Monatsarchiv: Februar 2020

Ein Lob der Ausgrenzung

Das Debakel der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen und das politische Spiel der AfD sollte ganz Deutschland klarmachen, dass es Zeit wird, zu sagen, wofür diese Republik steht, und was sie sich auf keinen Fall erlauben kann. Es verbietet ihre Geschichte: Dass eine faschistische Partei das Zünglein an der Waage spielen darf, wenn es darum geht, wer in diesem Lande regieren wird. Diese  Ansage gilt vor allem den Leuten, die glauben aus angeblich guten Gründen der AFD ihre Stimme geben zu müssen, um aus angeblich guten Gründen dem politischen System dieser Republik eine Lektion erteilen zu sollen.

Es ist einfach nicht wahr, dass man eine Partei wie die AfD nun deshalb  – genau wie alle anderen Parteien – respektieren müsse,  weil sie von einem Teil der Bevölkerung ja in die Parlamente gewählt worden sei.  Auch dann, wenn ihre Ziele und Überzeugungen die Grundwerte und den Grundkonsens dieser Republik in Frage stellt? )

Hier folgen Auszüge aus einem Artikel des SPON – Bloggers Sascha Lobo, der ad item eine sehr klarsichtige politische Analyse liefert und eine notwendige  Strategie fordert. (KS)

Ein Lob der Ausgrenzung 

Sascha Lobo

Vom Umgang mit Faschisten und ihren Wählern

„Seit Jahren beobachte ich im Netz AfD-Anhänger und ihre Umfelder: Putin-Fans und Ex-Linke, Offensiv-Rassisten und Bismarck-Jünger, vorgestrige Sexisten und Islamhasser, Antisemiten und Sozialdarwinisten, Neonazis und Hassbürgerliche, grünlich-braune Tierschützer, Radikallibertäre und viele mehr.

Die meiner Einschätzung nach größte Teilgruppe aber sind diejenigen, die sich für „bürgerliche Mitte“ halten. Sie sind natürlich nicht jene Mitte, denn die AfD ist eine rechtsextreme Partei, in der Menschenfeindlichkeit blüht. Und es spielt nicht die geringste Rolle, welche politische Überzeugung AfD-Wähler glauben zu haben, denn sie wählen Faschisten.“  …..

„Wo ein Wertekompass nicht ganz so eindeutig gepolt ist, kann ein wenig sozialer Druck eine große Hilfe sein. Weil in denjenigen AfD-Wählern, die sich für die bürgerliche Mitte halten, meist noch konservative Restempfindungen vorhanden sind, wirkt Ausgrenzung.

Ziel dieser AfD-Wähler ist es, sich nicht für ihre Wahl schämen zu müssen. Das Ziel aller Demokraten muss daher sein, ihnen klarzumachen: „Doch, ihr solltet euch schämen.“ Das funktioniert keineswegs bei jedem, aber bei der pseudobürgerlichen Möchtegernmitte eben doch“   …..

„Das, worauf es letztlich ankommt, ist die Ausgrenzung der AfD durch echte Konservative und Wirtschaftsliberale – denn sie funktioniert. Das ist weniger einfach, als man glauben möchte, denn in mancher Hinsicht ist die AfD die politische Bad Bank der CDU.Vor der Modernisierung der Union hatten rechte Positionen durchaus einen gewissen Platz in der Partei, und man kann jeden Tag dankbar sein, dass es so simpel nicht mehr ist.“

Der ganze Artilkel ist hier zu lesen:   SPON  -Sascha Lobo, 12.02.2020

Nachtrag : Und wer meint, die Berliner Republik sei nicht die von Weimar, – noch hat er ja Gottseidank Recht – der lese einmal andächtig den Artikel der ‚Frankfurter Zeitung vom 1.11.1929 „Wer wählt nationalsozialistisch?“ Es reicht ja einem beachtlichen Teil der AfD- Klientel schon, wenn sie die verfassungsmäßigen Instrumente der parlamentarischen Demokratie lächerlich und ihre Repräsentanten unglaubwürdig machen. Siehe Thüringen 2020! Eine Alternative für Deutschland ist das wahrlich nicht!