Joh. Brahms: Ein Deutsches Requiem in Eschweiler

Musikalischer Kraftakt voller Trost und Seligkeit

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

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Musikalisches Geschenk zum eigenen Jubiläum: Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft führten in der Kirche St. Peter und Paul das „Deutsche Requiem“ auf. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Im „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms geht es um die letzten Dinge, um die Frage nach Tod und Ewigkeit, es geht um Seelenangst, Trauer und Trost. Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler haben sich diesem anspruchsvollen, tiefgründigen Werk gestellt. Das Publikum in der gut gefüllten Kirche St. Peter und Paul dankte ihnen dafür am Samstag mit rauschendem, lang anhaltendem Beifall.

„Ich bin froh, dass wir den Kraftakt gepackt haben!“ atmete Chor- und Orchesterleiter Horst Berretz auf, nachdem der letzte Applaus verklungen und die Musikinstrumente wieder eingepackt waren. Die Städtische Musikgesellschaft machte sich mit dem Brahms-Werk selbst ein Geschenk. 150 Jahre alt wurden Chor und Orchesterberretz-2012 der Stadt Eschweiler in diesem Jahr, und „wir haben für unser Jubiläumsjahr gesagt: Das machen wir!“ Der Kraftakt, von dem Berretz redet, ist dabei nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein finanzieller. Denn die Einnahmen eines solchen Konzertes, das ein großes Orchester und gute Solisten verlangt, decken selbst bei gut gefüllter Kirche nicht die Ausgaben.

Einer der Solisten sorgte für eine Schreckminute am Samstag-morgen. Franz Gerihsen vom Rundfunkchor des WDR war plötzlich erkrankt. Zum Glück hatte er nicht nur einen guten Tipp für eine Vertretung, sondern diese Vertretung, der Essener Bass-Bariton Harald Martini, ein Spezialist auch für Bach-Kantaten, konnte spontan einspringen und begeisterte sowohl das Publikum als auch Horst Berretz: „Er hat das hervorragend gemacht! Ganz ohne Probe! Wir haben uns erst eine Stunde vor dem Konzert hier getroffen.“ Vielleicht, so hofft der Chorleiter, kann man Martini auch künftig einmal in Eschweiler hören.

Zum Glück nicht erkrankt, sondern stimmlich sehr präsent war die weibliche Solistin, die Eschweiler Sopranistin Bettina Thülen, die seit vielen Jahren zu den wichtigsten Interpretinnen der Städtischen Musikgesellschaft gehört. Eindringlich gestaltete sie das „Ihr habt nun Traurigkeit“ im vierten Satz des Requiems.

„Selig“ ist das erste Wort des Requiems, und „selig“ ist auch das letzte Wort. Dazwischen liegen 75 Minuten einer Wanderung durch Trauer, Verzweiflung, Tröstlichkeit und Vertrauen. So viel Trost! So viel Seligkeit! Der in einem evangelischen Umfeld aufgewachsene Hamburger Komponist Johannes Brahms hat für sein „Deutsches Requiem“ nicht die Worte der lateinischen Trauermesse als Text genommen, sondern selbst ausgewählte Bibelzitate in deutscher Sprache. Nicht die Toten, die Lebenden stehen im Mittelpunkt dieses siebensätzigen Werks. In Text und Musik werden Trauer und Verlust ernst genommen, wird auch der Verzweiflung und dem Zweifel Raum gegeben, um sich dann vertrauensvoll der Zuversicht zuzuwenden: „Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an.“

„Selig sind, die da Leid tragen“ – der erste Satz des Requiems beginnt verhalten, gedämpft, ganz ernste Trauer und Zuwendung. Schon hier und immer wieder in diesem an Piano- und Forte-Stellen reichen Chorwerk beeindruckt Berretz mit der straffen Führung des Chors, den er mal zu fast flüsternder Andacht dämpft, dann wieder mit weit ausholenden Gesten zu lauten Jubel antreibt. Und die Sänger folgen ihm willig. Nur in der hoch komplizierten Fuge gegen Ende des dritten Satzes kommt der Chor an seine Grenzen, hier macht sich bemerkbar, dass die Männerstimmen – wie bei vielen Chören – zu dünn besetzt sind.

Immer wieder in diesen sieben Sätzen gelingen den Eschweiler Musikern und Sängern Momente überzeugender Ausdruckskraft. Der innige Schluss des vierten Satzes hätte spontanen Zwischenapplaus verdient. Den gab es dann am Ende des 6. Satzes – Chor und Orchester gestalteten das „Herr, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre“ derart triumphal, dass viele Zuhörer meinten, danach könne nichts mehr kommen.

Es kam aber doch noch das tröstliche, von Seligkeit und Zuversicht getragene „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“, mit seinen wunderbaren, der Welt fast entrückten Oboen-Passagen. Die Besucher des Konzerts erhoben sich und klatschten stehend Beifall. Mit Blumen bedankte sich die Musikgesellschaft bei Dirigent Horst Berretz, den beiden Solisten Bettina Thülen und Harald Martini und bei Dr. Brigitte Petrovitch, die als 1. Geigerin zugleich so etwas wie die Konzertmeisterin des Städtischen Orchesters ist.

Eschweiler Nachrichten, 25. November 2012

© http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/musikalischer-kraftakt-voller-trost-und-seligkeit-1.463150

Nb. Ausschnitte des Konzerts sind auf YouTube  zu hören:

1. Selig sind, die da Leid tragen

4. Wie lieblich sind Deine Wohnungen

6. Denn wir haben hie keine bleibende Statt

 

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