Monthly Archives: Oktober 2009

Padang- Fünf Tage nach dem Beben

Padang – Helfer stellen die Suche nach Überlebenden ein

Aus Padang berichtet Thilo Thielke

Es gibt keine Hoffnung mehr: Nach dem verheerenden Erdbeben auf Sumatra haben die Rettungskräfte die Suche nach Überlebende aufgegeben. Die Hilfe konzentriert sich jetzt auf die Versorgung der Bevölkerung. Tausende brauchen dringend Lebensmittel und Notunterkünfte.

Langsam kehrt der Alltag zurück nach Padang. Die ersten Geschäfte und Ämter öffnen, Restaurants versorgen die Heerscharen internationaler Helfer mit Nasi Goreng. In einigen Stadtvierteln, die tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten waren, brennt wieder Licht, und es lärmen Ghettoblaster. Doch auch von ersten Plünderungen wird berichtet, und man streitet darüber, wer den größten Teil der Wiederaufbauhilfe erhalten soll. Insbesondere die Chinesen, deren Viertel zu den am stärksten betroffenen Gebieten der Stadt gehörte, befürchten, von den Indonesiern benachteiligt zu werden.

Fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf der indonesischen Insel Sumatra haben die Helfer die Suche nach Überlebenden eingestellt. Der Schwerpunkt solle nun auf dem Wiederaufbau und der Versorgung der Betroffenen in der Stadt Padang und den angrenzenden Gebieten liegen, sagte der Chef der Uno-Hilfsmission in Indonesien, Ignacio Leon. Die Erfahrung zeige, dass es nach so einer langen Zeit kaum noch möglich sei, Überlebende zu bergen…..

(weiterlesen:   http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,653253,00.html

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Erdbeben in Indonesien seit dem Jahr 2000

Chronik: Die schwersten Erdbeben in Indonesien

Indonesien wird immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Nachfolgend eine Auswahl der folgenschwersten Beben seit dem Jahr 2000:

• 4. Mai 2000: Ein Erdstoß der Stärke 7,5 erschüttert die Insel Sulawesi. Mindestens 35 Menschen kommen ums Leben, 148 weitere werden verletzt.

• 4. Juni 2000: Bei einem Beben der Stärke 7,9 kommen in der Provinz Bengkulu mindestens 117 Bewohner ums Leben, und rund 1 900 werden verletzt.

• 6. bis 7. Februar 2004: Ein Erdbeben der Stärke 6,9 sowie ein Nachbeben der Stärke 7,1 kosten 34 Menschen das Leben und verwüsten die Ortschaft Nabire in der entlegenen Provinz Papua.

• 12. November 2004: Ein Erdstoß der Stärke 6,0 erschüttert die Ostküste der Insel Alor, rund 1.600 Kilometer östlich der Hauptstadt Jakarta. Mindestens 27 Menschen kommen ums Leben, und mehrere hundert Häuser werden beschädigt.

• 26. November 2004: Ein Beben der Stärke 6,4 kostet in West Papua mindestens etwa 30 Bewohner das Leben, Dutzende Häuser stürzen ein.

26. Dezember 2004: Ein Seebeben der Stärke 9,0 löst einen gewaltigen Tsunami aus, der ein Dutzend Länder trifft, darunter Aceh – Nordsumatra. In ganz Asien sind rund 230.000 Tote zu beklagen.

28. März 2005: Die Inseln Nias und Simeulue vor der Westküste von Sumatra werden von einem Erdstoß der Stärke 8,7 erschüttert. Etwa 900 Menschen kommen ums Leben, tausende Häuser und Brücken werden dem Erdboden gleichgemacht.

• 27. Mai 2006: Ein Beben der Stärke 6,3 kostet bei Jogyakarta auf der Insel Java mehr als 4.300 Menschen das Leben und zerstört zahlreiche Gebäude. Rund 200.000 Menschen werden obdachlos. Tausende Menschen werden verletzt.

• 17. Juli 2006: Ein Erdbeben der Stärke 6,1 löst vor der Südküste Javas einen Tsunami aus, dessen Flutwelle mindestens 600 Menschen in den Tod reißt.

• 12. September 2007: Die Küstenstadt Padang auf Sumatra wird von einem Erdbeben der Stärke 8,4 erschüttert. Mindestens 25 Menschen kommen ums Leben.

• 2. September 2009: Ein Erdstoß der Stärke 7,0 erschüttert Java und beschädigt Tausende Gebäude. Mindestens 57 Menschen kommen ums Leben.

30. September 2009: Bei einem Erdbeben der Stärke 7,6 vor Padang / Westsumatra kommen mindestens 780 Menschen ums Leben. Tausende wurden noch unter den Trümmern eingestürzter Häuser befürchtet.

Aus BILD_online 01.10.2009

Oh Padang…

Oh Padang...

…die Nachrichten sind voll von deprimierenden  Berichten und Bildern von Schmerz und Zerstörung, die das schreckliche Erdbeben vom vergangenem Mittwoch(30.09.2009)  dort angerichtet hat. Indonesiens Erde kommt nicht zur Ruhe – Aceh 2004, Nias 2005, Jogyakarta 2006 – Namen, mit denen sich verheerende Erdbeben verbinden. (siehe Chronik)  Jetzt bei Padang ein Beben der Stärke 7,6 RS, von dem  Seismologen dann sagen, dass es eigentlich nur eines der Vorbeben eines noch zu erwartenden Mega-Bebens sei, bei dem mit einer gewaltigen Tsunami gerechnet werden müßte. Die BILD titelte: „Die Erde macht uns Angst!“

Das Beben vom Mittwoch hatte sein Zentrum in 80km Tiefe im Meeresboden, zu tief um eine Tsunami auszulösen. Aber die tektonischen Spannungen der Erdkruste auf einer Länge von etwa 450km vor der Küste Westsumatras werden sich über kurz oder lang in einem gigantischen Seebeben mit nachfolgendem Tsunami entladen als Fortsetzung der Ereignisse von 2004,  in denen der nördliche Teil Sumatras – besonders Aceh betroffen war. Solche Serien von tektonischen Katastrophen in diesem Teil Indonesiens seien in einem Rythmus von ca. 200 Jahren geologisch nachweisbar.Padang, die dichtbevölkerte Hauptstadt  Westsumatras ist einem meterhohen Tsunami fast wehrlos ausgeliefert: der größte Teil der Stadt liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.

Oh Padang…

Wie wird man in Zukunft leben in Padang? Padang –   stolze Metropole der Minangkabau und alte holländische Kolonialhauptstadt – ist berühmt für seine schöne Lage am Strand des indischen Ozeans, umgeben von den hohen Bukit-Barisan Bergen – berühmt für seine schönen und selbstbewußten  Frauen – berühmt für seine exzellente Küche – berühmt für seinen sturmsicheren Tiefhafen in der Bucht von Teluk Bayur… und Padang ist auch berühmt für  seine Lieder.  Und eines der berühmtesten Lieder Indonesiens ist das Lied „Teluk Bayur„. „Selamat tinggal Teluk Bayur permai“

Da finde ich in der Onlineausgabe der BILD-Zeitung  folgendes Bild…

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……… das Foto des Jungen mit der Gitarre inmitten des deprimierenden Desasters nach dem Erdbeben berührt mich sehr….  die Gitarre ist ihm geblieben… aber welche Lieder kann man da noch singen? Verstummt  nicht der Mund  und verschließt sich nicht das Herz  in verstörter Traurigkeit nach solchen Erlebnissen? Ja, häufig ist das  leider  so.  Aber die Erfahrung der Menschen zeigt auch , dass gerade dem Singen von Liedern eine erstaunliche Kraft innewohnt, um  traumatische Verluste zu verarbeiten. Gefühle bekommen Namen, der quälend unsagbare Schmerz wird in  Klänge gebannt und allen zugänglich gemacht. Mitgefühl und Teilnahme daran wird möglich.

Mir fällt ein ein alter indonesischer Popsong aus den 60-er Jahren ein, ein vielleicht  sehr sentimentales Lied, das die Erinnerung an die ferne, verlorene Heimat beschwört: „Oh ibuku , hatiku pilu“ („Oh Mutter, mein Herz ist so traurig„),   gesungen von Titiek Sandhora.