Musikgesellschaft zum Sommeranfang

ESCHWEILER NACHRICHTEN –   22. Juni 2015

Von Clapton bis Tschaikowsky

konzert06-2015

Die Orchestermusiker und die Chorsänger der Städtischen Musikgesellschaft nahmen ihr Publikum mit auf eine abwechslungsreiche und kurzweilige Sommerreise quer durch Europa samt Abstecher über den großen Teich (Foto: Andreas Röchter)

Eschweiler. Ein Konzert am 21. Juni, dem „längsten” Tag des Jahres, der (zumindest kalendarisch) den Sommeranfang markiert? Klar, dass das Grundthema nur der (hoffentlich) wärmsten Jahreszeit gewidmet sein kann! Und was tut man in diesem Jahresabschnitt? Reisen!

Ob in der Realität oder in Träumen und Gedanken: Das Fernweh packt in dieser Zeit viele Menschen. So nahmen die Instrumental isten des Orchesters sowie die Sängerinnen und Sänger des Chors der Städtischen Musikgesellschan unter der Leitung dem Dirigat von Horst Berretz während ihres Sommerkonzerts im Pädagogischen Zentrum der Adam-Ries-Schule am Sonntagabend das Publikum mit auf eine musikalische Reise kreuz und quer durch Europa, die von einem Abstecher über den großen Teich nach Nordamerika gekrönt wurde. Die Konkurrenz war nicht ganz ohne: Sowohl das Eschweiler Music Festival als auch die „Kurpark Classix” in Aachen boten dem musikbegeisterten Indestädter am Sonntag Alternativen. Doch eine nicht geringe Anzahl von Besuchern hatte sich für das Konzert der Städtischen Musikgesellschaft entschieden. Und kein Gast sollte sein Kommen bereuen!

Denn schon zum Auftakt stellte das Orchester unter Beweis, welche Bandbreite an musikalischen Möglichkeiten diese Jahreszeit bietet. So besteht ein Sommer auf den schottischen Hebriden eben keinesfalls nur aus Sonnenschein und blauem Himmel.

Starke Klangkontraste von spannungs- geladen, gewaltig und schroff bis hin zu melodisch, lieblich und sanft trugen dieser Tatsache in der „Hebriden-Ouvertüre” von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf beeindruckende Weise Rechnung.

Unmittelbar darauf standen die Chorsänger den Instrumentalisten keinesfalls nach, als sie, begleitet von Theo Palm am Klavier, „Floret silva”, „Chramer, gib die varwe mir” und „Swaz hie gat umbe – Chum, chum geselle min” aus Carl Orffs „Carmina Burana” voller Dramatik und Feingefühl intonierten.

Wohlklingend und vielstimmig

Über Tschaikowskis weltberühmten „Schwanensee”‘ und dem machtvollen „Das große Tor von Kiew” aus dem Zyklus „Bilder einer Ausstellung” von Modest Mussorgski leitete das Orchester über zum Spiritual „Swing Low”, mit dem der Chor seine Zuhörer erstmals in die „neue Welt” versetzte. Mit wilden und sich ständig in Lautstärke und Tempo steigernden Jagdszenen aus Edward Griegs „Peer Gynt-Suite I”, während der sich der Titelheld „In der Halle des Bergkönigs” befindet, geleitete das Orchester die Konzertgäste furios in die Pause.

Im zweiten Konzertteil ergänzten sich Chor und Orchester weiterhin großartig. Etwa während des Terzetts „Sie steigt herauf aus Joseph Haydns Komposition „Die Jahreszeiten”, das beschreibt, wie die Sonne zur „flammenden Majestät” am Firmament emporsteigt. Dabei überzeugten die Solisten Stephanie Sievers (Sopran), Johannes Rohrer  (Tenor) sowie Wolfgang Zemler und Dr, Franz Wolters (beide Bass) das Publikum, bevor Saxofonist Johannes Flamm und Pianist Theo Palm das Stück „Modere” aus „Scaramouche” von Darius Milhaud erklingen ließen. Über den „Gefangenenchor” aus Verdis „Nabucco” im Zusammenspiel von Chor und Orchester ging es Schlag auf Schlag weiter: Die Sänger interpretierten gefühlvoll Leonard Cohens „Halleluja” und „Tears in Heaven” von Eric Clapton, während das Orchester mit dem  „Carillon” aus Bizets „L’Arlesienne” und Glenn Millers Swing-Ohrwurm „In the Mood” einmal mehr seine Vielseitigkeit präsentierte.

Zum Abschluss wurde dann kurzerhand der Chor um das Publikum vergrößert: So erklangen die aus der Feder Friedrich Schillers stammenden Zeilen „Freude schöner Götterfunken”, die Ludwig van Beethoven in seiner 9. Sinfonie vertonte, nach einer orchestralen Einleitung wohlklingend und vielstimmig.

Dankbarer, lautstarker und langanhaltender Applaus der sich von den Sitzen erhebenden Konzertgäste belohnte die Protagonisten der Städtischen Musikgesellschaft um Leiter Horst Berretz zurecht. Und auch wenn der Dirigent augenzwinkernd bemerkte; dass seine Schützlinge und er nicht auf eine Zugabe vorbereitet seien, blieben die Musiker diese selbstverständlich nicht schuldig. So erklang noch einmal das Meisterwerk „In the Mood’, das die Zuhörer in die richtige Sommerstimmung versetzte. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen! (ran)

© http://aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/musikgesellschaft-zum-sommeranfang

Apropos Günter Grass …

… ein Nachruf auf den Förderer des indonesischen Schriftstellers Pramoedya Ananta Toer.

Günter Grass ist tot. Die deutsche Literatur hat einen der wichtigsten Schriftsteller der Nachkriegszeit verloren.  Neben seinem fast unbestrittenen Rang als großer Erzähler und Künstler polarisierte der Literatur-Nobelpreisträger ein Leben lang die deutsche Öffentlichkeit durch seine Thesen und Statements zu aktuellen Themen deutscher Politik. Darüber kann man derzeit ausführlich in allen Feuilletons der deutschen Zeitungen lesen.

DownloadWeniger bekannt ist allerdings, dass sich Günter Grass auch  ein Leben lang für Schriftsteller aus der sog. „3. Welt“ eingesetzt  und nach Kräften unterstützt hat. Einer von diesen war der 2006 verstorbene indonesische Schriftsteller Pramoedya Ananta Toer.  „Pram“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, ist der bedeutendste Romanzier der jungen indonesischen Literatur, dessen Bücher in Indonesien bis zum Sturz Suhartos 1998 auf dem Index verbotener Bücher standen.  Durch wen Günter Grass auf ihn aufmerksam wurde, konnte ich nicht herausfinden. Sicher ist allerdings, dass er nach der Lektüre von Prams Büchern sich unermüdlich für den verfemten Erzähler engagiert hat. 1981 hat er den vom Suhartoregime unter Hausarrest gestellten Dichter ostentativ in Jakarta besucht und ihm als Zeichen der Verbundenheit eine Grafik von ihm  geschenkt, die seitdem eine Wand in Prams Haus zierte.

 „Seit vielen Jahren werbe ich für den Autor Pramoedya Ananta Toer“, so Günter Grass, „es sind vor allem seine Bücher, die uns das nach wie vor verschlossene Inselreich Indonesien und dessen wechselvolle Geschichte eröffnen; Bücher, die allen Widrigkeiten zum Trotz entstanden sind und die den Leser, wenn er nur will, reich machen können.“

Einmal abgesehen von seinem Engagement für einen von der politischen Klasse verfolgten Kollegen, was interessierte den deutschen Schriftsteller Grass so besonders an dem Autor Pramoedya Ananta Toer? Ich denke, beide sind engagierte Zeitzeugen eines zeitgeschichtlichen Umbruchs ihrer Gesellschaften. Günter Grass sagte, sein Thema sei der 2.Weltkrieg,  und was er aus Deutschland und seinen Menschen gemacht hat. Prams Thema ist das Ende der holländischen Kolonialherrschaft und das revolutionäre Schicksal des sich neu formierenden Nationalstaates Indonesien, das auch sein persönliches Schicksal war. Die Hälfte seines Lebens verbrachte er in Gefängnissen und Lagern. Dort entstanden auch seine wichtigsten Bücher. Einen kurzen Überblick über Prams Leben und Werk schenkt uns sehr anschaulich der – leider 2009 verstorbene – Autor

Rüdiger Siebert:

„Leseproben – Indonesiens Beitrag zur Weltliteratur –  Pramoedya Ananta Toer (1923 – 2006)“

 Wäre Pramoedya Ananta Toer noch am Leben, dann hätte es sicher auch einen dankenden Nachruf auf den Freund und Kollegen Günter Grass  in den indonesischen Medien gegeben, in denen ich eine Würdigung von Günter Grass bis dato vermisse.  Vielleicht sind es die Nachwehen der langen Suharto-Ära, in der Pram zu den totgeschwiegenen Autoren gehörte und einer ganzen Generation von jungen Indonesiern unbekannt war und ist, einer Zeit, in der  Indonesiens wichtigster Autor – um überleben zu können – auf das Engagement und die Unterstützung ausländischer Kollegen, wie Günter Grass angewiesen war. Ihm sei hiermit posthum ausdrücklich dafür gedankt.

 (KS)

Es wird höchste Zeit…

Obwohl es im Indonesien von 2015  an Projekten und Problemen nicht mangelt, wird es höchste Zeit, dass Indonesien nach 50 Jahren sich endlich  Klarheit über die Ereignisse verschafft, die mit dem Kürzel “G30S” umschrieben werden, dem Militärputsch des General Suharto und dem damit verbundenen Massenmord und den Progromen an  Millionen indonesischer Bürger.

Bald wird es keine überlebenden Zeugen mehr geben.  Den überlebenden Tätern, die sich als Retter Indonesiens feiern lassen,  käme das sehr zu pass. So wurde z.B. 2014 durch eine internationale Kampagne gerade noch verhindert, dass der damalige Präsident (und Ex-General) Susilo Bambang Yudhoyono (SBY), seinen Schwiegervater General Sarwo Edhie Wibowo, den verantwortlichen Militärkommandeur für den Massenmord in Mitteljava, posthum zum Nationalhelden  erklärte. 

Das Regime Suharto wurde 1998 zwar entmachtet, aber das Tabu “G30S” und seine Profiteure blieben bis heute unangetastet. Die Kinder und hinterbliebenen Familien haben einen Anspruch auf Gerechtigkeit.

Dank an den Autor Till Mayer, der sich dieses  Themas in diesem SPIEGEL-Artikel angenommen hat.  (KS)

Till Mayer Indonesien

 

Völkermord in Indonesien:                                             Eine Million Tote – keine Gerechtigkeit

Aus Jakarta berichtet Till Mayer                                                                                      SPIEGEL-Online 1. März 2015

In Indonesiens Folterkellern starben bis zu eine Million Kommunisten, Linke, Künstler. Überlebende und Angehörige fordern 50 Jahre danach noch immer Gerechtigkeit. Doch die Täter gelten als Helden

Die Schattenmänner stehen verloren im Abseits, kaum einer beachtet sie. Trotzdem streckt einer die linke Faust in den Himmel. “Gegen die Straflosigkeit!” Was Endang Darsa ruft, schluckt der Verkehr. Mopeds, Laster, Autos rauschen an ihm vorbei. Ab und zu blickt einer hinter dem Steuer auf die alten Männer am Straßenrand. Dann springt die Ampel wieder auf Grün.

Wer oft an Indonesiens Präsidentenpalast vorbeifährt, kennt die Demonstranten. Seit Jahren stehen sie dort an jedem Donnerstagnachmittag. Ihre schwarzen Schirme mit dem weißen Aufdruck erinnern an einen verdrängten Völkermord. Zu ihren Füßen liegen Fotos der Ermordeten.

1965 töteten rechtsgerichtete Militärs und Milizen laut Schätzungen von Amnesty International bis zu eine Million Menschen, die sie für Staatsfeinde hielten: Kommunisten, Intellektuelle, Studenten, Künstler, Gewerkschafter, zudem Angehörige der chinesischen Minderheit und sogar andere Soldaten.

Weiterlesenhttp://www.spiegel.de/politik/ausland/indonesien-opfer-des-genozids-fordern-entschaedigung-und-gedenken-a-1019629.html

siehe zum Thema auch: https://klaussturm.wordpress.com/2012/11/30/ein-gar-nicht-mehr-lustiges-theater/

„HERR, schicke mich bitte nicht in Deinen Himmel…“

ya tuhan

Indonesien: Gebet eines jungen muslimischen Bloggers

„HERR,  schicke mich bitte nicht in Deinen Himmel…“

Wenn die Bewohner dieses Himmels ihre Mitmenschen gerne in Deinem Namen verfluchen…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn die Bewohner dieses Himmels gerne die Gebets- und Kultstätten  in Brand stecken von Menschen, die andere Überzeugungen haben als ihre eigenen…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser  Himmel von Leuten bevölkert wird, die ihre Mitmenschen gerne beleidigen und terrorisieren…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser Himmel von Leuten bevölkert wird, die gerne die Häuser ihrer Nachbarn in  Brand stecken und sie obdachlos machen…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser Himmel von Leuten bevölkert wird, die sich gerne selbst in die Luft sprengen und in Deinem Namen die Erde verwüsten…

Schick mich bitte nicht in den Himmel, wenn dieser Himmel voll ist  von Leuten, die in Deinem Namen  gerne Kriege führen und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen..

HERR, lass mich bitte nicht in den Himmel, der von Leuten bevölkert ist, die gerne in Deinem Namen ihre Mitmenschen umbringen…

HERR, lass mich bitte nicht in den Himmel, der voll ist von Leuten, die gerne in Deinem Namen über ihre Mitmenschen richten…

HERR, erhöre meine Bitte, denn dieser Himmel  kann doch nicht aus Blut, Zorn und Feuer bestehen…

…weil es doch klar ist, dass dieser Himmel nur  die HÖLLE sein kann!

Jakarta, 3. April 2008

Feri Latif

ps. Es sei denn, diese Leute bereuen und bekennen ihre Verfehlungen gegenüber DIR und der Menschheit… und sind bereit,  für ihre Fehler zu büßen.

(Übers. aus Bahasa Indonesia: K.S.)

MÖRDERISCHE IDENTITÄTEN

Mörderische Identitäten

maaloufIn den Zeiten der Charlie Hebdo-Attentate und I.S. , von Front National und Pegida fällt mir ein Büchlein des französisch-libanesischen Autors Amin Maalouf aus dem Jahre 1998 in die Hände mit dem provokanten Titel: „Mörderische Identitäten“. Auf dem Hintergrund des grausamen Jugoslawienkriegs (1991–1996) widmet er sich darin eindringlich der Frage:  Ist es ein Naturgesetz oder einfach geschichtliche Entwicklung, die die Menschen dazu verdammen, sich im Namen von Identitäten gegenseitig zu bekämpfen und umzubringen? Warum können Menschen verschiedener Herkunft, Religion oder Hautfarbe nicht miteinander leben? Was macht dieses Zusammenleben so gefährlich?

Amin Maalouf fühlt sich persönlich durch diese Frage herausgefordert.   Maalouf,  ein Autor prachtvoller historischer Romane, wie „Leo Africanus“ oder „Die Reisen des Herrn Baldassare“, oder „Die Häfen der Levante“, wurde 1949  im Libanon geboren als Sohn einer christlichen Araberfamilie, verließ 1976 im Alter von 27 Jahren den Libanon und lebt seither in Frankreich. Oft gefragt: „Halb Libanese, halb Franzose? Keineswegs!“, sagt er. „Identität lässt sich nicht aufteilen, weder halbieren, noch dritteln oder in Abschnitte zergliedern!  Ich besitze nicht mehrere Identitäten, ich  besitze nur eine einzige, bestehend aus all den Elementen, die sie geformt haben, in einer besonderen „Dosierung“, die von Mensch zu Mensch verschieden ist.“ Die wichtigsten dabei sind familiäre Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Kultur, Religion, Nationalität, persönliche Erfahrungen.

Maalouf besteht darauf, genau hinzusehen und sich klar zu machen, dass jeder von uns seine ganz persönliche Geschichte und Prägung hat. Und dass eigentlich keines dieser Elemente das Recht hat, mich als Mensch und Person ausschließlich in Besitz zu nehmen. Es kann aber zu tödlichen Loyalitätskonflikten kommen, wenn eines dieser Elemente dominante Ausschließlichkeit beansprucht, bzw. die anderen bestimmen, ob ich dazugehöre oder nicht. Extremstes Beispiel neben vielen Progromen und Exzessen der jüngeren europäischen Geschichte war die Rassenideologie der Nazis.

Europa erlebt in den letzten Jahrzehnten eine gewaltige Migration von Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika, die zum großen Teil aus muslimischen Ländern flüchten oder einzuwandern versuchen, um Bürger Europas zu werden. Migration ist kein Randproblem mehr. Laut Statistischem Bundesamt hat 2014 jede dritte Familie in Deutschland Migrationshintergrund. Einwanderung und  Integration war immer schon ein schwieriger Prozess, da die Migranten – häufig unreflektiert – ihre Lebens und Wertevorstellungen mitbringen, die mit den vorgefundenen europäischen Gewohnheiten und Überzeugungen kollidieren. Europa und speziell Deutschland tut sich schwer mit Einwanderung, da es sich bis vor wenigen Jahren ostentativ geweigert hat, Einwanderungsland zu sein –  und de facto bis dahin eher ein Auswanderungsland war.

Ein besonderes Problem bildet aktuell der Islam, der sich derzeit in seinem eigenen Kulturraum in Afrika und Asien in einer oft tödlichen Auseinandersetzung um den „wahren“, den „richtigen“ Islam befindet, die durch die technisch-zivilisatorische Übermacht des „Westens“ provoziert wird. Maalouf beschreibt im 2. Kapitel sehr anschaulich diese Krise des muslimischen Kulturraums. Die Konfliktlinien gehen auch durch viele Einwandererfamilien  Europas. Auf Grund sozialer und wirtschaftlicher Probleme verweigern viele Kinder und Enkel der Einwanderer inzwischen ostentativ die Identifikation mit ihrer neuen europäischen Heimat. Die Auseinandersetzungen in Frankreich zeigen,  dass nicht einmal die gemeinsame Sprache die Probleme mindern – die Migranten aus Nordafrika sprechen alle recht gut französisch – wobei die Beherrschung der Sprache des Gastlandes eigentlich eine der wichtigsten Brücken des guten Zusammenlebens ist.

Wie gut lässt sich Identität an der Nationalität festmachen? Was heißt denn: „Ich bin Franzose, ich bin Deutscher, ich bin Schweizer?“ Reicht ein Blick in den gültigen Pass oder Personalausweis? Zur Ein- oder Ausreise in ein Land schon, zu mehr aber auch nicht. Maalouf  plädiert eindringlich für ein neues europäisches Bewusstsein, das sich angesichts der Globalisierung an sein historisches Ringen um eine menschlichere Gesellschaft  erinnert, in der die alten überkommenen Identitätsforderungen – die alten Totems –  aus Familienclan, Religion und Nationalität ihren mörderischen Ausschließlichkeitsanspruch verloren haben. Europa nicht am Ende – sondern an einem neuen Anfang seiner wichtigen Geschichte für die Welt.

Unbedingte Leseempfehlung. Ich wünschte mir das 144 Seiten dicke Büchlein als „must-read- Lektüre“ für die   jungen Leute in unseren Schulen.

KS – Feb. 2015

ps. Ausdrückliche Empfehlung auch anderer Rezensionen: hier bei Amazon

… NICHT ALLE CHARLIE HEBDO – FRAGEZEICHEN?

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Zwei Entdeckungen im Internet provozierten mich heute zu diesem Beitrag.  Da war  zum einen das obige Foto  in der Online-Ausgabe der indonesischen Zeitschrift „Merdeka“ und  zum zweiten ein Artikel von Michaela Wiegel im Online-Dienst der FAZ .

 Zu sehen auf dem Foto ist Amedy Coulibaly und seine Frau Hayat Boumediene, das Terrorpärchen, das in Paris für die Ermordung der Polizistin und der Geißeln in dem jüdischen Supermarkt verantwortlich ist. Er inzwischen von der Polizei erschossen, sie auf der Flucht in Syrien. Eine brutale Tragödie. Provozierend  auf dem Foto, die beiden als glücklich verliebtes Paar an einem der Sommerstrände Europas – daneben die gewaltbereite Hayat mit gezogener Waffe. Zwischen  diesen beiden Fotos  muss wohl einiges passiert sein im Leben der beiden.

Eigentlich war ja nach den Bildern im Fernsehen und der Presse  vor ein paar Tagen doch  klar, dass ganz Frankreich und ganz  Europa „Charlie Hebdo“ seien. Eine Million Demonstranten in Paris. Monsieur Hollande und  Madame Merkel  Arm in Arm auf dem Platz der Republik. Solidarität und  Respekt für die ermordeten Redakteure der französischen Satirezeitschrift, stellvertretend für das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit in Europa. Frankreich ließe sich durch solch barbarische Anschläge nicht auseinander dividieren, beschwor Präsident Hollande seine geschockte Nation. Und die Vertreter der muslimischen Verbände beteuern lautstark, dass die Mörder von Paris keine wahren Moslems seien und den Namen des Islam für ihre terroristischen Ziele missbrauchten, womit sie nun leider Recht haben, das bedrohliche Problem der salafistisch- jihadistischen Szene aber auch leider nicht lösen werden.

Was war aber heute bei FAZ-Net Online zu lesen: Vom Hass vieler junger Leute in den Schulen der Grand Nation, die lautstark für sich reklamieren: „Wir sind Nicht Charlie Hebdo!“  Und diese Berichte scheinen nun allen Beobachtern recht zu geben, die schon immer darauf bestanden, dass die wahre Wurzel des islamistischen Terrors nicht ein religiöser Aufbruch des Islam sei, sondern die sozialökonomische Deprivelegierung und Chancenlosigkeit  der jungen muslimischen Generation gegenüber der arroganten Dominanz des “Westens”. (siehe Meddeb: Die Krankheit des Islam) Ausgrenzung, Kränkung und verletzter Stolz ist die beherrschende Grundstimmung. Das gilt für fast alle Länder des muslimischen Kulturkreises und explizit auch für die junge Generation der muslimischen Franzosen in den trostlosen Banlieues der französischen Großstädte.

Man konnte es schon länger wissen, aber jetzt steht es auch in der Zeitung: Muslimische Jugendliche radikalisieren sich gefährlich in den Gefängnissen, wo sie nicht wegen ihrer Zugehörigkeit zur unterdrückten islamischen Religion einsitzen, sondern wegen krimineller Delikte in ihrem desolaten Vorstadtmilieu.  Dort treffen sie auf schon einsitzende radikale Islamisten, die den Kopf voll haben von Islamideologen wie Hassan al Banna, Sayid Oubt, Ala Maududi oder S.K. Malik (siehe:http://derprophet.info/inhalt/das-koranische-konzept-von-krieg/) u.a., die schon lange dem Westen und seinem Lebensstil  den Kampf angesagt haben. Allahkratie statt Demokratie.  Diese Hass-Prediger erklären den jungen Leuten, dass der Grund ihrer desolaten Lebenschancen ihr nicht richtig gelebter Islam sei und ihr Leben im Kampf für den richtigen Islam endlich seine gottgewollte Bestimmung bekäme. Der soziale Konflikt bekommt eine religiöse Bedeutung.

„Der Islam ist die Lösung!“, der alte Schlachtruf der ägyptischen Muslimbrüder bekommt eine neue Bedeutung: “ Vergiss Frankreich, vergiss Europa! Europa ist Dar al Harb – es ist Feindesland, und seine Repräsentanten sind die Feinde Allahs und seines Propheten.“   Jeder dieser jungen Leute kann persönlich bestätigen, dass dieses Land ihn nicht schätzt und nicht braucht. Der Islam aber braucht ihn. Den gotteslästerlichen Spöttern von Charlie Hebdo das Maul zu stopfen, sei – Bismillah! – eine längst überfällige Tat.  Die heldische Faszination, mit der Waffe in der Hand für  Gott und seine Religion zu sterben, ist dem Abendland ja nicht unbekannt – man braucht nicht bis ins christliche Mittelalter zurückzugehen – die Hitlerjungen, die  auf den Schlachtfeldern der letzten Kriegstage für Deutschland und seinen Adolf Hitler verbluteten, müssten als mahnende Opfer  einer rassistischen Nationalreligion eigentlich genügen.

Dass sich der Islam als Religion der „aufklärerischen“ Moderne stellen muss, in der die demokratische Verfassung für das Zusammenleben der Menschen die höchste Autorität beansprucht und Religion die Privatangelegenheit des Einzelnen ist, das  wird noch viel Diskussion in der Umma provozieren. Das angesprochene Problem in den Vorstädten Frankreichs  oder auch Berlins wird aber durch keine noch so theologisch informierte Argumentation zu entschärfen sein. Vor Ort müssen junge Leute Perspektiven und Respekt in dieser Gesellschaft glaubhaft erfahren können, in der sie sich auch trauen mit den religiös patriarchalischen Verhaltensmustern ihrer Herkunftsländer zu brechen.

Natürlich ist zum jetzigen Zeitpunkt erhöhte Alarmbereitschaft der Sicherheitsbehörden geboten. Aber mittelfristig ist dieser Problematik mit mehr Polizei oder  schärferen Gesetzen allein  nicht beizukommen. Irgendwann  werden die zornigen jungen muslimischen Europäer zwar erkennen, dass der Weg der Gewalt keine Lösung ihrer Probleme bringt, aber wann dieser Zeitpunkt sein wird, hängt doch sehr von der Reaktion  Europas ab. Wann wird ihnen Europa als Heimat genau so kostbar sein wie der eingesessenen Mehrheitsgesellschaft? Bewegungen wie der Front National  Marine le Pens in Frankreich oder Pegida in Deutschland sind derzeit die absolut kontraproduktiven Signale. Und sie sind bestimmt nicht die berufenen Anwälte von Charlie Hebdo!

KS 16-01-2015

WEIHNACHTSKONZERT 2014

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Chor und Orchester  der Städtischen Musikgesellschaft bei ihrem Weihnachtskonzert am Vorabend des 4. Advent in der Kirche St. Peter und Paul. Auch wurde ein  Werk des Eschweiler Komponisten Friedrich Rademacher wunderschön interpretiert. Fotos. Ebbecke-Bückendorf

Ein Abend des Eischwiele Jong

Ehrengast Friedrich „Friedel” Radermacher darf sein eigenes Werk hören.

Von FRIEDHELM EBBECKE-BÜCKENDORF

Eschweiler. Mit zwei musikalischen Überraschungen begeisterte die Städtische Musikgesellschaft am Vorabend des 4. Advent die vie­len Zuhörer, die zum Weihnachts­konzert in die Kirche St. Peter und Paul gekommen waren. Am Schluss gab es stehenden Bei­fall für Orchester, Chor und Solis­ten, für den Dirigenten Horst Berretz und – ganz besonders warm und herzlich – für den Komponis­ten Friedrich Radermacher.

Profes­sor Radermacher ist sozusagen ein „Eischwiele Jong”. Geboren in Düren, wuchs er in Eschweiler auf und wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Indestadt, unter anderem als Mitbegründer und bis 1959 auch als Leiter der Städtischen Musikgesellschaft. Später war er stellvertretender Direktor der Musikhochschule Köln. Der 90-jährige Komponist lebt heute in Hilden bei Düssel­dorf. Am Samstag waren er und seine Frau Ehrengäste des Weih­nachtskonzerts, auf dessen Pro­gramm Radermachers 1954 ent­standene  Weihnachtskantilene stand.

Mal geheimnisvoll, mal mystisch

Ein beeindruckendes Werk! Im Wechsel erzählen Chor und Solis­ten – der Tenor Raphael Pauß und die Sopranistin Marlies Buchmann – in dieser Kantilene die Weih­nachtsgeschichte. Das klingt mal geheimnisvoll und mystisch, mal andächtig und fromm, mal su­chend oder sogar verzweiflungs­voll, wie beim Tenorsolo „Die Vä­ter hoffeten auf ihn mit Tränen und mit Flehn”. Und wie in dem Duett „Schlafe du Knabe, schlaf ein” das Wiegen­lied sich zu weihnachtlichem Ju­bel steigert – das ist wirklich meis­terhaft. Wie auch der andachts­volle Schluss des Werkes, bei dem die gesprochenen Worte „Herr, du bist würdig zu nehmen Lob und Preis und Dank”, von ge­zupften Akkorden der Streicher begleitet wer­den.

Rauschender Beifall

Rauschender Beifall dankte den Interpreten dieses zu Unrecht nur selten aufgeführten Wer­kes. Und auch der Komponist be­dankte sich bei der Musikgesell­schaft und den Solisten, denen es erkennbar Freude gemacht hatte, diese musikalische Weihnachtsge­schichte in allen Nuancen darzu­stellen.                                               Begonnen hatte das Weih­nachtskonzert mit dem Doppelkonzert für zwei Violinen und das, Orchester BWV 1043 von Johann Sebastian Bach. Die Solo-Geigen spielten Brigitte Petrovitsch, Kon­zertmeisterin im Orchester der Städtischen   Musik-gesellschaft, und Roswitha Kühnen.

Hauptwerk des Konzertabends war aber die Messe A-Dur Opus 12 des französi­schen Komponisten Cesar Franck. Cornelia Schwarz-Misere, die Vor­sitzende des Chores, die durch das Programm führte, wies daraufhin, dass auch Frank ein Komponist aus der Region gewesen sei. Seine Mutter stammte aus Aa­chen, sein Vater aus dem deutsch-sprachigen, heute belgischen Ort Gemmenich. Die Franck-Messe war die andere große Überra­schung des Weihnachtskonzertes, und zwar vor allem durch die be­eindruckend dichte, konzentrierte Leistung des gesamten Ensembles.

Spielfreude und Dynamik

Der Chor der Musikgesellschaft zeigte sich harmonisch, differen­ziert und auch in den leisen Passagen  ausdrucks­stark; das von Horst Benetz straff ge­führte Orchester, verstärkt durch aus­wärtige Solisten, voller Spielfreude, mit Fülle und Dynamik. Auch die Gesangssolisten waren exzellent: Etwa Bassist Christian Brülls aus Aachen, die aus Hagen stammende Sopranistin Marlies Buchmann, die an der Mu­sikhochschule Köln Gesang lehrt, und der Kölner Tenor Raphael Pauß – der an diesem Abend über­ragend war – in dem anrührenden, sanften, zunächst nur von der Harfe begleiteten Stück „Panis angelicus”.

Bei der Zugabe, zu dem Weihnachtslied „Nun freut euch ihr Christen”, waren die Besucher des Konzertes zum Mitsingen eingeladen. Das ist nicht nur eine schöne Tradition bei den Weih­nachtskonzerten der Städ­tischen Musikgesellschaft, es macht auch deutlich, dass das weihnachtliche Gesche­hen alle Menschen angeht, die sich auf die Bedeutung dieses Festes einlassen.

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© ESCHWEILER NACHRICHTEN – Lokales – Mittwoch 24. Dezember 2014

http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/ein-abend-des-eischwiele-jong-1.987012

Das Jubiläum und das Totenschiff

 

Kopie von totenschiffDas Dorf Höchen im Saarland will 2012 sein 750-Jahr-Jubiläum feiern. Christof Missy, Kommissar bei der Saarbrücker Polizei, möchte dafür eine Chronik der Familien des Dorfes zusammenstellen und stößt dabei auf den Namen Hermann Reiter, eines Missionars der Ev. Basler Missions-Gesellschaft, der 1942 bei einem Schiffsuntergang im Indischen Ozean vor Küste Sumatras ums Leben kam. Er bittet Dieter Gräbner, Journalist und Buchautor, um Hilfe. Er möge der Sache nachgehen und  die näheren Umstände dieses Todes recherchieren.

Das tat der und stieß dabei auf eine brisante Tragödie des  2. Weltkriegs, die weit über das traurige Schicksal des Hermann Reiter hinausging. 412 weitere Deutsche als Internierte der holländischen Kolonialregierung von „Nederlands Indie“ kamen bei dem Untergang des holländischen  Schiffes „Van-Imhoff“ ums Leben. Die Katastrophe ist ein Politikum. Warum konnten sich nur 71 deutsche Schiffsbrüchige retten, während der holländische Kapitän und die komplette Schiffsbesatzung am Leben geblieben war? Handelte es sich um ein verschwiegenes niederländisches Kriegsverbrechen?

Dieter Gräbner ist der Frage nachgegangen, und herausgekommen ist ein ungemein interessantes und spannendes Buch. Wir lesen nicht nur den neuesten Stand der Ermittlungen, sondern erfahren einiges über das Schicksal der Deutschen in der holländischen Kolonie Ostindien vor und während der Kriegsjahre, und besonders viel Persönliches  vom Leben der Missionarsfamilie Reiter aus dem Saarland. Fünf Kinder dieser Familie leben noch und trafen sich 2012  anlässlich des Dorfjubiläums  in Höchen – eine Straße wurde nach ihrem Vater benannt. Bewegend ihr Rückblick auf ihre Kindheit, geprägt vom Missionarsberuf  ihres Vaters, seinem Tod und der Trennung der Familie durch die Wirren des Krieges.

Dieter Gräbner nimmt den Leser mit bei seiner Recherche über eine Familiengeschichte, bei der die Weltgeschichte Regie führte, in eine Zeit, zu der man vielleicht nur durch solche Bücher Zugang finden kann.  Dank dem Autor und dem Conte-Verlag für das Buch und seine Reihe „Libri Vitae“ !

Leseempfehlung (auch für Nicht-Saarländer)  *****

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Dieter Gräbner: Die „van Imhoff“ – das Totenschiff, Geschichte und Mythos einer Weltkriegstragödie Conte-Verlag – Saarbrücken 2012

(KS)

Karl Heinz Bohrers “Granatsplitter”

Karl Heinz Bohrers „Granatsplitter“

Was für ein schönes Buch! Ich bin begeistert. Vielleicht muss man alt genug sein, ein bisschen dieser Zeit noch erlebt haben, um diese Erzählung so richtig mitempfinden zu können.  Wunderbar, dass dem inzwischen 82-jährigen Karl Heinz Bohrer noch so viel präzise Erinnerung an seine Kindheit und Jugend geblieben ist, in diesem Alter ein solches Buch zu schreiben. Auch wenn der Autor in seinem Postskriptum darauf hinweist, dass dieses Buch keine Autobiographie sei, sondern die „Phantasie einer Jugend“, so hat er sich doch einen Jungen ausgesucht, der diese Zeit zwischen 1932 – 1953 de facto erlebt haben muss. Bohrer, Jahrgang 1932, ist  ein Kölner Junge, dem die Liebe seines Vaters zu seiner Heimatstadt Köln irgendwie unerklärlich war, der aber selbst als Kind mit viel Gefühl an seiner katholischen Vaterstadt hing, den aber sein Lebensweg in ein ganz anderes Deutschland führte. Philipp Oehmeke vom SPIEGEL nennt diesen „Bohrer-Jungen“ den „Huckleberry Finn des Ruinendeutschlands“.  Das Ruinendeutschland erlebte der  „Bohrer-Junge“ allerdings nur dann, wenn er aus dem ländlichen, vom Krieg verschonten Internat im Schwarzwald seine Schulferien bei seinen Eltern in Köln verbrachte.

Der Charme dieses Buches liegt eben nicht so sehr in der phantastischen Dimension der Erzählung, sondern in der Schilderung konkreter Erfahrung dieser Zeit, auch wenn der „Bohrer-Junge“ die Gymnasialjahre in dem elitären Internat „Birklehof“ in Hinterzarten/Breitnau im Schwarzwald erlebte, einem Ort, der nicht unbedingt als der typische Erfahrungsbereich der deutschen Altersgenossen des Karl Heinz Bohrer gelten kann.  Wie man der Präsentation im Internet http://www.birklehof.de/  entnehmen kann, gibt es das Internatsgymnasium „Birklehof“ auch heute noch, und Karl Heinz Bohrer ist ein sicher hoch angesehener „Alumnus“ der „Altbirklehofer“. Der „Birklehof“ , eines der angesagten Zentren  der Reformpädagogik  im Nachkriegsdeutschland, eine Schwestergründung des bekannteren Internats „Salem“ am Bodensee, ist auch heute noch eine exklusive Privatadresse für Eltern, die für die Schule ihres Kindes monatlich etwa € 3.000,- zur Verfügung haben.

Die Vita des „Bohrer-Jungen“ ist aber ein Beispiel für eine Generation von Kindern, deren  Eltern sich damals im bürgerlich konservativen Ressentiment gegenüber Nazideutschland befanden und ihre Kinder der Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus entziehen konnten. Der „Bohrer-Junge“ im Internat erlebt seine Jugend in einem Kokon von Schule, Literatur und klassischem Drama, aus dem er sich erst in späteren Jugendjahren befreien wird. Seine Passion für Literatur und Theater bringt ihn in Konflikt zu seinem Vater, der sich als promovierter Nationalökonom eine konkretere Karriere für seinen Sohn gewünscht hatte. Aber der „Bohrer-Junge“ bleibt der Passion für die Literatur treu. Seine Begegnung mit England und den Engländern bringt ihm die nötige Distanz zum bisher Erlebten in Deutschland. Aus dem „Bohrer-Jungen“ wird einer der renommiertesten Literaturkritiker Deutschlands, der in seinen „Granatsplittern“  dieses Mal nicht hochkarätig kritisiert, sondern einfach  einnehmend erzählt. Leseempfehlung: Natürlich – mit fünf Sternen!

Nb. Dank an meine Schwester Hildegard, die mir das Buch zu Weihnachten geschenkt hat.

Wer etwas mehr über den „Bohrer-Jungen“ wissen möchte, dem sei ein Interview mit Karl Heinz Bohrer aus der Süddeutschen Zeitung empfohlen: „Ich habe einen romantischen Blick“

Wenn Menschen nicht arbeiten und keine Genies sind, werden sie banal. Gegenüber diesem existentiellen Kummer habe ich die Universität als erhabene Existenz empfunden. Es gibt keinen stärkeren Schutz gegen die Banalität des Daseins als theoretisches Denken oder Dichten. Im Hörsaal Studenten zu erklären, was die Kunst an der Kunst ist, war und ist für mich ein Lebenselixier.“  Karl Heinz Bohrer

  KS

Karl Heinz Bohrer: Granatsplitter – Erzählung einer Jugend © Carl Hanser-Verlag- München 2012

Traditionelles Weihnachtskonzert der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler

weihkonz2013

Einen ausgesprochen weihnachtlichen und festlichen Charakter hatte das Konzert der Städtischen Musikgesellschaft am Samstag, dem 21. Dezember 2013 in der evangelischen  Dreieinigkeitskirche.  Das beim Publikum besonders populäre Weihnachtskonzert, welches in der Regel am letzten Adventssamstag in der Hauptpfarrkirche St. Peter und Paul stattfindet, fand auch in diesem Jahr erneut viel Zuspruch.

In der gut gefüllten Kirche rückten die erwartungsvollen Zuschauer eng zusammen, um sich von exklusiver Weihnachtsmusik erfreuen zu lassen. Unter der Leitung von Horst Berretz ertönten anspruchsvolle Werke bekannter Komponisten, wie die „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod (1818 bis 1893) und das „Oratorio de Noel“ von Camille Saint-Saens (1835 bis 1921), Stücke deutscher und französischer Chorromantik, wie die Weihnachtskantate „Vom Himmel hoch “ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847).

Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft wurden von den Solistinnen und Solisten Bettina Thülen (Sopran), Anna Fischer (Alt), Walter Drees (Tenor) und Harald Martini (Bass) gesanglich unterstützt. Stimmlich sehr präsent war dabei die aus Eschweiler stammende Sopranistin Bettina Thülen, ein langjähriges Mitglied der Musikgesellschaft. Eindringlich und kraftvoll sang sie ihre Passagen. Dabei war aufgrund ihrer hohen Stimmlage, die in der Kirche klangvoll widerhallte, Gänsehaut beim Publikum garantiert.

Aber auch die anderen Solisten, die von weiter her angereist waren, konnten gesanglich glänzen und mit ihren Stimmen überzeugen. So bot die in Gladbeck geborene Anna Fischer, die Gastauftritte unter anderem an der Deutschen Oper in Berlin und im Prinzregenten-Theater München vorweisen kann, mit ihrer Altstimme eine ausgereifte Darbietung. Der Tenorsolist Walter Drees konnte mit seiner wohltönenden Stimme ebenfalls überzeugen. Er ist seit 1991 Kantor an der Pfarre St. Johannes Evangelist in Düren-Gürzenich.  Harald Martini hatte mit seiner melodischen Bassstimme bereits Auftritte mit namhaften Ensembles wie dem WDR Sinfonie- und Rundfunkorchester, sowie  der Bremer Kammerphilharmonie.  Ingrid Walz spielte Violoncello und an der Orgel saß Theo Palm.

Wieder und wieder schafften Sänger und Musiker in ihrem etwa zweistündigen Konzert Augenblicke überwältigender musikalischer Ausdruckskraft. Gesang und Melodie breiteten sich angenehm und belebend in der Dreieinigkeitskirche aus.  Prachtvolle Chöre, wie  das „Oratorio de Noel“ oder „Vom Himmel Hoch“, erfüllten die Kirche mit religiöser Feierlichkeit. Im Finale wurden die gebannt lauschenden Zuhörer schließlich zum aktiven Mitsingen begeistert. Beim Lied „Nun freut euch, ihr Christen“ wurden die Zuhörer zu Sängern, begleitet von Chor und Orchester.

Seit dem Frühsommer hatten Sänger und Instrumentalisten in der Aula des Gymnasiums Eschweiler fleißig geprobt. Aber der Aufwand hatte sich gelohnt, denn das Publikum erfreute sich an der Musik und dankte den Künstlern mit tosendem, lang andauerndem Beifall.

Vanessa Sack

©http://www.aachener-zeitung.de/lokales/eschweiler/traditionelles-weihnachtskonzert-der-staedtischen-musikgesellschaft-1.724784

Auszüge aus dem Konzertprogramm sind hier zu hören:

1. Charles Gounod –  Cäcilienmesse   KYRIE  

2. C. Saint-Saens –  Oratorio de Noel  TOLLITE HOSTIAS

3. F. Mendelsohn-B. –  Vom Himmel hoch  ERSTER CHOR  

4. F. Mendelsohn-B. – Vom Himmel hoch  SCHLUSSCHOR

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