ROM 2009

Arrivederci Roma…

Flashback einer Rom-Reise im Oktober 2009

Ob man Rom lieben muss, wenn man die Stadt einmal sah, wie Vico Torriani einmal  gesungen hat, sei dahingestellt. Aber unbeeindruckt, wenn nicht fasziniert, wird man Rom nicht verlassen, wenn man diese Stadt zum ersten Mal besucht.  Für mich war es der erste Rombesuch – und ich bin immer noch fasziniert. Obwohl man  schon im Voraus wusste, dass fünf Tage zu wenig sein würden, um die „must see–topics“ zu besuchen, ist Kopf und Herz  nach fünf Tagen schon so voll mit Eindrücken, dass eine Programm-Pause dringend erschien.  Also waren fünf Tage  Rom fürs erste Mal  genug.

Noch nie war ich in einer Stadt, in der auf so engem Raum so viel beeindruckend schöne Bauwerke  sich zusammendrängen – aus einer Geschichte von über 2500 Jahren. Das antike Rom, die  Basiliken und Kapellen des christlichen Rom – fast alles ist zu Fuß  erreichbar, wenn man in der Nähe des Bahnhofs Termini eine Unterkunft gefunden hat.  Unsere „Hauskapelle“, die herrliche Kirche „Santa Maria Maggiore“, nur etwa fünf Minuten entfernt und  in entgegen gesetzter Richtung ebenso nah die Piazza  della Repubblica mit der wunderbaren „Basilica Santa Maria degli Angeli“, die Michelangelo unnachahmlich in die Thermen-Ruinen des Diokletian  hinein baute. Nicht weit davon die Chiesa Santa Maria della  Vittoria mit der von Bernini geschaffenen Statue der verzückten Theresia von Avila… überall weltberühmte Kunstdenkmäler, alle frei zugängig, sofern sie besuchte Kirchen waren…. In Rom soll es über tausend katholische Kirchen geben.

Nirgendwo ist mir so bewusst geworden wie in Rom, dass Architektur das künstlerische Lieblingskind der Mächtigen aller Zeiten ist. Man muss nicht erst den Riesendom St. Peter besucht haben, um zu erleben, dass durch gewaltige Bauten die Erinnerung an die eigene Bedeutung der jeweiligen Bauherrn verewigt werden soll. Auch wenn man einwenden mag,  dass diese Anstrengungen ja immer zu Ehren der Stadt, der Götter oder Gottes, der Kirche Christi  und  ihrer Heiligen unternommen wurden, nie vergaßen die Bauherren für die Nachwelt ihre Namen mit großen Lettern in Stein meißeln zu lassen.

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Die Päpste seit der Renaissance taten es ganz in der Tradition der römischen Kaiser in ihrer Funktion als „Pontifices maximi“, die sich im antiken Rom mit Tempeln und Mausoleen gegenseitig überboten. Der Titel vom „Ewigen Rom“ will erarbeitet sein.  Für das christliche Rom erkennbar der feste Glaube, dass mit dem Felsen Petri, auf den Gott seine Kirche gebaut habe, der Felsen Roms gemeint sei. Ja, wenn man auf den Stufen von St. Peter über die riesige von den Kolonaden umschlungene Piazza blickt, dann kann man schon nachfühlen, dass manche Katholiken und ihre Päpste auch heute noch Rom  für den Mittelpunkt der Welt halten, ganz wie die antiken Ahnen des römischen Imperiums.

Und siehe da – es funktioniert! Wir, und mit uns Tausende Touristen aus aller Welt pilgern willig und begeistert zu diesen Monumenten vergangener Macht. Staunend stehen wir vor den schon in antiker Kaiserzeit aus Ägypten herbeigeschafften riesigen Obelisken, die die Päpste neu in der Stadt platzieren ließen.

Einer dieser Päpste, Papst Sixtus V. (1585-1590),unter anderem auch  der Bauherr auch der „Sixtinischen Kapelle“,  ein workoholic von titanischer Energie verordnete den Männern von Rom in seiner fünfjährigen Amtszeit so viel Frondienste zum Aufbau der Stadt, dass das Volk bei seinem Tode anstatt zu trauern Jubellieder sang, verbunden mit Bittgebeten um einen weniger bauwütigen Nachfolger auf dem Papstthron.

Was aber wäre das heutige Volk von Rom, die Nachfahren des Populus Romanus, ohne die Bauten seiner Cäsaren und Päpste? Was aber wäre es auch ohne seine Pilger und Touristen.           Ob es nur ein sehr subjektiver Eindruck ist? Vielleicht sind warme Oktobertage auch eine ideale Reisezeit. Aber man fühlt sich in Rom als Besucher erwünscht und willkommen.

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Menschen aus aller Welt treffen sich auf den Straßen und Plätzen der Stadt und mischen sich unter die „eingeborenen“ Römer, die im Oktober offensichtlich wieder alle aus ihren Sommerdomizilien in den Bergen oder am Meer in ihre Stadt zurückgekommen sind. Die Tage sind nicht mehr so heiß und die Abende immer noch so warm, dass man im Freien zu Abend essen kann.  Einladend sind die unzähligen Straßenrestaurants für den kleinen oder großen Durst und Hunger, günstig und preiswert die Transportmöglichkeiten von U-Bahn und Stadtbussen, freundlich und hilfsbereit die Polizisten und Stadtbediensteten. Rom scheint seine Besucher zu schätzen. Ja, wir werden irgendwann gerne wiederkommen. Arrivederci Roma! Volesse Dio!

Rom und Kaiser Konstantin I.

Nach einem Besuch der Lateranbasilika

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Am zweiten Tag unserer Romreise besuchten wir die herrliche Basilika „San Giovanni in Laterano“, die  alte Residenz- und Palastkirche des römischen Papstes, die sich bis heute rühmen darf, die „Haupt- und Mutterkirche der Stadt (Rom) und des Erdkreises“  zu sein. Der Besuch dieser Kirche gehört zum berechtigten „Must visit-Programm“ aller Rombesucher. Nicht nur, weil sie ein so eindrucksvolles sakrales Bauwerk  ist –  in dieser Basilika befinden wir uns augenfällig genau am  Schnittpunkt des alten heidnischen und des neuen christlichen Rom.  Bevor man  das weiträumige Kirchschiff betritt, grüßt auf der linken Seite der Eingangshalle die unübersehbare  Statue des Kaisers Konstantin in der Pose des siegreichen Feldherrn. Dass seine Statue im Kirchenvorraum und nicht innerhalb aufgestellt wurde, ist wohl ganz beabsichtigt. Obwohl ihm die römische Kirche soviel verdankt, hat sie ihn nicht – wie die griechisch-orthodoxe Kirche – zum Heiligen erklärt, was er wohl auch kaum gewesen sein dürfte, wenn man seine (mörderische) Lebensgeschichte kennt.

Eigentlich müssten die Römer aus einem anderen Grunde gar nicht gut auf ihn zu sprechen sein, denke ich.  War er es doch, der die Hauptstadt des römischen Imperiums 330 n.Chr. offiziell vom Tiber  an den Bosporus verlegte und dort  mit der ihm eigenen Energie die neue Superstadt Konstantinopel  erbauen ließ, deren Kaiser sich noch tausend Jahre lang (bis 1453) als die wahren Erben der römischen Kaiser  verstanden. Vielleicht  hätte Rom das Schicksal vieler verlassener Residenzstädte erlitten, die nach dem Abzug ihrer regierenden Herrscher nur noch ein museales Dasein fristeten, da ihnen die politische und wirtschaftliche Bedeutung abhanden gekommen war.  Auch das stolze und selbstbewusste Pochen der römischen Senatoren auf ihre Rechte und Traditionen hätte nach 330  auf die Dauer wenig geholfen.

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Zwar hatten sie sich schon fast ein halbes Jahrhundert daran gewöhnt, dass ihre Cäsaren außerhalb Roms ihre Residenzen errichteten – Konstantin war zunächst ja auch nur Cäsar des Westreiches mit Regierungssitz in Trier an der Mosel – aber trotz allem blieb Rom die Stadt,  die die Macht des Imperiums symbolisierte und legitimierte. Dort  standen die Altäre der Götter, deren gnädiger Segen das Wohl des Reiches und seiner Regenten garantierte.

Mit der Ernennung Konstantinopels zur neuen Reichshauptstadt aber wurde eine neue Epoche  der römischen Geschichte eingeleitet, in der dem alten Rom seine politische Bedeutung unwiederbringlich genommen worden wäre, gäbe es da nicht die Geschichte der christlichen Kirche und ihres römischen Bischofs, den man später den römischen Papst nannte. Umgekehrt kann die Bedeutung Kaiser Konstantins für die Geschichte der christlichen Kirche gar nicht überschätzt werden: Die Form der heutigen römisch-katholischen Kirche ist ohne Kaiser Konstantin nicht vorstellbar.

Konstantin aber war es, der 312 n. Chr. nach seinem Sieg über seinen Rivalen Maxentius  und der Eroberung der Stadt den Bau dieser riesigen fünfschiffigen Basilika veranlasste, noch bevor er die Errichtung der Basilika von St. Peter auf dem Vatikanhügel in Auftrag gab und noch bevor er den Triumphbogen des Trajan beim Kolosseum im Jahre 315 n. Chr.  auf seinen eigenen Namen umwidmen und ausstatten ließ.  Das aber fand alles noch im „alten Rom“ statt, das inzwischen schon auf eine tausendjährige Geschichte zurückblicken durfte.

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Woher aber hatte Konstantin den „Über-Mut“, sein „neues Rom“ am Bosporus ohne den Schutz der alten Götter Roms zu errichten? Die Historiker sind sich nicht ganz einig. Aber einer der entscheidenden Gründe dürfte sein Sieg über Maxentius und die Eroberung Roms gewesen sein.  Konstantin glaubte, diesen Sieg dem Beistand des Christengottes zu verdanken. Die alten Götter Roms schienen keine Macht mehr zu haben.

Dass ihm am Abend vor der Schlacht an der Milvischen Brücke Christus mit dem Kreuz erschienen sei und ihm gesagt habe: In hoc signo vinces! (In diesem Zeichen wirst du siegen.) ist sicherlich christliche Legende. Dass er aber in seinem Entscheidungskampf um die Hilfe des Christengottes bat, ist durchaus plausibel und macht alle seine späteren Aktionen auch verständlich.  Konstantin war damals kein Christ und wurde auch erst 337 – also 25 Jahre später – auf dem Totenbett in seinem Palast in Nikomedia bei Konstantinopel getauft.

Sein bisheriger Gott, als dessen besonderen Schützling er sich verstand, war der “ Jupiter Sol Invictus“, Jupiter, der unbesiegbare Sonnengott, dessen Kult  er von seinem Vater Constantius Chlorus übernommen hatte. Auf Münzen wird ab 312 bald Jupiters Sonnenkranz mit dem Christussymbol in der Mitte immer häufiger abgebildet sein und zeigen, dass  Konstantin auf beide Kulte setzte.

Denn längst war er zu dieser Zeit bekannt mit führenden Vertretern christlicher Gemeinden.  Einer seiner wichtigsten Berater war  Bischof Hosius von Corduba.  Vielleicht war es auch seine eigene Mutter Helena – seit 312 getaufte Christin -,  die er über alles liebte und verehrte, die ihn darin bestärkte, Leben und Karriere der Macht des Christengottes anzuvertrauen. Man beachte: Kriege der damaligen Zeit waren auch immer Auseinandersetzungen, in denen nicht nur die irdischen Protagonisten miteinander kämpften, sondern auch die verehrten Götter ihre Macht und Kraft unter Beweis stellen mussten: Siege als göttliche Macht – und Gunstbeweise. Wahrscheinlich hat Konstantin seine Siege im Kampf um die Herrschaft im Imperium  als einen solchen Gottesbeweis gedeutet und danach der Religion des Christengottes seine Dankbarkeit bezeigen wollen.

Ab 313  war die christliche Religion durch das sog. Edikt von Mailand zur „religio licita“, zur erlaubten Religion geworden, gleichberechtigt neben den anderen großen Kulten im römischen Reich. Man bedenke: die letzte reichsweite große Verfolgung  der christl. Kirche von 303 bis 311, die sog. diokletianische Verfolgung,  lag gerade zwei Jahre zurück. Die Christen  waren wieder freie römische Bürger. Ihre Kirchen und ihr vom Staat konfisziertes Eigentum wurde ihnen wieder zurückgegeben. Obwohl nur etwa 10% der Bevölkerung Christen waren – im Osten des Reiches in Kleinasien, der heutigen Türkei  und in den großen Städten war der Anteil höher –  waren die christlichen Gemeinden überall zuverlässige Parteigänger des neuen Alleinherrschers Konstantin. Ihre Bischöfe rückten in der konstantinischen Staatsreorganisation in den Rang kaiserlicher Regierungsbeamter auf, die neben ihren religiösen Aufgaben auch staatliche Funktionen übernahmen. (Der Terminus „Diözese“ z.B. ist eine Verwaltungseinheit des damaligen römischen Staates.) Der Siegeszug der christlichen Religion als „Marsch durch die Institutionen“ bis hin zur alleinigen Staatsreligion  im Jahre 380 n.Chr. hatte begonnen.  Diesen Vorgang bezeichnet man in der Geschichte als die sog. „Konstantinische Wende“.

Dies war denn auch die Rettung für die durch Konstantin „degradierte“ Stadt Rom. Ihre Stadt- und Staatsgottheiten waren nicht mehr die Garanten des neuen römischen Reiches . Aber Rom war die Stadt, in der nach der christlichen Überlieferung die Gräber der Apostel Petrus und Paulus waren. Sie waren die prominentesten Märtyrer des Christentums und ihre Gräber waren die heiligsten Gräber der jungen Christenheit.  Dies war ein Rang, den keine andere Stadt des römischen Reiches aufzuweisen hatte.

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Der Bischof von Rom als der Nachfolger des Apostels Petrus wurde sich seiner Bedeutung immer mehr bewusst bis hin zum Anspruch des Primats vor allen Kirchen des Erdkreises. Konstantin und seine Nachfolger hatten den Titel „Pontifex Maximus“, den Titel des römischen Oberpriesters nicht mehr für sich verwendet, weil er mit der Funktion der  traditionellen Staatsopfer für die alten Götter verbunden war.

Aber etwa hundert Jahre später –  ab 440 wird Papst Leo der Große den Titel Pontifex maximus  für das  Amt des römischen Bischofs verwenden, und somit dem Anspruch des römischen Oberpriesters seine alte Funktion zurück geben – oberster  Brückenbauer zwischen Himmel und Erde zu sein.  Erwird sich zutrauen im Streit mit Konstantinopel zu behaupten, dass dem Bischof von Rom die Verwaltung des römischen Kaisertums  anvertraut sei und  sein Nachfolger wird die Kaiserkrone dem fränkischen König Karl anbieten und aufsetzen. Mit der Gründung des „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation“  wird für 1000 Jahre ein neues Kapitel römischer Geschichte aufgeschlagen. Die Päpste als „Kaisererben“  und das Volk von Rom – eine 2000-jährige Story von guten und schlechten Zeiten des „Ewigen Rom“. Vielleicht haben die Römer Konstantin mehr zu verdanken als sich damals 312 absehen ließ.  Konstantinopel heißt heute Istanbul  und Rom…… heißt immer noch Rom.  Viva il Papa!

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