„War is a racket!“

„Nato-Staaten pokern um Rechnung für Afghanistan“.

 Das lesen wir heute in der Presse: Nach dem Abzug des Militärs wolle man das Land noch zehn Jahre massiv unterstützen. Ca. 5 Mrd Dollar sollen pro Jahr aufgebracht  werden. Nur wer wie viel zahlen soll, darüber würde unter den Partnern hinter den Kulissen gezockt wie auf einem orientalischen Bazar, so ist zu lesen.

 Was für eine Rechnung? Bezahlen für was?  Für das, was man da seit zehn Jahren angerichtet hat? An wen soll später überhaupt gezahlt werden? Soll denn weiter das korrupte System Karzai alimentiert werden?  Oder tut man so ernsthaft, um zu vertuschen, dass man ja längst damit rechnet, dass die Taliban nach dem Nato-Abzug sowieso das Land übernehmen, und deren Warlords  als Kriegsgegnern ja eh kein Geld gezahlt würde. Was wird gespielt in Afghanistan?  Worum geht es jetzt? Haben amerikanische Interessen ihre  Ziele erreicht? 

 Natürlich, Präsident Obama möchte wiedergewählt werden und braucht einen einigermaßen vertretbaren Rückzug aus dem afghanischen Krieg. Ob aber die Taliban mitspielen werden? Hat man das Abzugsdesaster von Vietnam im Jahre 1975 vergessen?  Auch damals hatte  amerikanische Politik  ihr Militär in unlösbare Aufgaben verstrickt, und die darin involvierten Soldaten hatten die Suppe auszulöffeln. Hat denn die politische Klasse  Amerikas das alles schon vergessen?

„War is a racket“ – „Krieg ist eine Gaunerei“  befand  schon 1935 der hochdekorierte General Smedley D.Butler, dessen sarkastische Analyse  in der politisch-militärischen Klasse Amerikas noch immer nicht populär zu sein scheint. Wenn man sein Statement gelesen hat, weiß man warum.  Irak und Afghanistan sind die aktuellen Szenarios.

 Smedley D.Butler (1881-1940) war bis 1931 Generalmajor beim United States Marine Corps.  Zweimal wurde er mit der Medal of Honor ausgezeichnet.  General Douglas McArthur  bezeichnete ihn als “einen der wirklich großen Generäle der amerikanischen Geschichte“. 1935,  nach seinem Abschied aus dem Militär schrieb er ein Buch  mit dem Titel „War is a racket“, in dem er in einer persönlichen  Lebensbilanz als Soldat  mit den militärischen Unternehmungen der USA abrechnete und  damals für gehörige Aufregung in der amerikanischen Öffentlichkeit sorgte.

Seine damalige Beschreibung der Funktion des amerikanischen Militärs für die Politik der USA hat leider nichts von ihrer Aktualität verloren, sie hat sich eher noch verschärft.  Was hätte Butler wohl  zu den skandalösen Desastern im Irak  und in Afghanistan gesagt?  Ob er das alles nur noch mit dem simplen Wort  „Racket“–„Gaunerei“ ausreichend  beschrieben hätte?       Damals schrieb er folgendes:

Es gibt keine Gaunerei, die die militärische Gang nicht auf Lager hat. Sie hat ihre ‚Spitzel‘, die mit dem Finger auf die Feinde zeigen, sie hat ihre ‚Muskelmänner‘  zur Vernichtung der Feinde, sie hat ein ‚Gehirn‘, das die Kriegsvorbereitungen trifft, und einen ‚Big Boss‘, den supernationalistischen Kapitalismus.

 Es mag merkwürdig anmuten, dass ausgerechnet ich als Angehöriger des Militärs einen solchen Vergleich wage. Aber die Wahrhaftigkeit zwingt mich dazu. Ich habe dreiunddreißig Jahre und vier Monate als Mitglied der agilsten Militärmacht dieses Landes, der Marine-Infanterie, im aktiven Dienst verbracht. Ich habe in allen Rängen gedient, vom Leutnant bis zum Generalmajor. Und einen Großteil dieser Zeit war ich ein erstklassiger Muskelmann für das Big Business, für die Wall Street und die Banker. Kurzum, ich war ein Gangster des Kapitalismus. Damals ahnte ich, dass ich nur ein Teil eines großen Gangsterplans war. Jetzt weiß ich es….

 Ich habe 1903 mitgeholfen, Honduras für die amerikanischen Obsthandelsfirmen „zuzurichten“. Ich habe 1914 mitgeholfen, Mexiko und insbesondere Tampico für die wichtigen amerikanischen Ölinteressen abzusichern. Ich habe dazu beigetragen, dass die Jungs von der National City Bank, die in Haiti und Kuba abkassierten, einen angenehmen Aufenthalt hatten. Ich half mit bei der Plünderung von einem halben Dutzend Republiken in Mittelamerika zugunsten der Wall Street. Die Liste der Gangstereinsätze ist lang. 1909–1912 war ich an der Säuberung Nicaraguas für das internationale Bankhaus Brown Brothers beteiligt. 1916 machte ich in der Dominikanischen Republik den Weg frei für die amerikanischen Interessen am Zucker. In China sorgte ich zusammen mit anderen dafür, dass Standard Oil ungestört seine Ziele verfolgen konnte.

In all diesen Jahren habe ich, wie die Drahtzieher zu Hause sagen würden, ein tolles Ding nach dem anderen gedreht. Im Rückblick glaube ich, dass ich Al Capone ein paar wertvolle Tipps hätte geben können. Er operierte bestenfalls in drei Bezirken. Ich operierte auf drei Kontinenten.“

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Zitat aus Tariq Ali: „Fundamentalismus im Kampf um die neue Weltordnung “  S. 439, Heyne-Verlag 2003

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  • […] amerikanischen Konzerne sind, die ihre Claims für das globale Big Business abstecken. “War is a racket” befand schon 1935 General Smedley D. Butler, der für diese Art von Politik in den Krieg […]

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