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Die schmutzigen Deals in Nah-Ost

Ein Satz in meinem letzten Blogbeitrag muss korrigiert werden. Das bin ich der historischen Wahrheit schuldig. Ich schrieb: „Den syrischen Diktator Assad stürzen zu wollen, ohne die Interessen von Putins Russland in die Überlegungen mit einzubeziehen, zeigt aufs Neue die unverständliche Naivität amerikanischer Außenpolitik im Nahen Osten.“  

Den ersten Teil des Satzes bleibt unverändert. Der zweite Teil aber, in dem ich der amerikanischen Außenpolitik „unverständliche Naivität“ unterstellte, darf aber keinesfalls so stehen bleiben. Es muss heißen „zynische Interessenpolitik der USA im Nahen Osten.“! Der Bonus der guten Absichten der USA lässt sich nach „Wiki-Leaks“ einfach nicht halten.

Auf der Suche nach einem roten Faden im Wirrwarr der derzeitigen Kriegskatastrophe in Syrien und im Irak, stieß ich bei YouTube auf einen Vortrag des Schweizer Historikers Dr. Daniele Ganser zum Thema, der sehr anschaulich die unsäglich banalen Hintergründe des derzeitigen Krieges erläutert:

Hier der Link: Dr. Daniele Ganser Es geht um Erdgas und Pipelines!  

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Die Hauptakteure: USA, , Saudi-Arabien, Katar auf der einen Seite, und Iran, Russland, Syrien auf der anderen Seite. Joker ist die Türkei Erdogans, die neben dem erwarteten Gas-Geschäft auch das Kurdenproblem erledigen will.   Der IS spielt nur solange eine eigene Rolle, als es den Hauptakteuren /Finanziers  nützlich erscheint.  Gerade wird er mit amerikanischer Hilfe aus der Millionenstadt  Mossul  vertrieben. Katar und Saudi-Arabien scheinen kein Interesse mehr an ihm zu haben.

Wem der Vortrag Gansers angesichts des Elends, das dieser Krieg über die Menschen dieser Region gebracht hat und bringt, vielleicht etwas zu salopp erscheint, dem sei als Lektüre der engagierte und detaillierte Essay Robert F. Kennedys, Jr. “Warum die Araber uns nicht in Syrien wollen“.

Dem Sohn des 1968 ermordeten amerikanischen Justizministers RobertF.Kennedy kann man wohl nicht „Antiamerikanismus“ und Verschwörungstheorie vorwerfen, wenn er die üble Rolle amerikanischer Außenpolitik und die verdeckten Operationen der CIA  im Nahen Osten erklärt.

Zwei weitere Artikel dazu habe ich im Netz entdeckt und  mit Interesse                                       1. 2013 Schmutzige Deals – Worum es im Syrien-Krieg wirklich geht                                       2. 2016: Energiekrieg um Syrien – Kämpfe nur entlang künftiger Pipelines                                 

Für mich – und wahrscheinlich für viele andere deutsche Zeitgenossen, die allen „Verschwörungstheorien“  ablehnend gegenüber stehen, ist es einfach deprimierend, eingestehen zu müssen, dass wir als  westliche Öffentlichkeit vom  CIA und von ihm beauftragter Werbeagenturen mit ganz gezielter desinformierender Information eingedeckt werden. Dass unsere Medien dem westlichen Partner USA gegenüber nicht kritisch genug sind und   die Schlagzeilen und Bilder im sog. „Krieg gegen den Terror“ über die barbarische Praxis des IS gerne aufgreifen, die sich ja besonders eignen, von wahren Motiven der Hauptakteure abzulenken. Wir glauben ja zu gerne, dass es um Menschenrechte, Demokratie und eine menschlichere Zukunft ginge und eben nicht um Gas und Pipelines.Desinformierende Information!

Unbestreitbar, dass nach dem unseligen Irak-Krieg des G.W.Bush und der „Cheney-Gang“  im destabilisierten Irak ein fataler Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten entbrannt ist, der ein barbarisches Gebilde wie den IS erst ermöglichte.  Dass man aber in den Planungsstäben des  CIA im Nachhinein glaubte, das eh brisante Potenzial der religiösen Differenzen der Muslime zu eigenen Zwecken manipulieren zu dürfen, das ist zynisch und verbrecherisch.

Es tut weh, einem eigentlich so sympathischen Präsidenten wie Barak Obama konstatieren zu müssen, dass er das falsche Spiel seiner Administration in Syrien (und übrigens auch in der Ukraine) mitgespielt hat, warum auch immer. Von seiner wahrscheinlichen Nachfolgerin Hillary Clinton ist in der Nahostproblematik eine andere Haltung kaum zu erwarten, nachdem sie als Außenministerin aktiv am „Regime-Change“ in Libyen beteiligt war.

Die auch  bei uns in Deutschland so gern geglaubte These: „Was gut für Amerika, ist auch gut für die Welt!“ – Die Flüchtlingskatastrophe ist der drastische Beleg des Gegenteils. (KS)

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