Das unbekannte Reich der Mitte

Stefan  Baron & Guangyan Yin-Baron

Die Chinesen: Psychogramm einer Weltmacht

Das Buch ist seit 2018 auf dem Markt und hat von vielen Seiten schon viel Aufmerksamkeit und  gebührende Würdigungen erfahren. Zu Recht! Man lese die begeisterten Kommentare der Pressestimmen.  Aber selbst wenn man über China schon einiges gelesen hatte oder auch schon mit lebendigen Chinesen – in meinem Fall Auslandschinesen –  befreundet ist, so ist dieses Buch eine überwältigende Entdeckung dieses Landes, seiner Menschen, ihrer Kultur und ihres aktuellen Selbstverständnisses.  Die Co-Autorin Guangyan Yin-Baron, chinesische Journalistin und seit 20 Jahren Ehefrau des Autors Stefan Baron, hat offensichtlich dafür gesorgt, dass ihr Mann nicht irgendetwas Schlaues und Angelesenes  über die Kultur und das Innenleben der Menschen ihrer Heimat veröffentlichte, sondern durch seine familiäre Verbindung sehr eng mit dem lebendigen China in Berührung kam und es schätzen und lieben lernte. Und das ist bei der Lektüre zu spüren.

Eigentlich ein fast unmögliches, aber doch gelungenes Unterfangen, ein seriöses Buch über „Die Chinesen“ , ein Volk von 1,4 Mrd. Menschen zu schreiben, das dazu den Anspruch erhebt ein „Psychogramm einer Weltmacht“ zu sein.  Das muss man sich erst einmal zutrauen. Wahrscheinlich wussten die Autoren das ebenso gut wie ihre möglichen Kritiker. Aber mir scheint, es war ihnen ein zu gewichtiges Anliegen, einem deutschen/europäischen Publikum die historische Bedeutung Chinas für die kommenden Jahrzehnte klar zu machen – und es nicht nur als immer wieder beschworene Bedrohung, sondern auch als Chance zu sehen  in einem Prozess, der in den nächsten Jahrzehnten China unaufhaltsam zur stärksten Volkswirtschaft der Welt  werden lässt. Das muss man politisch einmal ernst nehmen.

Aber China und seine Kultur ist uns fremd. Wir wissen zu wenig über das Land und seine Geschichte, seine Menschen (Ich erinnere mich nicht, in der Gymnasialzeit der 1950-er Jahre irgendetwas über Chinas geschichtliche Bedeutung erfahren zu haben) Hier setzt dieses Buch an. Fast alles im heutigen China ist nur verstehbar mit einem kundigen Blick in seine lange Geschichte, in die prägende kulturelle Kraft des Konfuzianismus für die chinesische Gesellschaft über alle Epochen hinweg, die überragende Bedeutung der Familie/Sippe (gegenüber der Vorstellung vom autonomen Individuum des Westens) als eigentliche Basis menschlichen Zusammenlebens, Verhalten von Volk und Regierung/Partei, die Beziehung von Mann und Frau… und und und.  

Man lese dieses so kundige Buch, um zu verstehen, warum uns so vieles an China und Chinesen so unverständlich erscheint und trotzdem so wichtig ist, es zu wissen.

Fünf Sterne und eine große Einladung, dieses Buch zu lesen. (KS – März 2020)

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