Monthly Archives: Dezember 2010

„MERDEKA ATAU MATI“

„FREIHEIT ODER TOD“

Ein Buchgeschenk zu Weihnachten „Der Ruf des Gecko“ von Horst Geerken, das sich mit dem Indonesien der 1960er und 70er Jahre befasst und auch einen Rückblick auf die junge Geschichte dieses Landes enthält, hat mich veranlasst,  selbst ein wenig mehr über diese Epoche zu erfahren. Eine kleine Zusammenfassung dieser Recherche ist im folgenden Artikel zulesen.  K.S.

Indonesiens Weg in die  Unabhängigkeit von 1945  bis 1950

Heute im Jahre 2010 ist Indonesien und besonders Bali  ein beliebtes Urlaubsziel des europäischen Tourismus, und viele Urlauber lassen sich bezaubern von dem tropischen Inselreich und seiner Kultur. Auch haben die meisten gelesen, dass Indonesien bis 1945 eine holländische Kolonie war, deren Hinterlassenschaft man heute überall im Lande noch besichtigen kann. Wenige jedoch wissen, dass sich dieses Land in einer fünf Jahre dauernden – vielfach sehr blutigen Auseinandersetzung seine Unabhängigkeit  von der holländischen Kolonialherrschaft   erkämpfen musste, die etwa 100.000 Menschen das Leben kostete. „Merdeka atau Mati“ „Freiheit oder Tod“ war die Parole!

„Nederlands Indie“ unter japanischer Besatzung

Die  Unabhängkeitsbewegung  „Indonesia Merdeka“ (Freies Indonesien) begann schon in den 1920-er Jahren  und hatte in dem jungen Ingenieur Sukarno, dem  späteren Präsidenten –  ihren charismatischen Führer gefunden. Verschiedenen Versuchen und Aufständen war kein Erfolg beschieden– die Anführer waren verurteilt und verbannt, bis der 2. Weltkrieg ausbrach und Japan seinen Eroberungskrieg in Ostasien begann. Erst dadurch entstand schlagartig  die Chance für den historischen Umbruch.

Japans Eroberung  Südostasiens  im Jahre 1941 und die schnelle militärische Besetzung der wichtigsten  indonesischen Inseln  Anfang 1942, bedeutete de facto das Ende der 350-jährigen Kolonialherrschaft der Niederlande in Indonesien. Aber im Unterschied zu Burma und den Philippinen, wurde den Indonesiern im Jahr 1943 von den Japanern nicht die formelle Unabhängigkeit  gewährt. Auch wurden im November 1943 keine indonesischen Vertreter zu der Greater East Asia Conference nach Tokio entsandt. Offensichtlich war man sich in Tokio nicht sicher, ob man in einem unabhängigen Indonesien einen zuverlässigen Verbündeten habe würde. Denn der direkte Zugriff auf die Ölquellen und Bodenschätze Indonesiens war  von lebenswichtiger Bedeutung für die Versorgung des japanischen Großreichs. Waren die  Japaner ursprünglich von der Bevölkerung noch als Befreier vom kolonialen Joch begrüßt worden, so zeigte sich sehr bald, dass man sich eine noch brutalere Herrschaft eingehandelt hatte.  Als der Krieg aber immer aussichtloser wurde, kündigte Japan im September 1944 an, dass nicht nur Java, sondern das gesamte Inselreich unabhängig werden würde.

Sukarno und Hatta, die führenden Politiker der  Unabhängkeitsbewegung „Indonesia Merdeka“ (Freies Indonesien),  reklamierten das als Erfolg ihrer Strategie, die von ihren Gegnern als Kollaboration mit dem faschistischen Japan angesehen wurde.  Im März 1945 wurde die Kommission für die Vorbereitung der indonesischen Unabhängigkeit (BPKI) organisiert, und die Delegierten kamen nicht nur  aus Java, sondern auch aus Sumatra und dem östlichen Teil des Inselreiches, um  über die Verfassung des neuen Staates entscheiden. Das Komitee beanspruchte für die neue Nation Indonesia als Staatsgebiet nicht nur Niederländisch-Indien, sondern auch Portugiesisch-Timor, Britisch Nordborneo und die Malaiische Halbinsel. (Dies war auch die Grundlage für die Groß-Indonesien-Politik („Indonesia Raya“), die von Sukarno in den 1950er und 1960er Jahren verfolgt wurde.)

Das Ringen um die neue Staatsform

Am 1. Juni 1945, hielt Sukarno eine Rede, in der er seine Staatsphilosophie  Pancasila, die fünf Grundprinzipien des indonesischen Volkes, darlegte. Die fünf Prinzipien sind der Glaube an Gott, Humanität, nationale Einheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit, die bis heute die Verfassungsgrundlage Indonesiens bilden. Bhinneka tunggal ika – Einheit in der Vielfalt als Motto und einigendes Band des Vielvölkerstaates. Einig war man sich, dass der Präsident des neuen Staates eine starke verfassungsmäßige Position erhalten sollte. Sukarno lehnte eine parlamentarische Demokratie nach westlichem Muster als ungeeignet für Indonesien ab, trat aber – im Gegensatz zu Hatta – für einen säkularen Einheitsstaat ein, kollidierte  damit aber heftig mit muslimischen Vorstellungen. Der sozialistisch-kommunistische Flügel wollte neben der nationalen Unabhängigkeit die sofortige soziale Revolution. Überhaupt scheint der ideologische  Streit unter den verschiedenen Protagonisten der nationalen Revolution über das Konzept des zukünftigen Staates eine der schwersten Herausforderungen  der Unabhängkeitsbewegung gewesen zu sein.

Die Führer der muslimischen Organisationen erwarteten von der Unabhängigkeit einen islamischen Staat Indonesien. Das aber wollte die starke säkular-nationalistische Fraktion auf keinen Fall zugestehen. In einer Vereinbarung, die als Piagam Jakarta (Jakarta Charta) bekannt wurde und als Präambel zur Verfassung gedacht war, verständigten sich Nationalisten und Muslime auf das Konzept von einem zukünftigen Einheitsstaat, der auf dem Glauben an den einen Gott beruhe, dessen Präsident ein indonesischer Moslem sein müsse und in dem für Muslime die Scharia (Syariat Islam-islamisches Recht) verpflichtend sei.

Speziell diese Forderung fand jedoch nicht die allgemeine Zustimmung. Wenige Stunden vor Verkündung der neuen Verfassung wurde – unter Vermittlung  M. Hattas – die Präambel angenommen, aber der Passus über die Scharia und die Religion des Präsidenten, aus der Charta  gestrichen. Die Anhänger der Scharia, die sich mit der Streichung nicht abfinden wollten, lehnten enttäuscht die Charta und auch den neuen Staat ab und sammelten sich wenig  später in der aufständischen Darul-Islam-Bewegung. (Bis heute  berufen sich fundamentalistisch-islamische Kreise immer wieder auf die unrevidierte Version der Piagam Jakarta,  um Indonesien als  islamischen Staat zu postulieren.)

Die Proklamation der Unabhängigkeit

Am 15. August 1945 kapitulierte Japan. Die Führung der radikalen Jugendorganisation Pemuda drängte Sukarno und Hatta zu sofortigem Handeln. Mit  Unterstützung  einiger Offiziere der japanischen Marine und Armee, die mit der indonesischen Sache sympathisierten, erklärten Sukarno und Hatta am 17. August 1945 in der ehemaligen Residenz in Jakarta  formal  die Unabhängigkeit des Landes, hissten die rot-weiße Nationalflagge und sangen die neue Nationalhymne Indonesia Raya.  Am folgenden Tag wurde die neue Verfassung verkündet. Die Unabhängigkeit war verkündet, aber die Zukunft der proklamierten Republik Indonesia war höchst ungewiss. Holland wollte seine Kolonie „Nederlands Indie“ zurück….. ….weiterlesen

Lesetipp:       Mehr Details über  Indonesiens Holländische Vergangenheit findet sich in dem 2009 erschienenen Buch von Horst H. Geerken: „Der Ruf des Gecko“ – 

Siehe auch: wikipedia – Indonesischer Unabhängigkeitskrieg

 

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