… NICHT ALLE CHARLIE HEBDO – FRAGEZEICHEN?

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Zwei Entdeckungen im Internet provozierten mich heute zu diesem Beitrag.  Da war  zum einen das obige Foto  in der Online-Ausgabe der indonesischen Zeitschrift „Merdeka“ und  zum zweiten ein Artikel von Michaela Wiegel im Online-Dienst der FAZ .

 Zu sehen auf dem Foto ist Amedy Coulibaly und seine Frau Hayat Boumediene, das Terrorpärchen, das in Paris für die Ermordung der Polizistin und der Geißeln in dem jüdischen Supermarkt verantwortlich ist. Er inzwischen von der Polizei erschossen, sie auf der Flucht in Syrien. Eine brutale Tragödie. Provozierend  auf dem Foto, die beiden als glücklich verliebtes Paar an einem der Sommerstrände Europas – daneben die gewaltbereite Hayat mit gezogener Waffe. Zwischen  diesen beiden Fotos  muss wohl einiges passiert sein im Leben der beiden.

Eigentlich war ja nach den Bildern im Fernsehen und der Presse  vor ein paar Tagen doch  klar, dass ganz Frankreich und ganz  Europa „Charlie Hebdo“ seien. Eine Million Demonstranten in Paris. Monsieur Hollande und  Madame Merkel  Arm in Arm auf dem Platz der Republik. Solidarität und  Respekt für die ermordeten Redakteure der französischen Satirezeitschrift, stellvertretend für das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit in Europa. Frankreich ließe sich durch solch barbarische Anschläge nicht auseinander dividieren, beschwor Präsident Hollande seine geschockte Nation. Und die Vertreter der muslimischen Verbände beteuern lautstark, dass die Mörder von Paris keine wahren Moslems seien und den Namen des Islam für ihre terroristischen Ziele missbrauchten, womit sie nun leider Recht haben, das bedrohliche Problem der salafistisch- jihadistischen Szene aber auch leider nicht lösen werden.

Was war aber heute bei FAZ-Net Online zu lesen: Vom Hass vieler junger Leute in den Schulen der Grand Nation, die lautstark für sich reklamieren: „Wir sind Nicht Charlie Hebdo!“  Und diese Berichte scheinen nun allen Beobachtern recht zu geben, die schon immer darauf bestanden, dass die wahre Wurzel des islamistischen Terrors nicht ein religiöser Aufbruch des Islam sei, sondern die sozialökonomische Deprivelegierung und Chancenlosigkeit  der jungen muslimischen Generation gegenüber der arroganten Dominanz des „Westens“. (siehe Meddeb: Die Krankheit des Islam) Ausgrenzung, Kränkung und verletzter Stolz ist die beherrschende Grundstimmung. Das gilt für fast alle Länder des muslimischen Kulturkreises und explizit auch für die junge Generation der muslimischen Franzosen in den trostlosen Banlieues der französischen Großstädte.

Man konnte es schon länger wissen, aber jetzt steht es auch in der Zeitung: Muslimische Jugendliche radikalisieren sich gefährlich in den Gefängnissen, wo sie nicht wegen ihrer Zugehörigkeit zur unterdrückten islamischen Religion einsitzen, sondern wegen krimineller Delikte in ihrem desolaten Vorstadtmilieu.  Dort treffen sie auf schon einsitzende radikale Islamisten, die den Kopf voll haben von Islamideologen wie Hassan al Banna, Sayid Oubt, Ala Maududi oder S.K. Malik (siehe:http://derprophet.info/inhalt/das-koranische-konzept-von-krieg/) u.a., die schon lange dem Westen und seinem Lebensstil  den Kampf angesagt haben. Allahkratie statt Demokratie.  Diese Hass-Prediger erklären den jungen Leuten, dass der Grund ihrer desolaten Lebenschancen ihr nicht richtig gelebter Islam sei und ihr Leben im Kampf für den richtigen Islam endlich seine gottgewollte Bestimmung bekäme. Der soziale Konflikt bekommt eine religiöse Bedeutung.

„Der Islam ist die Lösung!“, der alte Schlachtruf der ägyptischen Muslimbrüder bekommt eine neue Bedeutung: “ Vergiss Frankreich, vergiss Europa! Europa ist Dar al Harb – es ist Feindesland, und seine Repräsentanten sind die Feinde Allahs und seines Propheten.“   Jeder dieser jungen Leute kann persönlich bestätigen, dass dieses Land ihn nicht schätzt und nicht braucht. Der Islam aber braucht ihn. Den gotteslästerlichen Spöttern von Charlie Hebdo das Maul zu stopfen, sei – Bismillah! – eine längst überfällige Tat.  Die heldische Faszination, mit der Waffe in der Hand für  Gott und seine Religion zu sterben, ist dem Abendland ja nicht unbekannt – man braucht nicht bis ins christliche Mittelalter zurückzugehen – die Hitlerjungen, die  auf den Schlachtfeldern der letzten Kriegstage für Deutschland und seinen Adolf Hitler verbluteten, müssten als mahnende Opfer  einer rassistischen Nationalreligion eigentlich genügen.

Dass sich der Islam als Religion der „aufklärerischen“ Moderne stellen muss, in der die demokratische Verfassung für das Zusammenleben der Menschen die höchste Autorität beansprucht und Religion die Privatangelegenheit des Einzelnen ist, das  wird noch viel Diskussion in der Umma provozieren. Das angesprochene Problem in den Vorstädten Frankreichs  oder auch Berlins wird aber durch keine noch so theologisch informierte Argumentation zu entschärfen sein. Vor Ort müssen junge Leute Perspektiven und Respekt in dieser Gesellschaft glaubhaft erfahren können, in der sie sich auch trauen mit den religiös patriarchalischen Verhaltensmustern ihrer Herkunftsländer zu brechen.

Natürlich ist zum jetzigen Zeitpunkt erhöhte Alarmbereitschaft der Sicherheitsbehörden geboten. Aber mittelfristig ist dieser Problematik mit mehr Polizei oder  schärferen Gesetzen allein  nicht beizukommen. Irgendwann  werden die zornigen jungen muslimischen Europäer zwar erkennen, dass der Weg der Gewalt keine Lösung ihrer Probleme bringt, aber wann dieser Zeitpunkt sein wird, hängt doch sehr von der Reaktion  Europas ab. Wann wird ihnen Europa als Heimat genau so kostbar sein wie der eingesessenen Mehrheitsgesellschaft? Bewegungen wie der Front National  Marine le Pens in Frankreich oder Pegida in Deutschland sind derzeit die absolut kontraproduktiven Signale. Und sie sind bestimmt nicht die berufenen Anwälte von Charlie Hebdo!

KS 16-01-2015

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