Monthly Archives: März 2016

Eine lebendige Begegnung mit der Steinzeit

Die Siberuter von Herwig Zahorka

DownloadEs gibt sie noch: Menschen, die ihr Leben heute im Jahre 2016 noch auf der Kulturstufe der Jungsteinzeit verbringen, in einer Lebensweise und Überlebenstechnik, die ihren Völkern über 5000 Jahre hinweg das Überleben ermöglichte. Ein solches Volk  gibt es noch auf der indonesischen Insel Siberut am Rande des Indischen Ozeans. Dort nämlich hat sich im Inneren der Insel ein Volk erhalten, das bis auf den heutigen Tag von der Jagd, dem Fischen, seinen Haustieren und den Früchten des tropischen Regenwalds lebt: Keine Bauern, sondern Jäger und Sammler.

Der Autor Herwig Zahorka, Forstdirektor a.D. und seit 1995  in Indonesien lebend, hat diese Insel mehrere Male besucht und darüber ein wunderschönes und ungemein kundiges Buch geschrieben: Wunderschön, weil das Buch reichhaltig mit farbigen Fotos ausgestattet ist, und kundig, weil der Autor nicht nur als interessierter Trekking-Reisender, sondern als Biologe / Forstexperte und Ethnologe seine Erfahrungen beschreibt. In einer Zeit, die historisch mit dem folgenreichen Verschwinden/Abholzung der letzten Urwälder Südostasiens verbunden sein wird,  eröffnet uns das Buch einen detaillierten Einblick in den völlig anderen Kosmos dieser Menschen, der bis dato den Urwald von Siberut schützte. Deshalb auch der Untertitel: „Mit ihrer steinzeitlichen Religion haben sie den Regenwald erhalten“

Daher ist der „Religion“ der Siberuter –  kulturhistorisch Animismus genannt –  sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet, die uns sehr deutlich auf den Zusammenhang zwischen Natur/ Überleben und Religion hinweist: Die Natur ist beseelt und sie gehört nicht den Menschen. Der Wald und die Achtung seines Lebens und seiner Bewohner garantiert das Leben der Siberuter. Das verlangt die Einhaltung bestimmter Regeln und Tabus, die diesen Kosmos im Gleichgewicht halten. Wir erfahren vom Leben einer freundlichen, egalitären, Konflikte vermeidenden Stammesgesellschaft im tropischen Regenwald, in der Männer und Frauen gleichermaßen für ihre Familien sorgen. Männer und Frauen  schmücken sich mit Blumen und Blüten  und unterwerfen sich schmerzhaften Tätowierungen, um ihre Körper zu verschönern, damit ihre Seele gerne in ihren Körpern wohnt.

Durch die Freundschaft des Autors mit dem Schamanen Teopatrekere und seiner Familie kann der Leser sehr informiert an den Ritualen für Jagd, Krankheit und Tod teilnehmen, den Tänzen der Schamanen, die mit den mächtigen Geistern der Ahnen in Kontakt zu treten. Der Biologe Zahorka  belässt es nicht beim ungefähren Beschreiben oder Fotografieren der vorkommenden Pflanzen und Bäume: immer wird der Leser mit den exakten wissenschaftlichen (lateinischen) Bezeichnungen versorgt. So auch mit der Identifizierung der Pflanzenmixtur, die die Siberuter Jäger für ihr intelligentes Pfeilgift „omai“ verwenden, das für die Jagdtiere tödlich, für den Verzehr des Fleisches durch die Menschen aber ungefährlich ist.

Hochinteressant auch das Kapitel über die Jagdrituale der Steinzeitjäger, die sich seit tausenden von Jahren in abgewandelter Form bis in die Jagdgewohnheiten moderner mitteleuropäischer Jäger erhalten haben.Durch die genaue Beobachtung des Jagdtrophäenkults der Siberuter glaubt Zahorka auch, einige der ungelösten Deutungsrätsel der steinzeitlichen Höhlenmalereien etwa von Lascaux lösen zu können. Durch diese Bilder würde dem erlegten Jagdtier der Respekt erwiesen, der dessen Seele gebührt, ganz ähnlich wie der Schädel des erlegten Tieres, der  in der Uma, dem Haus der Siberuter, aufgehängt wird, um der Seele des Tiere ihren Ehrenplatz zuzuweisen.

Sehr berührend das Kapitel über den tragischen Tod eines kleinen Kindes, das mit den Mitteln der animistischen Medizin nicht mehr gerettet werden konnte. Die Empfehlung des Autors, der damals als Gast im Hause weilte, das schwerkranke Kind möglichst schnell  in ein Krankenhaus der Hafenstadt an der Küste zu bringen, wurde von der Familie nicht angenommen. Das Fazit der Schamanen, mit dem sich auch die Eltern abfanden: Die Seele des Kindes wollte nicht länger im Körper des Kindes bleiben! Für uns Europäer eine schwer zu akzeptierende Auskunft, wenn die moderne Medizin im Zweifelsfall hätte helfen können.

Eine wahrscheinlich doch hohe Kindersterblichkeit hat in der Vergangenheit ein starkes Anwachsen der Bevölkerung auf Siberut verhindert und scheint der Preis für die traditionelle Überlebensmöglichkeit zu sein. Ob sich die kommende Generation der Siberuter den „Segnungen“ der modernen Zivilisation, die für sie sehr wohl an den Küstenorten erreichbar ist, verweigern wird, darf bezweifelt werden, zumal die indonesische Regierung – geprägt von islamischen Grundanschauungen –  bis dato der Lebensform der Siberuter „Waldmenschen“ nicht sehr wohlwollend gegenüber steht. Die viel konkretere Bedrohung aber ist die Lizenz zum Abholzen der Wälder auf Siberut. Sollten diese Unternehmungen nicht zu stoppen sein, dann werden der Siberuter leider das gleiche tragische Schicksal erleiden wie die anderen Urvölker dieser Erde, denen es so lange gelang, zu überleben, ohne ihre Lebensgrundlagen zu vernichten.

Herwig Zahorka hat sein Buch eine Hommage an die Siberuter genannt und  ein kostbares Dokument über eines der letzten Urvölker Indonesiens verfasst, das sehr zurecht 2015 auf der Frankfurter Buchmesse  vorgestellt wurde. Dank an den Autor  und eine besondere Leseempfehlung für alle, die sich für das Indonesien abseits der Inseln Java und Bali interessieren. (KS)

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Der legendäre Weltreisende – ein Nachruf

Der Fluch der bösen Tat   von Peter Scholl-Latour

psl fluchEs war Scholl-Latours letztes Buch –  ein Buch, das voll grimmiger Sorge die jüngsten kriegerischen Katastrophen  vor allem  im Vorderen Orient beschreibt, in den ihn seine letzte Reise noch einmal führte, bevor  der Tod  ihn 2014 im Alter von 91 Jahren von der Weltbühne holte.

Nein, noch eine Besprechung brauchte dieses Buch eigentlich nicht. Allein bei Amazon sind bis dato 150 Rezensionen eingegangen. Aber seit seinem  Buch „Tod im Reisfeld“ (1980) bin ich ein begeisterter Leser seiner Bücher und fühle mich nun in der Pflicht,  wenigstens zu seinem letzten Buch ein paar Zeilen zu schreiben.  Die hat er sicher verdient, der legendäre Weltreisende, der uns an so vielem Erlebten durch seine Bücher teilnehmen ließ.

Die Veröffentlichung seiner Memoiren 2015 hat der Autor  unzähliger Artikel und Bücher nicht mehr erlebt. Aber oft hat er ja schon in Interviews über die prägenden Momente seines Lebens Auskunft erteilt: Seine deutsch-französische familiäre Herkunft, die ihn als Sohn einer jüdischen Mutter mit Nazi-Deutschland in Konflikt brachte, seine Schulzeit in einem gymnasialen Internat der Jesuiten in der Schweiz, seine Verhaftung durch die Gestapo auf seinem Weg zu Titos Partisanen, seine Teilnahme als Fremdenlegionär am Indochina-Krieg mit der Kapitulation der französischen Kolonialarmee in Dien Bien Phu, sein Studium der Arabistik bei den Jesuiten im Libanon, um nur die wichtigsten frühen Erfahrungen zu nennen. Und obwohl er ja im Laufe seines Lebens fast alle Länder der Welt bereiste, hatte er ein ganz besonderes Verhältnis zu Südostasien und den Ländern des moslemischen Kulturkreises, und hier wiederum besonders zum schiitischen Islam.

Der Abschied des „Weißen Mannes“  Europas als bestimmender „global Player“,  der Aufstieg Chinas zur kommenden Weltmacht   und  vor allem der Aufbruch des Islam in die Moderne, das waren die großen Themen, denen seine  leidenschaftliche Aufmerksamkeit galt.   Eindringlich warnte er von den Konsequenzen für das Establishment der sog. Westlichen Welt, das diese  Veränderung irgendwie bis heute nicht wahrhaben will. Seine scharfe Kritik galt den amerikanischen und europäischen Akteuren, die durch ihre naive Interessenpolitik die desaströse Katastrophe im heutigen Nahen und Mittleren Osten verursacht haben. Daher auch der Titel des Buches vom „Fluch der bösen Tat“ mit dem Untertitel: „Vom Scheitern des Westens im Orient“.

Dieses Urteil  fällte er nicht von seinem europäischen Schreibtisch aus, sondern war als journalistischer Zeitzeuge vielfach bei schicksalhaften politischen Veränderungen vor Ort.  So  die von ihm immer wieder besprochene Begegnung mit dem Ayatollah Khomeini, bei dessen Rückkehr nach Teheran und der Gründung der Islamischen Republik Iran. Ausführlich  und lebendig seine Beschäftigung mit der „neuen“ Türkei Erdogans und der „kurdischen  Zeitbombe“, dem unglücklichen Schicksal Syriens und dem Scheitern des sog. „arabischen Frühlings“ in Libyen, Ägypten und Syrien. Und immer wieder seine Kritik an den politischen Entscheidungsträgern des Westens, ihre Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse anderer Völker und ihre Unfähigkeit, sich in deren Lage zu versetzen und ihre Motive zu verstehen.

Daher auch seine bittere Kritik der westlichen Politik im Umgang mit dem Russland Putins im Ukrainekonflikt, dem das erste Kapitel in diesem Buch gewidmet ist. Ein kurzer Blick in die entscheidenden Phasen und Fakten der jüngeren Geschichte dieses Landes, hätte womöglich einen anderen Umgang mit dem Problem verlangt, als nur mit wirtschaftlichen Sanktionen  zu agieren.

Zum Besten in Scholl-Latours Büchern gehören seine historischen Exkurse zu den bereisten Ländern und Ereignissen, die uns erleben lassen, auf welch brisantem Terrain sich der Reisende gerade befindet und die Dimensionen der gegenwärtigen Konflikte klar macht. Was z.B. bedeutet für den normalen deutschen Radiohörer schon, wenn von einer Bombe in der Moschee von Kerbela mit Hunderten von Toten berichtet wird, wenn man nicht weiß, welche Bedeutung diese Moschee für den schiitischen Islam hat? Scholl-Latour ergriffe da z.B. die Gelegenheit, uns eindringlich über den alles überschattenden Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten aufzuklären, der seit über 1400 Jahren die beiden großen moslemischen Konfessionen unversöhnlich trennt.

Diese historischen Exkursionen sind nun genau der Vorwurf, der ihm von seinen Kritikern aus dem Lager der kulturhistorischen und religiösen Fachwelt gemacht wird: seine Betrachtungen seien oft zu oberflächlich und nicht faktengerecht. Auch gibt es Leser, die ihm genau diese Ausflüge in die Geschichte übelnehmen, weil ihnen das alles zu fremd und überflüssig erscheint. Wir interessierte Leser sind aber doch froh, dass man uns nicht wie  „den Reiter über dem Bodensee“ im Unklaren belässt, welche historischen Abgründe wir gerade überqueren.

Ja „de mortuis, nisi nil bene“, („Über die Toten, nichts als nur Gutes!“ ) hätte Scholl-Latour vielleicht selbst gesagt. Aber für jemanden, der so vieles wusste und erlebt hatte wie er, war  Eitelkeit und Kritikresistenz sicher eine Gefahr.  Auch störte des Öfteren doch, wenn er  in seinen Büchern seinen Interviewpartnern  Passagen lang die eigenen Analysen in den Mund legte – den eigenen Erzählduktus inklusive. Ob ihm, dem Vielschreibenden, das wirklich unbemerkt geblieben ist? Hatten seine Verlagslektoren so wenig Korrekturbefugnisse?

Wie auch immer – eine zweite Gruppe seiner Kritiker warfen ihm nicht ganz unberechtigt vor, Geschichte vor allem unter militärstrategischen Gesichtspunkten zu referieren. „Si vis pacem, para bellum!“  („Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor“)  – davon war PSL sicher überzeugt. Und hier geht es eben um ganz grundlegende Überzeugungen über das Verhalten von Staaten und Gesellschaften zueinander.  So sehr Scholl-Latour z.B. auch die Politik der USA kritisierte, so sehr respektierte er deren militärische Stärke und die Kampfkraft ihrer Soldaten. Er dehnte dieses Faible für Stärke auch auf Religion und Kultur aus. So betrachtete er z.B. als Katholik  das 2. Vatikanische Konzil  mit der Öffnung der katholischen Kirche aus der römisch-lateinischen Enge in eine multikulturelle Welt  als strategischen Fehler.

Aber die Weisheit und Lebenserfahrung alter Männer ist eine Sache, die Bedeutung und das Umgehen mit neuen Situationen und Möglichkeiten eine andere. Ich denke, Scholl-Latour ist das Lebensgefühl und die Hoffnungen der jungen Generation,  die globale technische Vernetzung der Welt mit ihren Möglichkeiten fremd geblieben.  Wer möchte ihm, dem fast Hundertjährigen das vorwerfen?  Vielleicht hätte Scholl-Latour den Kohelet der Bibel, den Prediger Salomos zitiert: „Eine Generation geht, die andere kommt… alles hat seine Zeit und Stunde!“  oder eben den bitteren Vers des Dichters Omar Khayyam, den er auf der letzten Seite seines Buches zitierte:

„Alle die Heiligen, die hochgeschätzt                                                                                                 philosophierten, sind des Todes Raub.                                                                                                     Auch ihre Stimme wird nicht mehr gehört,                                                                                           ihr Mund ist vollgestopft mit Sand und Staub.“

Sic!

(KS)

Der Islam – an allem schuld – Fragezeichen ?

Der Islam-Irrtum von Michael Thumann

thumannVorneweg: Ein großartiges und ein dringend notwendiges Buch. Auch wenn man zunächst ein wenig über den Titel stutzt und vermuten könnte, wieder einmal hätte ein „Islamexperte“ versucht, uns zu helfen, den „wahren“ vom „falschen Islam“  zu unterscheiden. Aber schon der Untertitel hilft uns auf die richtige Spur: „Europas Angst vor der muslimischen Welt“.

 Dieser Angst, die derzeit in der westlichen Welt so bedrohliche Blüten treibt, möchte der Autor mit konkreten Reportagen aus eben dieser muslimischen Welt entgegentreten. Es geht ihm dabei nicht darum, irgendwelche Gefahren in und aus den Ländern des moslemischen Kulturkreises zu verharmlosen, sondern darum, die These, der Islam sei an allem schuld,  zu entmythologisieren. Deshalb auch das erste Kapitel: „Unsere Islam-Besessenheit“

Welche Rolle spielt die Religion konkret in den Gesellschaften des Nahen und Mittleren Ostens? Mit welchen Problemen sind die Länder dieser Region konfrontiert? Michael Thumann lebte als ZEIT-Korrespondent seit 2007 vor Ort in Istanbul und  veröffentlichte dieses Buch 2011 kurz nach den Ereignissen des sog. „Arabischen Frühlings“, in dem eine junge Generation sich gegen die alten korrupten Herrscher in ihren Ländern auflehnte. Das Buch  – heute in 2016 gelesen – berichtet noch nicht über die fatale Katastrophe, die sich mit dieser Auflehnung in Syrien anbahnte und auch noch nicht über die Entstehung des IS und seinen barbarischen Krieg gegen alle Parteien dieser Region.

Thumann berichtet von seinen investigativen Reisen in die Krisenregionen Kurdistans/Nordosttürkei, Nordiraks, Saudi-Arabiens, Ägyptens und des Libanon, berichtet von Gesprächen aus den Rückzugsquartieren der Muslimbrüder  in abgelegenen Wohnvierteln Kairos, mit Frauen aus den Glaspalästen in Riad, mit  islamischen „Neo-Fundamentalisten“ – so nennt er die jihadistische Fraktion der Islamisten – , mit CIA-Agenten und Hisbollah-Kämpfern, er erläutert die Bedeutung der neuen Medien und des Senders Al Jazira und die neuen ökonomischen Machtzentren am Persischen Golf. Besonders aufschlussreich für mich die Information über die Parteien und Kräfteverhältnisse in der Türkei, den Aufstieg und die Bedeutung der AKP, der Partei des Präsidenten Erdogan als Partei der anatolischen Aufsteiger als machtvolle Konkurrenz zu der alten laizistischen kemalistischen Beamten- und Militärelite der Türkei:  Die AKP als etwa so religiös wie  die CDU/CSU früherer Jahre in Deutschland.

Und hier also das Grundanliegen dieses Buches: Die im Westen überschätzte Rolle  des religiös fanatischen Islam in der Problematik dieser Länder. Nach der Analyse Thumanns sind ganz andere – uns sehr bekannte – Phänomene die eigentlichen Gefahren dieser Region auf ihrem Weg in die Moderne: Bevölkerungswachstum, Nationalismus, Kapitalismus, Diktatur und unterdrückte Minderheiten. Bei all diesen gewaltigen Kräften spielt der Islam als Religion keine entscheidende Rolle. Thumann lädt uns zu einem Gedankenexperiment ein und fragt dabei, ob auch nur eines der Probleme des Nahen Ostens gelöst wäre, wenn man sich den Islam aus der Problemlage wegdenken würde: Das Kurdenproblem, Israel und Palästina, Iran-Persien und Saudi Arabien, Ägypten und des Libanon?

Wenn ja, dann immer etwa in der Funktion, wie sie etwa Katholizismus und Protestantismus in den terroristischen Auseinandersetzungen in Nordirland früherer Jahre zwischen der IRA und England  gespielt hat. Es gilt also genau hinzuschauen, wenn die religiöse Karte in diesen Konflikten gezogen wird.

Man möchte allerdings den Autor fragen, ob das auch noch für ein Phänomen wie Al Quaeda und den IS zutrifft, oder etwa für den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak. Richtig und wichtig scheint der Hinweis, dass es sich auch da um den Machtanspruch der jeweiligen Clans  für diese Region handelt, denen die religiöse Motivation der Jihadis für ihren Machtkampf gerade nützlich ist. Die Länder der muslimischen Welt mit dem fanatischen Islam gleichzusetzen ist genauso falsch, wie die Jihadisten der muslimischen Welt weismachen möchten, die teuflische Kraft des Westens sei das Christentum Amerikas und Europas, das einen Kreuzzug gegen den Islam in aller Welt führen würde.

Auch wenn es ein fast verwegener Wunsch ist: Die Leute von Pegida, AfD und Co. möchten sich doch bitte die Lektüre dieses Buches gönnen, um zu erkennen, wie naiv und uninformiert ihre Parolen sind,  und sie genau in die Falle tappen, die ihnen die Propaganda der jihadistischen Desperados gestellt hat. Dringlich und bedeutsam wäre es aber, dass sich die verantwortlichen Politiker ein informierteres Bild vom Nahen und Mittleren Osten machen würden – dieses   Buch wäre sicherlich hilfreich. Videant Consules!

Danke an meine Schwester H., die mir dieses Buch zu lesen gab.(KS)