Das Dritte Reich und Niederländisch Indien

Horst H. Geerken: Hitlers Griff nach Asien – Band 3

Eine Dokumentation

Wer Horst Geerkens Band 1 und 2 von „Hitlers Griff nach Asien“ gelesen hatte, der war sicher gespannt, was denn noch alles über Hitlers Griff nach Asien zu berichten sein würde, wo man doch in Bd. 1 und 2 schon so viel erstaunliche Begebenheiten erfahren hatte. Aber wie der Autor in seinem Vorwort erklärt, hatten die beiden Bücher ein unerwartet großes Interesse gefunden. Daraufhin wurde ihm so viel authentisches Material zugängig, dass ein weiteres Buch von 435 Seiten erforderlich wurde.

Beeindruckend, mit welch akribischem Fleiß der Autor diesen Informationen nachgegangen und ihre Verwendbarkeit überprüft hat. Und erstaunlich, wieviel unbekanntes historisches Material aus dieser katastrophalen Epoche noch vorhanden ist, wenn man als Autor das Vertrauen der Zeitzeugen erworben hat.

Ergänzend zu den in Bd. 1 und 2 geschilderten Begebenheiten gibt es z.B. Fotos vom Internierungslager Onrust bei Jakarta, weitere Informationen zum „Totenschiff Van Imhoff“, zu deutschen U-Booten in Indonesien, zur deutschen Schule Sarangan in Ost-Java, zum Internierungs-lager Dehra Dun in Indien, zu Familieninternas des SS-Brigadeführers und Hitlervertrauten Walter Hewel zu lesen, die dem Autor von einem Großneffen Hewels zu Verfügung gestellt wurden. Auch weitere Details aus Hitlers Leben und Umfeld sind dokumentiert. Ausführlich auch die Schilderung der Begeisterung der Indonesier für Hitler, damals zur Zeit Sukarnos als auch über einen „Hitlerkult“ heute, wo sich junge Indonesier als besondere Attraktion öffentlich in den Uniformen von SS und Wehrmacht präsentieren.

Wir lesen aber auch erstaunliche Geschichten z.B. über den jungen deutschen Hamburger Oskar Walter Speck, der 1932 im Faltboot von Ulm aus die Donau hinunter in einem siebenjährigen Abenteuer unglaubliche 50000 km bis nach Australien paddelte – mit einer Hakenkreuzflagge als Bugwimpel -, um zu demonstrieren, zu welchen Leistungen das neue Deutschland in der Lage sei.  1937 von der deutschen Community in Indonesien begeistert gefeiert, landete er 1939 endlich an seinem Ziel in Australien und wurde dort als Deutscher sofort von den Australiern bis Kriegsende interniert.

Wir lesen von einem Willem Eduard de Graaff, einem indonesisch-stämmigen Piloten der holländischen KLM-Airline, der im Laufe des Krieges die Fronten wechselte und in der deutschen Luftwaffe hoch spezialisierte Einsätze gegen die Alliierten flog.  Nach dem Krieg von holländischer Seite als Nazikollaborateur gesucht, gelang es ihm, über die sog. „Rattenlinie“ (mit Hilfe des Vatikans) nach Südamerika zu flüchten. Über sein weiteres Schicksal dort ist nichts bekannt.

Besonders ausführlich und eindringlich die Schilderung des Lebens und der Lage der Auslandsdeutschen in Indonesien bis 1940 und im Verlauf des 2. Weltkriegs. Die Internierung, Schikanierung und Enteignung der ca. 3000 Deutschen im Jahr 1940 durch die holländischen Kollonialbehörden, die Situation für sie nach der japanischen Besetzung Indonesiens von 1942-1945.  

Und hier dann fast exemplarisch die Schilderung der Odyssee der Familie Liesenfeld. Der Sohn Dr. Rudolf Liesenfeld, 1932 in Surabaya geboren, überlässt dem Autor viele Dokumente und Fotos aus dem Nachlass des Vaters Willi Liesenfeld, der seit Ende der 1920-er Jahre in Surabaya Vertreter der Firma Schlieper /Solingen im holländischen Kolonialindonesien war. Er erzählt von der Funktion des Vaters als Ortsgruppen-leiter der NSDAP in Surabaya, von der Begeisterung der Auslandsdeutschen für Hitler und Nazi-Deutschland, der Internierung und Trennung der Familie ab 1940. Der Vater wird 1942 in das Gefangenenlager Dehra Dun*) in Indien deportiert, die Mutter mit den zwei Kindern über Shanghai nach Japan verbracht. Die Familie kann sich erst 1947 nach siebenjähriger Trennung im zerbombten Deutschland wiedersehen.

Die Bedeutung von Band 3 liegt in der Fülle authentischer Dokumente, Reportagen, Fotos, Zeitungsausschnitte, biographischer Zeugnisse. Vieles, besonders die detaillierten Beschreibungen indonesischer Orte und Personen wird vor allem „Insider“ – und natürlich die Leser von Bd. 1 und 2 interessieren. Darüber hinaus aber vermittelt das Buch ein sehr anschauliches Bild der Schicksale der Auslanddeutschen in der Zeit der 1930-er und 1940-er Jahre in Indonesien, Indien, China und Japan, das auch für eine breitere Leserschaft interessant sein dürfte.  Auch für diesen 3.Band fünf Sterne. (KS)

*) Für alle Leser, die sich detaillierter für das Leben der internierten Deutschen im Lager Dehra Dun interessieren, sei die Lektüre von Horst H. Geerken: Hitlers Griff nach Asien – Band 4 empfohlen.

Laut Auskunft des Autors enthält es die gesammelten Dokumente von Vorlesungen der Lageruniversität Dehra Dun. Es sind die einzigen Dokumente dieser Art, die die Internierung der Deutschen und die Nachkriegswirren überlebt haben. Es war ein einmaliger Glücksfall, dass ich diese Dokumente vor der endgültigen Vernichtung retten konnte, Es war eine Heidenarbeit, diese Dokumente wieder lesbar zu machen. Sie waren beidseitig auf dünnem Seiden-/Durchschlagpapier geschrieben.“ (Zitat)

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