaloufIn den Zeiten der Charlie Hebdo-Attentate und I.S. , von Front National und Pegida fällt mir ein Büchlein des französisch-libanesischen Autors Amin Maalouf aus dem Jahre 1998 in die Hände mit dem provokanten Titel: „Mörderische Identitäten“. Auf dem Hintergrund des grausamen Jugoslawienkriegs (1991–1996) widmet er sich darin eindringlich der Frage:  Ist es ein Naturgesetz oder einfach geschichtliche Entwicklung, die die Menschen dazu verdammen, sich im Namen von Identitäten gegenseitig zu bekämpfen und umzubringen? Warum können Menschen verschiedener Herkunft, Religion oder Hautfarbe nicht miteinander leben? Was macht dieses Zusammenleben so gefährlich?

Amin Maalouf fühlt sich persönlich durch diese Frage herausgefordert.   Maalouf,  ein Autor prachtvoller historischer Romane, wie „Leo Africanus“ oder „Die Reisen des Herrn Baldassare“, oder „Die Häfen der Levante“, wurde 1949  im Libanon geboren als Sohn einer christlichen Araberfamilie, verließ 1976 im Alter von 27 Jahren den Libanon und lebt seither in Frankreich. Oft gefragt: „Halb Libanese, halb Franzose? Keineswegs!“, sagt er. „Identität lässt sich nicht aufteilen, weder halbieren, noch dritteln oder in Abschnitte zergliedern!  Ich besitze nicht mehrere Identitäten, ich  besitze nur eine einzige, bestehend aus all den Elementen, die sie geformt haben, in einer besonderen „Dosierung“, die von Mensch zu Mensch verschieden ist.“ Die wichtigsten dabei sind familiäre Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Kultur, Religion, Nationalität, persönliche Erfahrungen.

Maalouf besteht darauf, genau hinzusehen und sich klar zu machen, dass jeder von uns seine ganz persönliche Geschichte und Prägung hat. Und dass eigentlich keines dieser Elemente das Recht hat, mich als Mensch und Person ausschließlich in Besitz zu nehmen. Es kann aber zu tödlichen Loyalitätskonflikten kommen, wenn eines dieser Elemente dominante Ausschließlichkeit beansprucht, bzw. die anderen bestimmen, ob ich dazugehöre oder nicht. Extremstes Beispiel neben vielen Progromen und Exzessen der jüngeren europäischen Geschichte war die Rassenideologie der Nazis.

Europa erlebt in den letzten Jahrzehnten eine gewaltige Migration von Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika, die zum großen Teil aus muslimischen Ländern flüchten oder einzuwandern versuchen, um Bürger Europas zu werden. Migration ist kein Randproblem mehr. Laut Statistischem Bundesamt hat 2014 jede dritte Familie in Deutschland Migrationshintergrund. Einwanderung und  Integration war immer schon ein schwieriger Prozess, da die Migranten – häufig unreflektiert – ihre Lebens und Wertevorstellungen mitbringen, die mit den vorgefundenen europäischen Gewohnheiten und Überzeugungen kollidieren. Europa und speziell Deutschland tut sich schwer mit Einwanderung, da es sich bis vor wenigen Jahren ostentativ geweigert hat, Einwanderungsland zu sein –  und de facto bis dahin eher ein Auswanderungsland war.

Ein besonderes Problem bildet aktuell der Islam, der sich derzeit in seinem eigenen Kulturraum in Afrika und Asien in einer oft tödlichen Auseinandersetzung um den „wahren“, den „richtigen“ Islam befindet, die durch die technisch-zivilisatorische Übermacht des „Westens“ provoziert wird. Maalouf beschreibt im 2. Kapitel sehr anschaulich diese Krise des muslimischen Kulturraums. Die Konfliktlinien gehen auch durch viele Einwandererfamilien  Europas. Auf Grund sozialer und wirtschaftlicher Probleme verweigern viele Kinder und Enkel der Einwanderer inzwischen ostentativ die Identifikation mit ihrer neuen europäischen Heimat. Die Auseinandersetzungen in Frankreich zeigen,  dass nicht einmal die gemeinsame Sprache die Probleme mindern – die Migranten aus Nordafrika sprechen alle recht gut französisch – wobei die Beherrschung der Sprache des Gastlandes eigentlich eine der wichtigsten Brücken des guten Zusammenlebens ist.

Wie gut lässt sich Identität an der Nationalität festmachen? Was heißt denn: „Ich bin Franzose, ich bin Deutscher, ich bin Schweizer?“ Reicht ein Blick in den gültigen Pass oder Personalausweis? Zur Ein- oder Ausreise in ein Land schon, zu mehr aber auch nicht. Maalouf  plädiert eindringlich für ein neues europäisches Bewusstsein, das sich angesichts der Globalisierung an sein historisches Ringen um eine menschlichere Gesellschaft  erinnert, in der die alten überkommenen Identitätsforderungen – die alten Totems –  aus Familienclan, Religion und Nationalität ihren mörderischen Ausschließlichkeitsanspruch verloren haben. Europa nicht am Ende – sondern an einem neuen Anfang seiner wichtigen Geschichte für die Welt.

Unbedingte Leseempfehlung. Ich wünschte mir das 144 Seiten dicke Büchlein als „must-read- Lektüre“ für die   jungen Leute in unseren Schulen.

KS – Feb. 2015

ps. Ausdrückliche Empfehlung auch anderer Rezensionen: hier bei Amazon

… NICHT ALLE CHARLIE HEBDO – FRAGEZEICHEN?

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Zwei Entdeckungen im Internet provozierten mich heute zu diesem Beitrag.  Da war  zum einen das obige Foto  in der Online-Ausgabe der indonesischen Zeitschrift „Merdeka“ und  zum zweiten ein Artikel von Michaela Wiegel im Online-Dienst der FAZ .

 Zu sehen auf dem Foto ist Amedy Coulibaly und seine Frau Hayat Boumediene, das Terrorpärchen, das in Paris für die Ermordung der Polizistin und der Geißeln in dem jüdischen Supermarkt verantwortlich ist. Er inzwischen von der Polizei erschossen, sie auf der Flucht in Syrien. Eine brutale Tragödie. Provozierend  auf dem Foto, die beiden als glücklich verliebtes Paar an einem der Sommerstrände Europas – daneben die gewaltbereite Hayat mit gezogener Waffe. Zwischen  diesen beiden Fotos  muss wohl einiges passiert sein im Leben der beiden.

Eigentlich war ja nach den Bildern im Fernsehen und der Presse  vor ein paar Tagen doch  klar, dass ganz Frankreich und ganz  Europa „Charlie Hebdo“ seien. Eine Million Demonstranten in Paris. Monsieur Hollande und  Madame Merkel  Arm in Arm auf dem Platz der Republik. Solidarität und  Respekt für die ermordeten Redakteure der französischen Satirezeitschrift, stellvertretend für das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit in Europa. Frankreich ließe sich durch solch barbarische Anschläge nicht auseinander dividieren, beschwor Präsident Hollande seine geschockte Nation. Und die Vertreter der muslimischen Verbände beteuern lautstark, dass die Mörder von Paris keine wahren Moslems seien und den Namen des Islam für ihre terroristischen Ziele missbrauchten, womit sie nun leider Recht haben, das bedrohliche Problem der salafistisch- jihadistischen Szene aber auch leider nicht lösen werden.

Was war aber heute bei FAZ-Net Online zu lesen: Vom Hass vieler junger Leute in den Schulen der Grand Nation, die lautstark für sich reklamieren: „Wir sind Nicht Charlie Hebdo!“  Und diese Berichte scheinen nun allen Beobachtern recht zu geben, die schon immer darauf bestanden, dass die wahre Wurzel des islamistischen Terrors nicht ein religiöser Aufbruch des Islam sei, sondern die sozialökonomische Deprivelegierung und Chancenlosigkeit  der jungen muslimischen Generation gegenüber der arroganten Dominanz des “Westens”. (siehe Meddeb: Die Krankheit des Islam) Ausgrenzung, Kränkung und verletzter Stolz ist die beherrschende Grundstimmung. Das gilt für fast alle Länder des muslimischen Kulturkreises und explizit auch für die junge Generation der muslimischen Franzosen in den trostlosen Banlieues der französischen Großstädte.

Man konnte es schon länger wissen, aber jetzt steht es auch in der Zeitung: Muslimische Jugendliche radikalisieren sich gefährlich in den Gefängnissen, wo sie nicht wegen ihrer Zugehörigkeit zur unterdrückten islamischen Religion einsitzen, sondern wegen krimineller Delikte in ihrem desolaten Vorstadtmilieu.  Dort treffen sie auf schon einsitzende radikale Islamisten, die den Kopf voll haben von Islamideologen wie Hassan al Banna, Sayid Oubt, Ala Maududi oder S.K. Malik (siehe:http://derprophet.info/inhalt/das-koranische-konzept-von-krieg/) u.a., die schon lange dem Westen und seinem Lebensstil  den Kampf angesagt haben. Allahkratie statt Demokratie.  Diese Hass-Prediger erklären den jungen Leuten, dass der Grund ihrer desolaten Lebenschancen ihr nicht richtig gelebter Islam sei und ihr Leben im Kampf für den richtigen Islam endlich seine gottgewollte Bestimmung bekäme. Der soziale Konflikt bekommt eine religiöse Bedeutung.

„Der Islam ist die Lösung!“, der alte Schlachtruf der ägyptischen Muslimbrüder bekommt eine neue Bedeutung: “ Vergiss Frankreich, vergiss Europa! Europa ist Dar al Harb – es ist Feindesland, und seine Repräsentanten sind die Feinde Allahs und seines Propheten.“   Jeder dieser jungen Leute kann persönlich bestätigen, dass dieses Land ihn nicht schätzt und nicht braucht. Der Islam aber braucht ihn. Den gotteslästerlichen Spöttern von Charlie Hebdo das Maul zu stopfen, sei – Bismillah! – eine längst überfällige Tat.  Die heldische Faszination, mit der Waffe in der Hand für  Gott und seine Religion zu sterben, ist dem Abendland ja nicht unbekannt – man braucht nicht bis ins christliche Mittelalter zurückzugehen – die Hitlerjungen, die  auf den Schlachtfeldern der letzten Kriegstage für Deutschland und seinen Adolf Hitler verbluteten, müssten als mahnende Opfer  einer rassistischen Nationalreligion eigentlich genügen.

Dass sich der Islam als Religion der „aufklärerischen“ Moderne stellen muss, in der die demokratische Verfassung für das Zusammenleben der Menschen die höchste Autorität beansprucht und Religion die Privatangelegenheit des Einzelnen ist, das  wird noch viel Diskussion in der Umma provozieren. Das angesprochene Problem in den Vorstädten Frankreichs  oder auch Berlins wird aber durch keine noch so theologisch informierte Argumentation zu entschärfen sein. Vor Ort müssen junge Leute Perspektiven und Respekt in dieser Gesellschaft glaubhaft erfahren können, in der sie sich auch trauen mit den religiös patriarchalischen Verhaltensmustern ihrer Herkunftsländer zu brechen.

Natürlich ist zum jetzigen Zeitpunkt erhöhte Alarmbereitschaft der Sicherheitsbehörden geboten. Aber mittelfristig ist dieser Problematik mit mehr Polizei oder  schärferen Gesetzen allein  nicht beizukommen. Irgendwann  werden die zornigen jungen muslimischen Europäer zwar erkennen, dass der Weg der Gewalt keine Lösung ihrer Probleme bringt, aber wann dieser Zeitpunkt sein wird, hängt doch sehr von der Reaktion  Europas ab. Wann wird ihnen Europa als Heimat genau so kostbar sein wie der eingesessenen Mehrheitsgesellschaft? Bewegungen wie der Front National  Marine le Pens in Frankreich oder Pegida in Deutschland sind derzeit die absolut kontraproduktiven Signale. Und sie sind bestimmt nicht die berufenen Anwälte von Charlie Hebdo!

KS 16-01-2015

WEIHNACHTSKONZERT 2014

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Chor und Orchester  der Städtischen Musikgesellschaft bei ihrem Weihnachtskonzert am Vorabend des 4. Advent in der Kirche St. Peter und Paul. Auch wurde ein  Werk des Eschweiler Komponisten Friedrich Rademacher wunderschön interpretiert. Fotos. Ebbecke-Bückendorf

Ein Abend des Eischwiele Jong

Ehrengast Friedrich „Friedel” Radermacher darf sein eigenes Werk hören.

Von FRIEDHELM EBBECKE-BÜCKENDORF

Eschweiler. Mit zwei musikalischen Überraschungen begeisterte die Städtische Musikgesellschaft am Vorabend des 4. Advent die vie­len Zuhörer, die zum Weihnachts­konzert in die Kirche St. Peter und Paul gekommen waren. Am Schluss gab es stehenden Bei­fall für Orchester, Chor und Solis­ten, für den Dirigenten Horst Berretz und – ganz besonders warm und herzlich – für den Komponis­ten Friedrich Radermacher.

Profes­sor Radermacher ist sozusagen ein „Eischwiele Jong”. Geboren in Düren, wuchs er in Eschweiler auf und wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Indestadt, unter anderem als Mitbegründer und bis 1959 auch als Leiter der Städtischen Musikgesellschaft. Später war er stellvertretender Direktor der Musikhochschule Köln. Der 90-jährige Komponist lebt heute in Hilden bei Düssel­dorf. Am Samstag waren er und seine Frau Ehrengäste des Weih­nachtskonzerts, auf dessen Pro­gramm Radermachers 1954 ent­standene  Weihnachtskantilene stand.

Mal geheimnisvoll, mal mystisch

Ein beeindruckendes Werk! Im Wechsel erzählen Chor und Solis­ten – der Tenor Raphael Pauß und die Sopranistin Marlies Buchmann – in dieser Kantilene die Weih­nachtsgeschichte. Das klingt mal geheimnisvoll und mystisch, mal andächtig und fromm, mal su­chend oder sogar verzweiflungs­voll, wie beim Tenorsolo „Die Vä­ter hoffeten auf ihn mit Tränen und mit Flehn”. Und wie in dem Duett „Schlafe du Knabe, schlaf ein” das Wiegen­lied sich zu weihnachtlichem Ju­bel steigert – das ist wirklich meis­terhaft. Wie auch der andachts­volle Schluss des Werkes, bei dem die gesprochenen Worte „Herr, du bist würdig zu nehmen Lob und Preis und Dank”, von ge­zupften Akkorden der Streicher begleitet wer­den.

Rauschender Beifall

Rauschender Beifall dankte den Interpreten dieses zu Unrecht nur selten aufgeführten Wer­kes. Und auch der Komponist be­dankte sich bei der Musikgesell­schaft und den Solisten, denen es erkennbar Freude gemacht hatte, diese musikalische Weihnachtsge­schichte in allen Nuancen darzu­stellen.                                               Begonnen hatte das Weih­nachtskonzert mit dem Doppelkonzert für zwei Violinen und das, Orchester BWV 1043 von Johann Sebastian Bach. Die Solo-Geigen spielten Brigitte Petrovitsch, Kon­zertmeisterin im Orchester der Städtischen   Musik-gesellschaft, und Roswitha Kühnen.

Hauptwerk des Konzertabends war aber die Messe A-Dur Opus 12 des französi­schen Komponisten Cesar Franck. Cornelia Schwarz-Misere, die Vor­sitzende des Chores, die durch das Programm führte, wies daraufhin, dass auch Frank ein Komponist aus der Region gewesen sei. Seine Mutter stammte aus Aa­chen, sein Vater aus dem deutsch-sprachigen, heute belgischen Ort Gemmenich. Die Franck-Messe war die andere große Überra­schung des Weihnachtskonzertes, und zwar vor allem durch die be­eindruckend dichte, konzentrierte Leistung des gesamten Ensembles.

Spielfreude und Dynamik

Der Chor der Musikgesellschaft zeigte sich harmonisch, differen­ziert und auch in den leisen Passagen  ausdrucks­stark; das von Horst Benetz straff ge­führte Orchester, verstärkt durch aus­wärtige Solisten, voller Spielfreude, mit Fülle und Dynamik. Auch die Gesangssolisten waren exzellent: Etwa Bassist Christian Brülls aus Aachen, die aus Hagen stammende Sopranistin Marlies Buchmann, die an der Mu­sikhochschule Köln Gesang lehrt, und der Kölner Tenor Raphael Pauß – der an diesem Abend über­ragend war – in dem anrührenden, sanften, zunächst nur von der Harfe begleiteten Stück „Panis angelicus”.

Bei der Zugabe, zu dem Weihnachtslied „Nun freut euch ihr Christen”, waren die Besucher des Konzertes zum Mitsingen eingeladen. Das ist nicht nur eine schöne Tradition bei den Weih­nachtskonzerten der Städ­tischen Musikgesellschaft, es macht auch deutlich, dass das weihnachtliche Gesche­hen alle Menschen angeht, die sich auf die Bedeutung dieses Festes einlassen.

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© ESCHWEILER NACHRICHTEN – Lokales – Mittwoch 24. Dezember 2014

http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/ein-abend-des-eischwiele-jong-1.987012

Das Jubiläum und das Totenschiff

 

Kopie von totenschiffDas Dorf Höchen im Saarland will 2012 sein 750-Jahr-Jubiläum feiern. Christof Missy, Kommissar bei der Saarbrücker Polizei, möchte dafür eine Chronik der Familien des Dorfes zusammenstellen und stößt dabei auf den Namen Hermann Reiter, eines Missionars der Ev. Basler Missions-Gesellschaft, der 1942 bei einem Schiffsuntergang im Indischen Ozean vor Küste Sumatras ums Leben kam. Er bittet Dieter Gräbner, Journalist und Buchautor, um Hilfe. Er möge der Sache nachgehen und  die näheren Umstände dieses Todes recherchieren.

Das tat der und stieß dabei auf eine brisante Tragödie des  2. Weltkriegs, die weit über das traurige Schicksal des Hermann Reiter hinausging. 412 weitere Deutsche als Internierte der holländischen Kolonialregierung von „Nederlands Indie“ kamen bei dem Untergang des holländischen  Schiffes „Van-Imhoff“ ums Leben. Die Katastrophe ist ein Politikum. Warum konnten sich nur 71 deutsche Schiffsbrüchige retten, während der holländische Kapitän und die komplette Schiffsbesatzung am Leben geblieben war? Handelte es sich um ein verschwiegenes niederländisches Kriegsverbrechen?

Dieter Gräbner ist der Frage nachgegangen, und herausgekommen ist ein ungemein interessantes und spannendes Buch. Wir lesen nicht nur den neuesten Stand der Ermittlungen, sondern erfahren einiges über das Schicksal der Deutschen in der holländischen Kolonie Ostindien vor und während der Kriegsjahre, und besonders viel Persönliches  vom Leben der Missionarsfamilie Reiter aus dem Saarland. Fünf Kinder dieser Familie leben noch und trafen sich 2012  anlässlich des Dorfjubiläums  in Höchen – eine Straße wurde nach ihrem Vater benannt. Bewegend ihr Rückblick auf ihre Kindheit, geprägt vom Missionarsberuf  ihres Vaters, seinem Tod und der Trennung der Familie durch die Wirren des Krieges.

Dieter Gräbner nimmt den Leser mit bei seiner Recherche über eine Familiengeschichte, bei der die Weltgeschichte Regie führte, in eine Zeit, zu der man vielleicht nur durch solche Bücher Zugang finden kann.  Dank dem Autor und dem Conte-Verlag für das Buch und seine Reihe „Libri Vitae“ !

Leseempfehlung (auch für Nicht-Saarländer)  *****

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Dieter Gräbner: Die „van Imhoff“ – das Totenschiff, Geschichte und Mythos einer Weltkriegstragödie Conte-Verlag – Saarbrücken 2012

(KS)

Karl Heinz Bohrers “Granatsplitter”

Karl Heinz Bohrers „Granatsplitter“

Was für ein schönes Buch! Ich bin begeistert. Vielleicht muss man alt genug sein, ein bisschen dieser Zeit noch erlebt haben, um diese Erzählung so richtig mitempfinden zu können.  Wunderbar, dass dem inzwischen 82-jährigen Karl Heinz Bohrer noch so viel präzise Erinnerung an seine Kindheit und Jugend geblieben ist, in diesem Alter ein solches Buch zu schreiben. Auch wenn der Autor in seinem Postskriptum darauf hinweist, dass dieses Buch keine Autobiographie sei, sondern die „Phantasie einer Jugend“, so hat er sich doch einen Jungen ausgesucht, der diese Zeit zwischen 1932 – 1953 de facto erlebt haben muss. Bohrer, Jahrgang 1932, ist  ein Kölner Junge, dem die Liebe seines Vaters zu seiner Heimatstadt Köln irgendwie unerklärlich war, der aber selbst als Kind mit viel Gefühl an seiner katholischen Vaterstadt hing, den aber sein Lebensweg in ein ganz anderes Deutschland führte. Philipp Oehmeke vom SPIEGEL nennt diesen „Bohrer-Jungen“ den „Huckleberry Finn des Ruinendeutschlands“.  Das Ruinendeutschland erlebte der  „Bohrer-Junge“ allerdings nur dann, wenn er aus dem ländlichen, vom Krieg verschonten Internat im Schwarzwald seine Schulferien bei seinen Eltern in Köln verbrachte.

Der Charme dieses Buches liegt eben nicht so sehr in der phantastischen Dimension der Erzählung, sondern in der Schilderung konkreter Erfahrung dieser Zeit, auch wenn der „Bohrer-Junge“ die Gymnasialjahre in dem elitären Internat „Birklehof“ in Hinterzarten/Breitnau im Schwarzwald erlebte, einem Ort, der nicht unbedingt als der typische Erfahrungsbereich der deutschen Altersgenossen des Karl Heinz Bohrer gelten kann.  Wie man der Präsentation im Internet http://www.birklehof.de/  entnehmen kann, gibt es das Internatsgymnasium „Birklehof“ auch heute noch, und Karl Heinz Bohrer ist ein sicher hoch angesehener „Alumnus“ der „Altbirklehofer“. Der „Birklehof“ , eines der angesagten Zentren  der Reformpädagogik  im Nachkriegsdeutschland, eine Schwestergründung des bekannteren Internats „Salem“ am Bodensee, ist auch heute noch eine exklusive Privatadresse für Eltern, die für die Schule ihres Kindes monatlich etwa € 3.000,- zur Verfügung haben.

Die Vita des „Bohrer-Jungen“ ist aber ein Beispiel für eine Generation von Kindern, deren  Eltern sich damals im bürgerlich konservativen Ressentiment gegenüber Nazideutschland befanden und ihre Kinder der Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus entziehen konnten. Der „Bohrer-Junge“ im Internat erlebt seine Jugend in einem Kokon von Schule, Literatur und klassischem Drama, aus dem er sich erst in späteren Jugendjahren befreien wird. Seine Passion für Literatur und Theater bringt ihn in Konflikt zu seinem Vater, der sich als promovierter Nationalökonom eine konkretere Karriere für seinen Sohn gewünscht hatte. Aber der „Bohrer-Junge“ bleibt der Passion für die Literatur treu. Seine Begegnung mit England und den Engländern bringt ihm die nötige Distanz zum bisher Erlebten in Deutschland. Aus dem „Bohrer-Jungen“ wird einer der renommiertesten Literaturkritiker Deutschlands, der in seinen „Granatsplittern“  dieses Mal nicht hochkarätig kritisiert, sondern einfach  einnehmend erzählt. Leseempfehlung: Natürlich – mit fünf Sternen!

Nb. Dank an meine Schwester Hildegard, die mir das Buch zu Weihnachten geschenkt hat.

Wer etwas mehr über den „Bohrer-Jungen“ wissen möchte, dem sei ein Interview mit Karl Heinz Bohrer aus der Süddeutschen Zeitung empfohlen: „Ich habe einen romantischen Blick“

Wenn Menschen nicht arbeiten und keine Genies sind, werden sie banal. Gegenüber diesem existentiellen Kummer habe ich die Universität als erhabene Existenz empfunden. Es gibt keinen stärkeren Schutz gegen die Banalität des Daseins als theoretisches Denken oder Dichten. Im Hörsaal Studenten zu erklären, was die Kunst an der Kunst ist, war und ist für mich ein Lebenselixier.“  Karl Heinz Bohrer

  KS

Karl Heinz Bohrer: Granatsplitter – Erzählung einer Jugend © Carl Hanser-Verlag- München 2012

Traditionelles Weihnachtskonzert der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler

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Einen ausgesprochen weihnachtlichen und festlichen Charakter hatte das Konzert der Städtischen Musikgesellschaft am Samstag, dem 21. Dezember 2013 in der evangelischen  Dreieinigkeitskirche.  Das beim Publikum besonders populäre Weihnachtskonzert, welches in der Regel am letzten Adventssamstag in der Hauptpfarrkirche St. Peter und Paul stattfindet, fand auch in diesem Jahr erneut viel Zuspruch.

In der gut gefüllten Kirche rückten die erwartungsvollen Zuschauer eng zusammen, um sich von exklusiver Weihnachtsmusik erfreuen zu lassen. Unter der Leitung von Horst Berretz ertönten anspruchsvolle Werke bekannter Komponisten, wie die „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod (1818 bis 1893) und das „Oratorio de Noel“ von Camille Saint-Saens (1835 bis 1921), Stücke deutscher und französischer Chorromantik, wie die Weihnachtskantate „Vom Himmel hoch “ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847).

Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft wurden von den Solistinnen und Solisten Bettina Thülen (Sopran), Anna Fischer (Alt), Walter Drees (Tenor) und Harald Martini (Bass) gesanglich unterstützt. Stimmlich sehr präsent war dabei die aus Eschweiler stammende Sopranistin Bettina Thülen, ein langjähriges Mitglied der Musikgesellschaft. Eindringlich und kraftvoll sang sie ihre Passagen. Dabei war aufgrund ihrer hohen Stimmlage, die in der Kirche klangvoll widerhallte, Gänsehaut beim Publikum garantiert.

Aber auch die anderen Solisten, die von weiter her angereist waren, konnten gesanglich glänzen und mit ihren Stimmen überzeugen. So bot die in Gladbeck geborene Anna Fischer, die Gastauftritte unter anderem an der Deutschen Oper in Berlin und im Prinzregenten-Theater München vorweisen kann, mit ihrer Altstimme eine ausgereifte Darbietung. Der Tenorsolist Walter Drees konnte mit seiner wohltönenden Stimme ebenfalls überzeugen. Er ist seit 1991 Kantor an der Pfarre St. Johannes Evangelist in Düren-Gürzenich.  Harald Martini hatte mit seiner melodischen Bassstimme bereits Auftritte mit namhaften Ensembles wie dem WDR Sinfonie- und Rundfunkorchester, sowie  der Bremer Kammerphilharmonie.  Ingrid Walz spielte Violoncello und an der Orgel saß Theo Palm.

Wieder und wieder schafften Sänger und Musiker in ihrem etwa zweistündigen Konzert Augenblicke überwältigender musikalischer Ausdruckskraft. Gesang und Melodie breiteten sich angenehm und belebend in der Dreieinigkeitskirche aus.  Prachtvolle Chöre, wie  das „Oratorio de Noel“ oder „Vom Himmel Hoch“, erfüllten die Kirche mit religiöser Feierlichkeit. Im Finale wurden die gebannt lauschenden Zuhörer schließlich zum aktiven Mitsingen begeistert. Beim Lied „Nun freut euch, ihr Christen“ wurden die Zuhörer zu Sängern, begleitet von Chor und Orchester.

Seit dem Frühsommer hatten Sänger und Instrumentalisten in der Aula des Gymnasiums Eschweiler fleißig geprobt. Aber der Aufwand hatte sich gelohnt, denn das Publikum erfreute sich an der Musik und dankte den Künstlern mit tosendem, lang andauerndem Beifall.

Vanessa Sack

©http://www.aachener-zeitung.de/lokales/eschweiler/traditionelles-weihnachtskonzert-der-staedtischen-musikgesellschaft-1.724784

Auszüge aus dem Konzertprogramm sind hier zu hören:

1. Charles Gounod –  Cäcilienmesse   KYRIE  

2. C. Saint-Saens –  Oratorio de Noel  TOLLITE HOSTIAS

3. F. Mendelsohn-B. –  Vom Himmel hoch  ERSTER CHOR  

4. F. Mendelsohn-B. – Vom Himmel hoch  SCHLUSSCHOR

DER “GUNUNG-SAMALAS” WAR ES…

gunung-rinjaniSonnenaufgang am Rinjani – So schön sieht sie manchmal aus: die Caldera des Vulkans Rinjani auf der Insel Lombok in Indonesien. Ein blauweißer Kratersee, in dessen Mitte ein heißer Ascheberg gelegentlich ein Wölkchen Rauch und Asche in den Himmel pustet. Seit Jahren so friedlich, dass man den Touristen Treckingtouren zu seinem Kraterrand anbietet. Seit 2013 scheint aber sicher, dass dieser attraktive Feuerberg auf Lombok zu den globalen Übeltätern von historischer Dimension zählt.

Was man heute als Gunung Rinjani beobachten kann, ist die Restmasse des Vulkans Samalas, der im Jahre 1257 n.Chr. mit verheerender Gewalt explodierte. Neben der Verwüstung in seiner unmittelbaren Umgebung schleuderte der Samalas so viel Asche in die Atmosphäre, dass in Europa noch im Jahr danach 1258 der Sommer ausfiel, ja vielleicht sogar die sog. “kleine Eiszeit” für mehrere hundert Jahre provoziert wurde…  Das Echo globaler Schreckensnachrichten aus dem Mittelalter – zu lesen in den Zeitungen von 2013 – von einem historischen Desaster, für das es bis jetzt keine schlüssige Erklärung gab. 

Hier der Artikel aus der Wissenschaftsredaktion von SPIEGEL-Online vom 1. Oktober 2013

Kälteeinbruch im Jahr 1258

Ein geologisches Mysterium ist offenbar geklärt: Für eine der gewaltigsten Eruptionen der vergangenen 10.000 Jahre soll ein Vulkan auf der Insel Lombok gesorgt haben. Der Ausbruch hatte 1258 einen Temperatursturz und schwere Hungersnöte in Europa verursacht.

weiterlesen in…. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/kaelteeinbruch-1258-forscher-legen-loesung-fuer-vulkan-raetsel-vor-a-925391.html

GOTTES LETZTER DIENER

Wir leben in Zeiten, in denen sich im Vatikan in Rom erstaunliche Veränderungen vollzogen: Papst Benedikt XVI. hat nach neun Amtsjahren – laut eigenem Kommentar – „eine Bombe“ platzen lassen“  und sein Amt zu seinen Lebzeiten freiwillig  zu Verfügung gestellt. Ein Summus Pontifex Emeritus!?  Deus meus! Unerhört! Päpste hatten so etwas seit dem Jahre 1294 nicht mehr gemacht.

Ein neuer Papst aus  Argentinien, ein Jesuit, der sich sehr absichtlich den Namen Franziskus  zulegte und der Option für die Kirche der Armen oberste Priorität verordnete, sieht sich derzeit  der lange bekannten Problematik der Vatikanbank gegenüber. Haftbefehle der italienischen Staatsanwaltschaft gegen Amtsträger, Entlassungen und Neuanstellungen in der Bank, die den Vatikan erneut in die Schlagzeilen der Skandalpresse brachten. Damit soll nun endgültig Schluss sein…  Papst Franziskus will das stemmen. Aber  wird er es schaffen?

Der Roman: Gottes letzter Diener oder wie Papst Patrick das Ende der freien Welt herbeiführte                                                                         

Just in dieBildsen interessanten Zeiten fällt mir ein Buch in die Hände – ein Roman aus dem Jahr 1995, der für diese Thematik wie gerade geschrieben erschien. Der Titel „Gottes letzter Diener“  von Peter de Rosa.  Obwohl damals 1995 Papst Johannes Paul II. noch quicklebendig war,  inszeniert der Autor Peter de Rosa Ereignisse im Jahr 2009, nachdem der polnische Papst nach 31-jähriger Amtszeit gestorben war.   ( Info: Joh. Paul II.  ist de facto 2005 nach 27-jähriger Amtszeit verstorben. )

Das Roman-Konklave von 2009 tut sich schwer mit der Wahl eines Nachfolgers und macht aus Verlegenheit den völlig unbekannten irischen Kardinal Brian Aidan O’Flynn zum Papst,  bisher in der Kurie für Heiligsprechungsprozesse zuständig. Mit dem Namen Patrick wird zum ersten Mal in der Kirchengeschichte ein gebürtige Ire Papst. Ein Jahr später ist er tot, vergiftet durch den päpstlichen Leibarzt im Auftrag der CIA. Aber das Jahr seiner Amtszeit hat es in sich.

Die Welt von 2009 ist zunächst begeistert von dem netten irischen Kerl auf dem Papstthron, der immer von seinem Hund Charley begleitet wird und absolut unpäpstliche Hobbies pflegt: er repariert die Fahrräder des vatikanischen Personals. Aber dabei bleibt es nicht. Die Kirche soll sich so verhalten, wie es das Evangelium verlangt. Ganz einfach: Die Einkommen der Kardinäle werden den Gehältern der übrigen Vatikanangestellten angeglichen und Roms Kirchen müssen nachts für die Obdachlosen geöffnet bleiben. Papst Patrick glaubt, dass auch das Zölibatsgesetz der römischen Kirche unevangelisch ist und veranstaltet im Petersdom eine Massentrauung ehewilliger Priester und Bischöfe, was ihm neben großem Beifall auch den geharnischten Protest der Ostkirchen einbringt. Auch verkündet er, dass Frauen durchaus das Zeug hätten, um als Priesterinnen die Leitung der Gemeinden zu übernehmen. Auch das wird von der Weltöffentlichkeit mit großem Beifall aufgenommen, von einem großen Teil der amtierenden Bischöfe nur protestierend zur Kenntnis genommen.

“Splendor vitae”

Dann aber verfasst er die Enzyklika „Splendor vitae“, in der er Empfängnisverhütung beim Geschlechtsverkehr in jeder Form für unvereinbar mit dem von Gott gewollten Sinn der Geschlechtlichkeit erklärt.  „Mit wirklich aufrichtigem Bedauern sehe er sich gezwungen, Pius XII. zurechtzuweisen, den ersten Papst, der 1951 die Nutzung der unfruchtbaren Tage für den Geschlechtsverkehr gebilligt habe. Er habe der  unveränderlichen Lehre der Kirche widersprochen“ und Papst Patrick fühle sich verpflichtet, Pius XII. zum Ketzer zu erklären. Die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. hätten diesen Irrtum gedankenlos wiederholt, wenngleich er sie nicht auch noch exkommunizieren wollte. Die Welt war wie vor den Kopf gestoßen und begann an der geistigen Gesundheit des neuen Papstes zu zweifeln.

Die internationalen Irritationen verstärken sich noch, als Patrick beginnt,  sich mit der Welt der Finanzen zu beschäftigen. Nach einem Besuch der Vatikanbank IOR, befielt  er die unverzügliche Schließung des päpstlichen Geldinstituts. ( siehe Text Kap.41: Papst Patrick und die Vatikanbank) Nach einem hoch geheimen Treffen mit drei Kardinälen aus Lateinamerika, kommt Patrick zu der Überzeugung, dass der westliche Kapitalismus der Grund für die ungerechte Armut in der Welt sei, dessen zinsgestütztes Kreditgeschäft nichts anderes als gottloser Wucher sei, mit Gottes Gebot und der kirchlichen Lehre absolut unvereinbar .( siehe Text Kap.43 : Papst Patrick und die Schuldenkrise Lateinamerikas und Kap. 44 Papst Patrick und die Zinsen) In einer eindringlichen Rede  vor der Vollversammlung der UN nennt er die internationalen Banken Räuber und Barbaren: “Nehmt eure gierigen Hände aus den Taschen der Armen und eure Füße von ihrem Nacken!“  Die Zinslasten seien ein fortwährendes Unrecht an den Armen. Die Schuldnernationen hätten genug bezahlt und brauchten keine Zinsen mehr an ihre Gläubiger zu bezahlen.

Die Rede löst eine internationale Finanzkrise aus, und die amerikanische Regierung unter dem katholischen Präsidenten Delaney sieht sich gezwungen, die CIA mit der Eliminierung des Papstes zu beauftragen. Patrick übersteht die Mordattacke eines falschen Kapuziners, aber an dem heimtückischen Giftanschlag seines Leibarztes wird er später sterben.

„Mundi Holocaustum“

Von Todesahnungen geplagt, verfasst er die Enzyklika „Mundi Holocaustum“, in der er den Besitz und die Abschreckung mit atomaren Massenvernichtungswaffen für verbrecherisch und gottlos erklärt. Katholische Staatsoberhäupter seien exkommuniziert, wenn sie nicht sofort auf den atomaren Erstschlag verzichteten. Die Staatsbürger seien dann  ihrer Loyalitätspflicht diesen Regierungen gegenüber entbunden. Patrick beruft sich dabei auf  Entscheidungen seiner Vorgängerpäpste Gregor VII., Bonifaz VIII. und Pius V., die auch Kaiser und Könige abgesetzt hätten.

Die freie Welt ist  tief gespalten. Einige bejubeln den Papst als Friedensstifter und Heiligen. Die katholischen Staatsoberhäupter jedoch sind sich einig, die Enzyklika zu ignorieren: Der Papst mische sich in Dinge ein, von denen er nichts verstehe. Und der amerikanische Präsident Delaney wiederholt im Fernsehen sein Gelöbnis, ohne zu zögern, eine Milliarde Muslime abzuknallen, wenn es denn sein müsse.  Das Star-Wars-Programm stehe kurz vor seiner Vollendung.

Die islamische Welt ist alarmiert. Nur noch wenige Wochen, und das Star-Wars-Programm machen die USA endgültig unangreifbar. Das Gleichgewicht des Schreckens funktioniert nicht mehr.  Eine islamische Welt rückt in weite Ferne. Die Führer der FIR (Föderation Islamischer Republiken) unter ihrem Vorsitzenden Ayatollah Hourani entschließen sich angesichts der sich zuspitzenden internationalen Lage zu einem ungeheuren Coup: Um die Option einer islamischen Welt zu behalten, wollen sie auf Papst Patricks Abrüstungsinitiative eingehen und Washington  den einseitigen Verzicht auf Kernwaffen anbieten. Der geheime Plan enthält die Bereitschaft, ihr Leben als Märtyrer für den Islam zu opfern.  Zum Beweis der Ernsthaftigkeit ihrer Absichten reisen die Führer der FIR mit ihren gesamten Familien in die USA und übergeben den Koffer mit den Geheimcodes in amerikanische Hände. Sie selbst stellen sich als Gäste unter den Schutz Amerikas. Präsident Delaney ist nach anfänglichem Misstrauen überzeugt, Amerikas Politik der strategischen Übermacht habe gesiegt und die FIR habe davor kapituliert: Als Zeichen des guten Willens wird die ständige Luftalarmbereitschaft  der USA aufgehoben.

Genau in diesem Zeitraum starten die FIR-Raketen mit nuklearen Sprengköpfen von ihren Abschussrampen von Marokko bis Pakistan und beginnen praktisch ohne Widerstand die freie Welt auszulöschen. Papst Patrick war wenige Minuten zuvor in Rom gestorben. Soweit das fiktive Szenario des Romans.

Fazit 

Einmal abgesehen von der fesselnden Story dieses provozierenden Pontifikats und der wunderbaren Erzählkunst des Autors, ist das Buch eine profunde Auseinandersetzung mit den großen Themen christlicher Lehre und Geschichte. De Rosa steht  für intime Kenntnis sowohl römischer Gepflogenheiten als auch katholischer Theologie und Kirchengeschichte. Obwohl man ob der Skurrilität geschilderter Situationen immer wieder lachen muss – de Rosa ist ein Meister englisch-humorigen Understatements -, wird dem Leser immer mehr deutlich, dass es dem Autor nicht um lächerliche Pointen geht, sondern  um ein Grundproblem moralischer – speziell christlicher – Lebenshaltung:  Ist dem Gemeinwohl der Menschen am besten gedient, wenn man sich einfach gläubig auf Jesu Evangelium verlässt?

Vorbemerkung des Autors: “Papst Patrick ist nur Papst Patrick; für seine Ansichten ist er allein verantwortlich.“

Ein absolut tragisches Szenario:  Im Roman provoziert  der Glaube dieses sympathischen und grundanständigen Papstes Patrick das atomare Ende der westlichen Welt. Ob die es wegen ihrer Unchristlichkeit verdient hat? –  der Autor lässt eventuell mehrere Interpretationen zu.   Aber Fakt ist auch, dass das Ende dieser uns so kostbaren, freien Welt durch unbeirrbar gläubige islamische Überzeugungstäter herbei gebombt wird, die glauben, der Welt  ihrer Religion und dem Gott dieser Religion  einen historischen Dienst erwiesen zu haben. Die Welt von Al Quaeda  und Hisbollah lässt grüßen.

Leseempfehlung?

 Ja sicher –  für alle, die sich ein wenig in der Welt der römisch katholischen Kirche auskennen und nicht bei  jeder Weihrauchschwade einen ideologischen Hustenanfall bekommen. (KS)

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Peter de Rosa: Gottes letzter Diener   KNAUR-München 1998 –  ISBN 3-426-61463-4

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