Category Archives: Musik

Besser kann eine Premiere einfach nicht sein

 

Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler begeistern samt Solisten ihr Publikum bei ihrem ersten Konzert unter dem Dirigat von Jeremy Hulin                                            Von Andreas Röchter

Eschweiler. Große Namen standen am Samstagabend auf dem Pro­gramm: Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven. Literari­sche Verstärkung erhielt das Duo der musikalischen Genies durch keinen Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe. Und im Geiste waren auch Klavier-Virtuo­sin Clara Schumann und der Meis­terviolinist Joseph Joachim zuge­gen.

So stellten sich die spürbar er­wartungsvollen Gäste des Konzerts der Städtischen Musikgesellschaft in der vollbesetzten Aula des Städ­tischen Gymnasiums vor dem Er­klingen der ersten Melodie sicher­lich die Frage, ob sich Chor und Orchester unter dem Premieren-Dirigat des neuen Ensemble-Lei­ters Jeremy Hulin der anspruchs­vollen Aufgaben gewachsen zeigen würden?

Rund zwei Stunden später waren keinerlei Zweifel mehr vorhanden. Die Zuhörer, darunter auch der ehemalige Chor- und Orchesterlei­ter Horst Berretz, der die Geschicke der Gesellschaft drei Jahrzehnte maßgeblich prägte, erhoben sich von ihren Sitzplätzen und spende­ten frenetischen und dankbaren Applaus.

Diesen erhielten die Sängerin­nen und Sänger sowie die Instrumentalisten der Städtischen Mu­sikgesellschaft, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, auch von ihrem neuen „Chef“ und einer professionellen Musikerin der Extraklasse: Die großartige Pia­nistin Tomoko Yoneyama begeis­terte zum krönenden Abschluss des Konzerts, das unter dem Titel „Eine Sommerserenade“ stand, mit einer meisterhaften Interpre­tation der „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Op. 80″ von Ludwig van Beethoven und bildete dabei eine wunderschöne Sym­biose mit den Protagonisten der Musikgesellschaft.

 Beethoven und Brahms

Auch der Start in die neue Ära der Gemeinschaft war dem 1770 in Bonn geborenen Musikgiganten gewidmet: Ludwig van Beethoven, der in den Jahren 1811 und 1812 einen regen Gedankenaustausch mit dem von ihm hochverehrten Dichter Johann Wolfgang von Goethe unterhielt, vertonte we­nige Jahre später dessen Gedichte „Meeresstille“ und „Glückliche Fahrt“ zu einer Kantate. Nach dem , schwermütigen, aber stimmlich  anspruchsvollen Beginn, der in  den Worten „Keine Luft von keiner l Seite! Todesstille fürchterlich!“ seinen Ausdruck findet, gelang es – Chor und Orchester unter dem  energischen Dirigat von Jeremy  Hulin eindrucksvoll, hymnisch den  Wind und die Wellen zu entfesseln und das rettende Land in Sicht­weite kommen zu lassen.

 

Inmitten der Klammer Beethoven setzte sich die Musikgesellschaft mit zwei sehr unterschiedlichen Werken von Johannes Brahms aus­einander. Die Sammlung kurzer Lieder, denen der Komponist unter dem Titel „Liebeslieder-Walzer Op. 52″ eine „lyrisch-schwelgerische“ Note gab, forderte von Sängern und Instrumentalisten höchste Konzentration und Genauigkeit. Die 17-jährige Sopranistin Jeanne Jansen setzte einen elektrisierenden Kontrapunkt mit ihrem gelungenen Solo.

Nach der Pause stellte sich das Orchester der Herausforderung einer „Beinahe-Symphonie“ von Brahms, der der Komponist und Pianist schließlich den Titel „Sere­nade Nr. l Op. 11″ gab, nachdem er eine frühere Fassung seinen Freunden Clara Schumann und Jo­seph Joachim im Jahr 1858 vorge­stellt hatte.

 Grandiose Leistung

Das Orchester der Musikgesell­schaft präsentierte den l. Satz Allegro molto und strebte melodiös und ausschweifend, aber dennoch feingliedrig, dem klanglichen Hö­hepunkt des Werkes entgegen. Ein Musikerlebnis der besonders ge­lungenen Art bescherten dann alle Konzert-Mitwirkenden ihren Zu­hörern mit der Wiedergabe von Beethovens „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Op. 80″. „Wo­bei ich hoffe, dass wir im Hinblick auf die Erstaufführung im Jahr 1811 nicht allzu authentisch auf­treten werden“, bemerkte Jeremy Hulin schmunzelnd.

Schließlich wird die damalige Ausführung als schlecht bezeichnet. Selbst Beethoven, der bei dieser Gelegenheit letztmals öffentlich als Pianist auftrat, hatte wohl nicht den besten Tag innerhalb seines unvergleichlichen Lebenswerkes erwischt. Das Chaos während der Chor-Fantasie soll irgendwann so­gar so groß gewesen sein, dass die Beteiligten den Entschluss fassten, abzubrechen und von vorne zu beginnen.

Da Capo zum Finale

Davon konnte am Samstag in der Aula des Städtischen Gymna­siums allerdings keine Rede sein. Obwohl Tomoko Yoneyama ge­meinsam mit Chor und Orchester den beinahe ekstatischen Schluss­teil der Komposition ebenfalls ein zweites Mal darbrachten. Aber nicht wegen vorherigem Chaos, sondern auf Grund des stürmi­schen Beifalls, den die grandiose Leistung aller Mitwirkenden voll­kommen zu Recht herausgefordert hatte. (AR)

Sie sorgten für ein Musikerlebnis, das so schnell niemand vergisst       ______________________________________________________________________

Die Mitwirkenden des Konzerts:

 Gesamtleitung: Jeremy Hulin

Kla­vier: Tomoko Yoneyama.

 Chor: Sopran: Hildegard Breuer, Claudia Förster, Elke Frohmann, Ursula Helmling, Jeanne Jansen, Maria Johnen, Ute Kowalewski, Edeltraud Müller, Käthe Müller, Stepha­nie Sievers, Doris Sommer;

Alt: Birgit Breckheimer, Stephanie Fell, Sabine Härtung, Ingrid Hilgers-Szemeit, Ga­briela Jansen, Rosemarie Keuthen, Ursula Manthey, Christa Michaizyk, Renate Schwartz, Cornelia Schwarz-Misere, Ursula Weyand;

Tenor: Fried­rich Friedhoff, Georg Lingemann, Markus Paulmann, Johannes Rohrer, Nikolaus Sturm;

Bass: Peter Adrian, Helmut Dolfen, Josef Holtmann-Spötter, Arno Johnen, Andreas Laurs, Johannes Mülfahrt, Lothar Szemeit, Franz Wolters, Wolfgang Zemler, Jür­gen Kozel.

Orchester: Erste Violine: Konzert­meisterin Brigitte Petrovitsch, Astrid Latz, Etelka Nagy, Lisa Plecikova, Vera Wunsch;

Zweite Violine: Roswi-tha Kühnen, Kathrin Lingemann, Yumiko Matsuyama, Ellen Nowack, Mi­chaela Schieren;

Viola: Katharina Lindemann-Docter, Helmut Löwe, Xa­ver Schiffeis;

Violincello: Ingrid Walz, Paula Becker, Helmut Erbstößer, Charlotte Lehmbruck, Wolfram Simonsen;

Kontrabass: Georg Klinkenberg, Klaus Schruff;

Flöte: Anna Boese, Agnes Acs;

Oboe: Christoph Linge­mann, Yvonne Schabarum;

Klari­nette: Jochen Förster, Stephan Wistop;

Fagott: Severin Graff, Katharina Zey;

Hörner: Ulrich Michels, Gereon Graff, Thomas Graff, Simon Bauer;

Trompete: Jonas Nobis, Didier Dhont;

Pauke, Schlagwerk: Martin Graff.

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(c) Eschweiler Nachrichten – 8. Mai 2017

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Festliches Abschiedskonzert

Die Liebe zur Musik prägt sein Leben

Horst Berretz verabschiedet sich mit einem grandiosen Weihnachtskonzert von Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler

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Eschweiler, 17.12.2016 – Samstagabend, 19.15 Uhr:

Fulminant unterstützt von den Instrumentalisten des Orches­ters lassen die Sängerinnen und Sänger des Chors der Städtischen Musikgesellschaft die ersten quasi in Stein gemeißelten Worte des monumentalen „Weihnachtsoratoriums“ von Johann Sebastian Bach erdröhnen: „Jauchzet, froh­locket auf, preiset die Tage, rüh­met, was heute der Höchste ge­tan!“

Rund 90 Minuten später jauch­zen und frohlocken auch die zahl­reichen Konzertbesucher in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Peter und Paul aufgrund des Hörgenus­ses, der ihnen zuvor beschert wurde. In die Freude, die die Lieb­haber klassischer Musik durch stehend dargebrachte Ovationen zum Ausdruck bringen, mischt sich neben ehrlicher Anerkennung allerdings auch mehr als ein klein wenig Wehmut. Denn mit dem Weihnachtskonzert 2016 geht für die Städtische Musikgesellschaft eine jahrzehntelange Ära zu Ende:

Das „Weihnachtsoratorium“ stellte für Horst Berretz, der als Lei­ter des erfolgreichen Ensembles dessen Geschicke mehr als 30 Jahre lang entscheidend prägte, das letzte Dirigat seiner Karriere dar. Somit schließt sich ein Kreis, der am 21. Dezember 1985 mit der Prä­sentation eines anderen Meilen­steins der Musikgeschichte seinen Anfang nahm: der Aufführung des „Messias“ von Georg Friedrich Händel.

Bereits vor Beginn des Konzerts strömte eine ganz und gar außergewöhnliche Stimmung und Atmo­sphäre durch das Gotteshaus, des­sen Bänke sich stetig füllten. Er­wartungsvoll lauschten die Besucher zunächst der „Sonata Pian e Porte“ von Giovanni Gabrieli, die mit ihrer wahrhaft ruhig und klar fließenden Melodie vielleicht auch ein wenig die bei allen Protagonisten spürbare Spannung löste. Und auch Horst Berretz trug sei­nen Teil dazu bei, als er vor Beginn des Oratoriums eine kurze Pause von einer knappen Minute ankün­digte: „Eine Brille fehlt“, so die ein­leuchtende Begründung.

Mit Pauken und Trompeten   

Sekunden später erklangen mit Pauken und Trompeten die ersten Takte von Bachs sechsteiligem Meisterwerk, dessen Uraufführun­gen während sechs Gottesdiensten zwischen dem Ersten Weihnachts­tag 1734 und dem Epiphaniasfest (6. Januar) 1735 durch den Leipzi­ger Thomanerchor erfolgten, und dessen erste drei Teile die Städti­sche Musikgesellschaft präsen­tierte.   Hochkonzentriert und kraftvoll sowie feinfühlig und nu­anciert nahmen sich Chor und Or­chester der herausfordernden Auf­gabe an.

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Beeindruckend als Evangelist: Tenor Raimund Fürst verkündete die Weih­nachtsgeschichte nach Lukas mit Nachdruck. Mitreißend: Anna Fischer (Alt) interpretierte die Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“ ausdrucksstark

Prachtvoll glückte das Zusam­menspiel mit den hervorragenden Solisten, die den Konzertabend ebenso prägten: Anna Fischer (Alt) interpretierte unter anderem die Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtli­chen Trieben“ ausdrucksstark, die in Aachen geborene Sopranistin Maria Regina Heyne harmonierte wunderbar mit Bariton Erik Schmidt, als im Duett „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen tröstet uns und macht uns frei“ erklang und Tenor Raimund Fürst brillierte als Erzähler, der den Zuhörern die Weihnachtsgeschichte nach Lukas näher brachte. Mit dem Choral „Herrscher des Himmels“ fand der dritte Teil des Oratoriums einen bewegenden Abschluss. Einem kurzen Moment der Stille folgte zunächst andächtiger, dann immer lautstärker werdender Ap­plaus.

Würdige Worte des Dankes sprach die stellvertretende Bürger­meisterin Helen Weidenhaupt, die als Vorsitzende des Kulturaus­schusses auch als Präsidentin der‘ Städtischen   Musikgesellschaft agiert: „Die Liebe zur Musik prägt Ihr Leben. Sie besitzen die Fähig­keit, auch andere Menschen für Musik zu begeistern. Mehr als drei Jahrzehnte lang ist es Ihnen gelun­gen, diese Begeisterung in die Musikgesellschaft hineinzutragen.“

„Auf eigenen Wunsch legen nun ihr Amt als Leiter des Orchesters und des Chors nieder. Sie hinterlassen große Fußstapfen“, sprach sie Horst Berretz direkt an, der auch von „seinen“ Musikern stürmischen Applaus erhielt, Petra Seeger, Leiterin des Amts für Schu­len, Sport und Kultur, überreichte ein Präsent, bevor noch einmal ein äußerst emotionaler Augenblick einen in Erinnerung bleibenden Konzertabend krönte.

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Helen Weidenhaupt dankte als stellvertretende Bürger­meisterin und Präsidentin der Musikgesellschaft dem scheidenden Leiter Horst Berretz im Namen der Stadt für sein Jahrzehnte langes Engagement.

Voll positiver Energie

Orchester und Chor der Musikgesellschaft ließen das Weih­nachtslied „Nun freut euch ihr , Christen“ erklingen und luden das Publikum traditionell zum Mitsin­gen ein. Voll positiver Energie schritten die Konzertbesucher an­schließend in den Abend hinaus. Und immer wieder war zu hören: ,„Wie hat es dir gefallen? Es war wunderschön!“

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 © Andreas RöchterEschweiler Nachrichten/Volkszeitung – 18.12.2016 ´

ps. Wir Mitglieder von Chor und Orchester verabschiedeten uns in einer anschließenden Feier im Restaurant „Talbahnhof“ in Eschweiler  gebührend von unserem langjährigen „Maestro“, der uns über so lange Jahre hinweg ohne  jede „Maestro- Attitüde“ immer wieder zu musikalischen Höhepunkten führte. Die Vorsitzenden von Chor und Orchester Doris Sommer und Thomas Graff  überbrachten den Dank der Mitglieder  und wünschten dem scheidenden  Dirigenten mehr Zeit und Muße für  Familie und sich selbst. Vielen Dank, Herr Berretz! 

Ab dem kommenden Jahr wird Herr Jeremy Hulin die musikalische Leitung der  Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler übernehmen. Wir freuen uns auf kommende Herausforderungen  unter neuer Führung. Viva la Musica! (KS)

Musikalisches Fest der Vorfreude

Weihnachtskonzert lässt Vorfreude aufs Fest wachsen

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Trafen die Herzen der Zuhörer: Die Sänger und Instrumentalisten der                            Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler ließen das Weihnachtskonzert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul zu einem Fest der Vorfreude werden. Foto: Andreas Rechter

Eschweiler. Nur noch wenige Stunden, dann feiert die Christenheit mit dem Weihnachtsfest die Geburt des Herrn. Den Chorsängern und Instrumentalisten der Städtischen Musikgesellschaft gelang es am Vorabend des vierten Advents im Rahmen des Weihnachtskonzertes in der gut besuchten Pfarrkirche St. Peter und Paul, die Vorfreude der Zuhörer noch einmal zu steigern!

Unter der Leitung und dem Dirigat von Horst Berretz interpretierten die Musiker zunächst die Weihnachtskantate „Der Stern von Betlehem“ des Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901), widmeten sich anschließend auszugsweise des ersten der drei Teile des epochalen Händel-Meisterwerks „Der Messias“ und schlössen das Konzert mit „Gaudete“, einer Weihnachtsgeschichte nach alten Liedern des zeitgenössischen schwedischen Komponisten und Chorleiters Anders Öhrwall (1932-2012) ab. Darüber hinaus luden die Protagonisten der Städtischen Musikgesellschaft das Publikum mit den Weihnachtsliedem „Zu Bethlehem geboren“, „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und „Nun freut euch ihr Christen“ zum Mitsingen ein.

Dass die Erde auch machtvoll und laut schweigen kann, bewiesen die Instrumentalisten des Orchesters sowie die Chorsänger der Musikgesellschaft gleich mit den ersten Takten des rund zweistündigen Konzerts eindrucksvoll

verenaDie „Erwartung“ auf das Kommen des Herrn bot einen fulminanten Einstieg in die Komposition „Der Stern von Betlehem“, deren Text einem Gedicht von Fanny von Hoffnaaß, der Frau des Komponisten Josef Gabriel Rheinberger, nachempfunden ist. Gemeinsam mit dem Chor schlüpfte Gesangssolistin Verena Berretz (Sopran) einfühlsam in die Rollen der Hirten sowie des Engels, der mit den Worten „Fürchtet euch nicht“ die Geburt Jesu verkündet.

Das Solisten-Quintett mit Nikolaus Sturm, Johannes Rohrer, Markus Paulmann (alle Tenor), Wolfgang Zemler (Bariton) und Dr. Franz Wolters (Bass) ließ die Anbetung des Neugeborenen durch die Weisen aus dem Morgenland zu einem Quell der Freude und Dankbarkeit werden. Letztlich schloss sich der Kreis, als der Chor mit aller Stimmkraft die „Erfüllung“ der Verheißung nach dem Erlöser mit einem strahlenden „Halleluja“ dem Publikum entgegenschleuderte.

Den thematisch nahezu nahtlosen Anschluss boten die Auszüge aus dem ersten Teil des Händel-Oratoriums „Der Messias“, in dem der Chor die Geburt des Gottessohnes mit den Worten „Wunderbar, Herrlicher, der starke Gott, der Ewigkeiten Vater und Friedefürst“ feiert. Fundament der das Konzert abschließenden Komposition „Gaudete“ ist ein gleichnamiges Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert, das Anders Öhrwall wundervoll mit Variationen der bekannten Weihnachtsmelodien „Kommet ihr Hirten“, „In dulci jubilo“ sowie „Es ist ein Ros entsprungen“ verbunden hat. Der Chor und das Orchester der Städtischen Musikgesellschaft setzten somit einen reizvollen Kontrapunkt zu den zuvor dargebotenen Werken. Ergänzt wurde jeder Abschnitt der Komposition durch einleitende Worte von Pfarrer und Hausherr Michael Datene.

Den grandiosen und emotionalen Schlusspunkt unter ein stimmungs- und freudvolles Weihnachtskonzert setzte der gemeinsame Gesang von „Nun freut euch ihr Christen“. Starker, lange andauernder und letztlich stehend dargebrachter Applaus belohnte alle am Konzert beteiligten Musiker und Sänger der Städtischen Musikgesellschaft, die den Zuhörern zuvor eine großartige Einstimmung auf die Festtage geschenkt hatten. (ran)

Eschweiler Nachrichten –  21.12.2015

(c) http//www.aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/weihnachtskonzert-laesst-vorfreude-aufs-fest-wachsen -1.1252094

Ausschnitte aus dem Konzert sind hier auf „YouTube“ zu hören:

  1. G.F. Händel  – Messias:  Denn es ist uns ein Kind geboren

     2. Anders Öhrwall – Gaudete – Verbum caro factum est

     3. Anders Öhrwall – Ecce novum gaudium

     4.  Anders Öhrwall – Resonet in laudibus

     5.  Rheinberger  – Stern… Oh segne Weide

     6.  Rheinberger – Stern … Drei Weisen

     7. Rheinberger – Stern …Erfüllung (Schlusschor)

 

Musikgesellschaft zum Sommeranfang

ESCHWEILER NACHRICHTEN –   22. Juni 2015

Von Clapton bis Tschaikowsky

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Die Orchestermusiker und die Chorsänger der Städtischen Musikgesellschaft nahmen ihr Publikum mit auf eine abwechslungsreiche und kurzweilige Sommerreise quer durch Europa samt Abstecher über den großen Teich (Foto: Andreas Röchter)

Eschweiler. Ein Konzert am 21. Juni, dem „längsten“ Tag des Jahres, der (zumindest kalendarisch) den Sommeranfang markiert? Klar, dass das Grundthema nur der (hoffentlich) wärmsten Jahreszeit gewidmet sein kann! Und was tut man in diesem Jahresabschnitt? Reisen!

Ob in der Realität oder in Träumen und Gedanken: Das Fernweh packt in dieser Zeit viele Menschen. So nahmen die Instrumental isten des Orchesters sowie die Sängerinnen und Sänger des Chors der Städtischen Musikgesellschan unter der Leitung dem Dirigat von Horst Berretz während ihres Sommerkonzerts im Pädagogischen Zentrum der Adam-Ries-Schule am Sonntagabend das Publikum mit auf eine musikalische Reise kreuz und quer durch Europa, die von einem Abstecher über den großen Teich nach Nordamerika gekrönt wurde. Die Konkurrenz war nicht ganz ohne: Sowohl das Eschweiler Music Festival als auch die „Kurpark Classix“ in Aachen boten dem musikbegeisterten Indestädter am Sonntag Alternativen. Doch eine nicht geringe Anzahl von Besuchern hatte sich für das Konzert der Städtischen Musikgesellschaft entschieden. Und kein Gast sollte sein Kommen bereuen!

Denn schon zum Auftakt stellte das Orchester unter Beweis, welche Bandbreite an musikalischen Möglichkeiten diese Jahreszeit bietet. So besteht ein Sommer auf den schottischen Hebriden eben keinesfalls nur aus Sonnenschein und blauem Himmel.

Starke Klangkontraste von spannungs- geladen, gewaltig und schroff bis hin zu melodisch, lieblich und sanft trugen dieser Tatsache in der „Hebriden-Ouvertüre“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf beeindruckende Weise Rechnung.

Unmittelbar darauf standen die Chorsänger den Instrumentalisten keinesfalls nach, als sie, begleitet von Theo Palm am Klavier, „Floret silva“, „Chramer, gib die varwe mir“ und „Swaz hie gat umbe – Chum, chum geselle min“ aus Carl Orffs „Carmina Burana“ voller Dramatik und Feingefühl intonierten.

Wohlklingend und vielstimmig

Über Tschaikowskis weltberühmten „Schwanensee“‚ und dem machtvollen „Das große Tor von Kiew“ aus dem Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski leitete das Orchester über zum Spiritual „Swing Low“, mit dem der Chor seine Zuhörer erstmals in die „neue Welt“ versetzte. Mit wilden und sich ständig in Lautstärke und Tempo steigernden Jagdszenen aus Edward Griegs „Peer Gynt-Suite I“, während der sich der Titelheld „In der Halle des Bergkönigs“ befindet, geleitete das Orchester die Konzertgäste furios in die Pause.

Im zweiten Konzertteil ergänzten sich Chor und Orchester weiterhin großartig. Etwa während des Terzetts „Sie steigt herauf aus Joseph Haydns Komposition „Die Jahreszeiten“, das beschreibt, wie die Sonne zur „flammenden Majestät“ am Firmament emporsteigt. Dabei überzeugten die Solisten Stephanie Sievers (Sopran), Johannes Rohrer  (Tenor) sowie Wolfgang Zemler und Dr, Franz Wolters (beide Bass) das Publikum, bevor Saxofonist Johannes Flamm und Pianist Theo Palm das Stück „Modere“ aus „Scaramouche“ von Darius Milhaud erklingen ließen. Über den „Gefangenenchor“ aus Verdis „Nabucco“ im Zusammenspiel von Chor und Orchester ging es Schlag auf Schlag weiter: Die Sänger interpretierten gefühlvoll Leonard Cohens „Halleluja“ und „Tears in Heaven“ von Eric Clapton, während das Orchester mit dem  „Carillon“ aus Bizets „L’Arlesienne“ und Glenn Millers Swing-Ohrwurm „In the Mood“ einmal mehr seine Vielseitigkeit präsentierte.

Zum Abschluss wurde dann kurzerhand der Chor um das Publikum vergrößert: So erklangen die aus der Feder Friedrich Schillers stammenden Zeilen „Freude schöner Götterfunken“, die Ludwig van Beethoven in seiner 9. Sinfonie vertonte, nach einer orchestralen Einleitung wohlklingend und vielstimmig.

Dankbarer, lautstarker und langanhaltender Applaus der sich von den Sitzen erhebenden Konzertgäste belohnte die Protagonisten der Städtischen Musikgesellschaft um Leiter Horst Berretz zurecht. Und auch wenn der Dirigent augenzwinkernd bemerkte; dass seine Schützlinge und er nicht auf eine Zugabe vorbereitet seien, blieben die Musiker diese selbstverständlich nicht schuldig. So erklang noch einmal das Meisterwerk „In the Mood‘, das die Zuhörer in die richtige Sommerstimmung versetzte. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen! (ran)

© http://aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/musikgesellschaft-zum-sommeranfang

Ausschnitte aus dem Konzertprogramm

  1. P. Tschaikowsky:    „Schwanensee“
  2. Josef Haydn:            „Heil, oh Sonne, Heil“ (Jahreszeiten)
  3. L. Cohen:                  „Hallelujah“
  4. Eric Clapton:           „Tears in heaven“

WEIHNACHTSKONZERT 2014

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Chor und Orchester  der Städtischen Musikgesellschaft bei ihrem Weihnachtskonzert am Vorabend des 4. Advent in der Kirche St. Peter und Paul. Auch wurde ein  Werk des Eschweiler Komponisten Friedrich Rademacher wunderschön interpretiert. Fotos. Ebbecke-Bückendorf

Ein Abend des Eischwiele Jong

Ehrengast Friedrich „Friedel“ Radermacher darf sein eigenes Werk hören.

Von FRIEDHELM EBBECKE-BÜCKENDORF

Eschweiler. Mit zwei musikalischen Überraschungen begeisterte die Städtische Musikgesellschaft am Vorabend des 4. Advent die vie­len Zuhörer, die zum Weihnachts­konzert in die Kirche St. Peter und Paul gekommen waren. Am Schluss gab es stehenden Bei­fall für Orchester, Chor und Solis­ten, für den Dirigenten Horst Berretz und – ganz besonders warm und herzlich – für den Komponis­ten Friedrich Radermacher.

Profes­sor Radermacher ist sozusagen ein „Eischwiele Jong“. Geboren in Düren, wuchs er in Eschweiler auf und wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Indestadt, unter anderem als Mitbegründer und bis 1959 auch als Leiter der Städtischen Musikgesellschaft. Später war er stellvertretender Direktor der Musikhochschule Köln. Der 90-jährige Komponist lebt heute in Hilden bei Düssel­dorf. Am Samstag waren er und seine Frau Ehrengäste des Weih­nachtskonzerts, auf dessen Pro­gramm Radermachers 1954 ent­standene  Weihnachtskantilene stand.

Mal geheimnisvoll, mal mystisch

Ein beeindruckendes Werk! Im Wechsel erzählen Chor und Solis­ten – der Tenor Raphael Pauß und die Sopranistin Marlies Buchmann – in dieser Kantilene die Weih­nachtsgeschichte. Das klingt mal geheimnisvoll und mystisch, mal andächtig und fromm, mal su­chend oder sogar verzweiflungs­voll, wie beim Tenorsolo „Die Vä­ter hoffeten auf ihn mit Tränen und mit Flehn“. Und wie in dem Duett „Schlafe du Knabe, schlaf ein“ das Wiegen­lied sich zu weihnachtlichem Ju­bel steigert – das ist wirklich meis­terhaft. Wie auch der andachts­volle Schluss des Werkes, bei dem die gesprochenen Worte „Herr, du bist würdig zu nehmen Lob und Preis und Dank“, von ge­zupften Akkorden der Streicher begleitet wer­den.

Rauschender Beifall

Rauschender Beifall dankte den Interpreten dieses zu Unrecht nur selten aufgeführten Wer­kes. Und auch der Komponist be­dankte sich bei der Musikgesell­schaft und den Solisten, denen es erkennbar Freude gemacht hatte, diese musikalische Weihnachtsge­schichte in allen Nuancen darzu­stellen.                                                                                                                                    Begonnen hatte das Weih­nachtskonzert mit dem Doppelkonzert für zwei Violinen und das, Orchester BWV 1043 von Johann Sebastian Bach. Die Solo-Geigen spielten Brigitte Petrovitsch, Kon­zertmeisterin im Orchester der Städtischen   Musikgesellschaft, und Roswitha Kühnen.

Hauptwerk des Konzertabends war aber die Messe A-Dur Opus 12 des französi­schen Komponisten Cesar Franck. Cornelia Schwarz-Misere, die Vor­sitzende des Chores, die durch das Programm führte, wies daraufhin, dass auch Frank ein Komponist aus der Region gewesen sei. Seine Mutter stammte aus Aa­chen, sein Vater aus dem deutsch-sprachigen, heute belgischen Ort Gemmenich. Die Franck-Messe war die andere große Überra­schung des Weihnachtskonzertes, und zwar vor allem durch die be­eindruckend dichte, konzentrierte Leistung des gesamten Ensembles.

Spielfreude und Dynamik

Der Chor der Musikgesellschaft zeigte sich harmonisch, differen­ziert und auch in den leisen Passagen  ausdrucks­stark; das von Horst Benetz straff ge­führte Orchester, verstärkt durch aus­wärtige Solisten, voller Spielfreude, mit Fülle und Dynamik. Auch die Gesangssolisten waren exzellent: Etwa Bassist Christian Brülls aus Aachen, die aus Hagen stammende Sopranistin Marlies Buchmann, die an der Mu­sikhochschule Köln Gesang lehrt, und der Kölner Tenor Raphael Pauß – der an diesem Abend über­ragend war – in dem anrührenden, sanften, zunächst nur von der Harfe begleiteten Stück „Panis angelicus“.

Bei der Zugabe, zu dem Weihnachtslied „Nun freut euch ihr Christen“, waren die Besucher des Konzertes zum Mitsingen eingeladen. Das ist nicht nur eine schöne Tradition bei den Weih­nachtskonzerten der Städ­tischen Musikgesellschaft, es macht auch deutlich, dass das weihnachtliche Gesche­hen alle Menschen angeht, die sich auf die Bedeutung dieses Festes einlassen.

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© ESCHWEILER NACHRICHTEN – Lokales – Mittwoch 24. Dezember 2014     http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/ein-abend-des-eischwiele-jong-1.987012

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Nachtrag:

Sommerkonzert 2014  in der Kirche St. Blasius – Kinzweiler 

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Ausschnitte aus dem Konzertprogramm:

  1. G.F. Händel: „Denn die Herrlichkeit Gottes“ (aus „Messias“)
  2. Josef Haydn: „Die Himmel erzählen“
  3. G.P.Palestrina: „Sicut cervus desiderat“

Traditionelles Weihnachtskonzert der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler

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Einen ausgesprochen weihnachtlichen und festlichen Charakter hatte das Konzert der Städtischen Musikgesellschaft am Samstag, dem 21. Dezember 2013 in der evangelischen  Dreieinigkeitskirche.  Das beim Publikum besonders populäre Weihnachtskonzert, welches in der Regel am letzten Adventssamstag in der Hauptpfarrkirche St. Peter und Paul stattfindet, fand auch in diesem Jahr erneut viel Zuspruch.

In der gut gefüllten Kirche rückten die erwartungsvollen Zuschauer eng zusammen, um sich von exklusiver Weihnachtsmusik erfreuen zu lassen. Unter der Leitung von Horst Berretz ertönten anspruchsvolle Werke bekannter Komponisten, wie die „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod (1818 bis 1893) und das „Oratorio de Noel“ von Camille Saint-Saens (1835 bis 1921), Stücke deutscher und französischer Chorromantik, wie die Weihnachtskantate „Vom Himmel hoch “ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847).

Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft wurden von den Solistinnen und Solisten Bettina Thülen (Sopran), Anna Fischer (Alt), Walter Drees (Tenor) und Harald Martini (Bass) gesanglich unterstützt. Stimmlich sehr präsent war dabei die aus Eschweiler stammende Sopranistin Bettina Thülen, ein langjähriges Mitglied der Musikgesellschaft. Eindringlich und kraftvoll sang sie ihre Passagen. Dabei war aufgrund ihrer hohen Stimmlage, die in der Kirche klangvoll widerhallte, Gänsehaut beim Publikum garantiert.

Aber auch die anderen Solisten, die von weiter her angereist waren, konnten gesanglich glänzen und mit ihren Stimmen überzeugen. So bot die in Gladbeck geborene Anna Fischer, die Gastauftritte unter anderem an der Deutschen Oper in Berlin und im Prinzregenten-Theater München vorweisen kann, mit ihrer Altstimme eine ausgereifte Darbietung. Der Tenorsolist Walter Drees konnte mit seiner wohltönenden Stimme ebenfalls überzeugen. Er ist seit 1991 Kantor an der Pfarre St. Johannes Evangelist in Düren-Gürzenich.  Harald Martini hatte mit seiner melodischen Bassstimme bereits Auftritte mit namhaften Ensembles wie dem WDR Sinfonie- und Rundfunkorchester, sowie  der Bremer Kammerphilharmonie.  Ingrid Walz spielte Violoncello und an der Orgel saß Theo Palm.

Wieder und wieder schafften Sänger und Musiker in ihrem etwa zweistündigen Konzert Augenblicke überwältigender musikalischer Ausdruckskraft. Gesang und Melodie breiteten sich angenehm und belebend in der Dreieinigkeitskirche aus.  Prachtvolle Chöre, wie  das „Oratorio de Noel“ oder „Vom Himmel Hoch“, erfüllten die Kirche mit religiöser Feierlichkeit. Im Finale wurden die gebannt lauschenden Zuhörer schließlich zum aktiven Mitsingen begeistert. Beim Lied „Nun freut euch, ihr Christen“ wurden die Zuhörer zu Sängern, begleitet von Chor und Orchester.

Seit dem Frühsommer hatten Sänger und Instrumentalisten in der Aula des Gymnasiums Eschweiler fleißig geprobt. Aber der Aufwand hatte sich gelohnt, denn das Publikum erfreute sich an der Musik und dankte den Künstlern mit tosendem, lang andauerndem Beifall.

Vanessa Sack

©http://www.aachener-zeitung.de/lokales/eschweiler/traditionelles-weihnachtskonzert-der-staedtischen-musikgesellschaft-1.724784

Auszüge aus dem Konzertprogramm sind hier zu hören:

1. Charles Gounod –  Cäcilienmesse   KYRIE  

2. C. Saint-Saens –  Oratorio de Noel  TOLLITE HOSTIAS

3. F. Mendelsohn-B. –  Vom Himmel hoch  ERSTER CHOR  

4. F. Mendelsohn-B. – Vom Himmel hoch  SCHLUSSCHOR

Musikalische Reise durch viele Epochen

 Frühjahrskonzert 2013 der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler

 

SMGE -2013 - KopieHießen den Frühling mit einem mitreißenden Konzert im Städtischen Gymnasium willkommen:  das Orchester sowie der Chor der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler. (Foto: Andreas Röchter)

Knapp war‘s, doch er hat‘s geschafft! Kurz vor dem Frühlingskonzert der Städtischen Musikgesellschaft hat der „Lenz“ tatsächlich Einzug gehalten. Und so konnten die jeweils großartig aufgelegten Musiker des Orchesters sowie die Sänger des Chors unter der Leitung von Horst Berretz den zahlreichen Zuhörern am Samstagabend in der vollbesetzten Aula des Städtischen Gymnasiums sowohl gesanglich als auch instrumental völlig zurecht entgegen schmettern: „Er ist‘s!“

Das Gedicht, das Eduard Mörike vor mehr als 180 Jahren unter dieser Überschrift verfasste, war Leitmotiv des mitreißenden Konzerts, bei dem die Aktiven der Gesellschaft einmal mehr eindrucksvoll ihre große musikalische Qualität und Bandbreite unter Beweis stellten.

Melancholische Stimmung

Denn wie hatte die Chorvorsitzende Cornelia Schwarz-Miseré zur Begrüßung betont: „Wir durchstreifen während unseres Konzerts unterschiedliche Epochen und Stilrichtungen und zeigen dabei auch, dass der Frühling nicht nur einen heiteren Neubeginn darstellt, sondern durchaus auch melancholische Stimmung aufkommen lassen kann.“

Dies war bereits kurz zuvor beim Konzertauftakt deutlich geworden, den Chor und Orchester mit der Einleitung zu Joseph Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ gestalteten. Denn mit zunächst tiefen synkopischen Klängen zeigte der hartnäckige Winter, dass er sich nur schwer vertreiben lässt. Erst allmählich wurde die Stimmung ruhiger und harmonischer, inszeniert durch den Einsatz von Sopran Stefanie Sievers, die genau wie Tenor Nikolaus Sturm sowie Wolfgang Zemler und Dr. Franz Wolters (jeweils Bass) kurze Solopartien sang. Der Winter war besiegt.Der Chor begrüßte fröhlich den Frühling: „Komm, holder Lenz“.

Zunächst leise und verträumt, dann dynamisch und euphorisch präsentierte das Orchester die „Morgenstimmung“ aus der „Peer-Gynt-Suite“ von Edvard Grieg, die im zweiten Teil des Konzerts mit dem Thema „In der Halle des Bergkönigs“ einen weiteren dramatischen Höhepunkt darstellte. Ebenso mitreißend und vor allem angemessen temperamentvoll interpretierten die Musiker den „Slawischen Tanz Nr. 2, op. 46“ von Antonin Dvorák. Bemerkenswert auch das hervorragend abgestimmte Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester beim Triumphmarsch aus der Verdi-Oper „Aida“ sowie beim „Gefangenenchor“ aus „Nabucco“.

Modern und bewegend

Wie abwechslungsreich ein Frühlingskonzert sein kann, bewies der Chor der Musikgesellschaft, als er dem modernen und bewegenden von Rolf Lovland und Brendan Graham komponierten „You raise me up“ kurz darauf das von Friedrich Silcher im 19. Jahrhundert erschaffene Lied „Süß Liebe liebt den Mai“ entgegenstellte, ohne dass auch nur der Anflug einer Disharmonie entstand.

Zum Träumen luden Orchester und der von Theo Palm am Klavier begleitete Chor auch im zweiten Teil des Konzerts ein: Wörtlich mit „Dream a little Dream“, gedanklich mit Henry Mancinis „Moonriver“.

Das von Jerome Moross erarbeitete Hauptthema aus dem Film „The big Country“ („Weites Land“ mit Gregory Peck in einer der Hauptrollen) ließ schließlich die weiten Ebenen der amerikanischen Prärien vor dem geistigen Auge der Zuhörer erscheinen. Mit dem „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß, der Liebeserklärung des Komponisten an seine Heimatstadt Wien, setzten Dirigent Horst Berretz, sowie Chor und Orchester einen würdigen Schlusspunkt unter ein Konzert, das keine Wünsche offen ließ.

Zumal eine Zugabe folgte: Mit der Wiederholung des Hauptthemas aus „The big Country“ entließen die Akteure der Städtischen Musikgesellschaft ein gut gelauntes Publikum in die frühlingshaften Weiten der Indestadt. (ran)

© Eschweiler Nachrichten – Lokales / 06.05.2013 –

http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/musikalische-reise-durch-viele-epochen-1.570263

Joh. Brahms: Ein Deutsches Requiem in Eschweiler

Musikalischer Kraftakt voller Trost und Seligkeit

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

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Musikalisches Geschenk zum eigenen Jubiläum: Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft führten in der Kirche St. Peter und Paul das „Deutsche Requiem“ auf. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Im „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms geht es um die letzten Dinge, um die Frage nach Tod und Ewigkeit, es geht um Seelenangst, Trauer und Trost. Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler haben sich diesem anspruchsvollen, tiefgründigen Werk gestellt. Das Publikum in der gut gefüllten Kirche St. Peter und Paul dankte ihnen dafür am Samstag mit rauschendem, lang anhaltendem Beifall.

„Ich bin froh, dass wir den Kraftakt gepackt haben!“ atmete Chor- und Orchesterleiter Horst Berretz auf, nachdem der letzte Applaus verklungen und die Musikinstrumente wieder eingepackt waren. Die Städtische Musikgesellschaft machte sich mit dem Brahms-Werk selbst ein Geschenk. 150 Jahre alt wurden Chor und Orchesterberretz-2012 der Stadt Eschweiler in diesem Jahr, und „wir haben für unser Jubiläumsjahr gesagt: Das machen wir!“ Der Kraftakt, von dem Berretz redet, ist dabei nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein finanzieller. Denn die Einnahmen eines solchen Konzertes, das ein großes Orchester und gute Solisten verlangt, decken selbst bei gut gefüllter Kirche nicht die Ausgaben.

Einer der Solisten sorgte für eine Schreckminute am Samstag-morgen. Franz Gerihsen vom Rundfunkchor des WDR war plötzlich erkrankt. Zum Glück hatte er nicht nur einen guten Tipp für eine Vertretung, sondern diese Vertretung, der Essener Bass-Bariton Harald Martini, ein Spezialist auch für Bach-Kantaten, konnte spontan einspringen und begeisterte sowohl das Publikum als auch Horst Berretz: „Er hat das hervorragend gemacht! Ganz ohne Probe! Wir haben uns erst eine Stunde vor dem Konzert hier getroffen.“ Vielleicht, so hofft der Chorleiter, kann man Martini auch künftig einmal in Eschweiler hören.

Zum Glück nicht erkrankt, sondern stimmlich sehr präsent war die weibliche Solistin, die Eschweiler Sopranistin Bettina Thülen, die seit vielen Jahren zu den wichtigsten Interpretinnen der Städtischen Musikgesellschaft gehört. Eindringlich gestaltete sie das „Ihr habt nun Traurigkeit“ im vierten Satz des Requiems.

„Selig“ ist das erste Wort des Requiems, und „selig“ ist auch das letzte Wort. Dazwischen liegen 75 Minuten einer Wanderung durch Trauer, Verzweiflung, Tröstlichkeit und Vertrauen. So viel Trost! So viel Seligkeit! Der in einem evangelischen Umfeld aufgewachsene Hamburger Komponist Johannes Brahms hat für sein „Deutsches Requiem“ nicht die Worte der lateinischen Trauermesse als Text genommen, sondern selbst ausgewählte Bibelzitate in deutscher Sprache. Nicht die Toten, die Lebenden stehen im Mittelpunkt dieses siebensätzigen Werks. In Text und Musik werden Trauer und Verlust ernst genommen, wird auch der Verzweiflung und dem Zweifel Raum gegeben, um sich dann vertrauensvoll der Zuversicht zuzuwenden: „Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an.“

„Selig sind, die da Leid tragen“ – der erste Satz des Requiems beginnt verhalten, gedämpft, ganz ernste Trauer und Zuwendung. Schon hier und immer wieder in diesem an Piano- und Forte-Stellen reichen Chorwerk beeindruckt Berretz mit der straffen Führung des Chors, den er mal zu fast flüsternder Andacht dämpft, dann wieder mit weit ausholenden Gesten zu lauten Jubel antreibt. Und die Sänger folgen ihm willig. Nur in der hoch komplizierten Fuge gegen Ende des dritten Satzes kommt der Chor an seine Grenzen, hier macht sich bemerkbar, dass die Männerstimmen – wie bei vielen Chören – zu dünn besetzt sind.

Immer wieder in diesen sieben Sätzen gelingen den Eschweiler Musikern und Sängern Momente überzeugender Ausdruckskraft. Der innige Schluss des vierten Satzes hätte spontanen Zwischenapplaus verdient. Den gab es dann am Ende des 6. Satzes – Chor und Orchester gestalteten das „Herr, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre“ derart triumphal, dass viele Zuhörer meinten, danach könne nichts mehr kommen.

Es kam aber doch noch das tröstliche, von Seligkeit und Zuversicht getragene „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“, mit seinen wunderbaren, der Welt fast entrückten Oboen-Passagen. Die Besucher des Konzerts erhoben sich und klatschten stehend Beifall. Mit Blumen bedankte sich die Musikgesellschaft bei Dirigent Horst Berretz, den beiden Solisten Bettina Thülen und Harald Martini und bei Dr. Brigitte Petrovitch, die als 1. Geigerin zugleich so etwas wie die Konzertmeisterin des Städtischen Orchesters ist.

Eschweiler Nachrichten, 25. November 2012

© http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/eschweiler/musikalischer-kraftakt-voller-trost-und-seligkeit-1.463150

Nb. Ausschnitte des Konzerts sind auf YouTube  zu hören:

1. Selig sind, die da Leid tragen

4. Wie lieblich sind Deine Wohnungen

6. Denn wir haben hie keine bleibende Statt

 

Eintauchen in die Musikwelt des Meisters

Städt. Musikgesellschaft Eschweiler führt  J.S. Bachs „Weihnachtsoratorium“ auf

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Eschweiler. «Jauchzet, frohlocket!»*) Die Worte des Eingangschores von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium legten sich wie ein wohltuender Klangteppich in das Kirchenschiff von St. Peter-Paul. Das zweistündige Konzert mit Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler führte in das Mysterium der Menschwerdung Gottes so ein, wie man es sich idealer kaum wünschen konnte.
Schade, dass Eschweilers Bürgerschaft das schöne Angebot ihres ältesten Musikvereins zahlenmäßig nur halbwegs befriedigend annahm. Erwies sich der 4. Advent in sonstiger direkter zeitlicher Nähe zum Heiligen Abend oft als Publikumsmagnet, so konnten sich wohl diesmal viele – in noch einwöchiger Entfernung zum Fest – nicht vom bedauerlichen Terminstress der Vorweihnachtszeit frei machen.

Ausgereifte Darbietung

Eingangschöre sind oft Seismograph für das Gelingen oder Weniger-Gelingen eines großen Konzertvorhabens, wie es die Aufführung der ersten drei Teile des Bach`schen Weihnachts-oratoriums  zweifellos darstellt. Dem Beobachter – der Musikgesellschaft seit über einem Dutzend Jahren mitspielend oder kommentierend verbunden – schwand gleich eingangs jede Sorge, dass sich die Mitwirkenden bei ihrer Aufgabe übernehmen würden.
Im Gegenteil: Musik-Eschweiler wurde Zeuge einer schönen, weil in vielem nun ausgereiften Darbietung des Klassikers «Weihnachtsoratorium». Horst Berretz musste nicht wie früher einmal sein Temperament als «Steuermann» in die Waagschale werfen, damit einige schwierige Fugati in sicheren Häfen landeten. Mit seinem großen Erfahrungsschatz – er blickt auf eine 25-jährige Tätigkeit bei der «Städtischen» zurück – und einem Blick für das Verantwortbare schlug Berretz Tempi an, die in der Mitte zwischen den Extremen «überschnell» und «zu langsam» angesiedelt waren. Der Chor dankte es ihm mit einem Gesang, der keine Wünsche hinsichtlich Artikulation und Sauberkeit offenließ.

Ihm zur Seite stand ein Orchester, das für die Zukunft Anlass zu schönen Hoffnungen gibt. Erfreulich war zum einen, dass man beim Blick durch die Streicher-Reihe neben bekannten Gesichtern und den nie ganz unvermeidlichen Profi-Aushilfen dann doch einige recht junge Kräfte wahrnahm. Und eigene erfahrene Spieler übernahmen – wie die Flötistin Anna Boese – mutig anpackend und mit schönem hörbarem Erfolg eine größere Solisten-Verantwortung.

Dr. Brigitte Petrovitsch, die im Hintergrund als Leiterin der Streicher-Stimmproben eine unverzichtbare Hilfe für Orchesterchef Horst Berretz ist, erfreute mit ihrer einfühlsamen Violine-Begleitung bei der Alt-Arie «Schließe mein Herz» von Anna Fischer. Sopranistin Bettina Thülen aus den eigenen Reihen der Musikgesellschaft betörte vor allem mit dem «Engel-Gesang» des «Fürchtet Euch nicht». Tenor Bruno Michalke und Bass Achim Hoffmann überzeugten sowohl bei der kommentierenden Erzählung des Weihnachtsgeschehens durch rezitativische Klarheit als auch bei den koloraturgeschmückten Arien. Gerhard Behrens, Kantor der benachbarten Evangelischen Kirchengemeinde, und die Cellistin Ingrid Walz teilten sich souverän und immer auf der Höhe des Geschehens den Continuo-Part. Als weitere Instrumental-Solisten – zur Unterstützung von Gesangs-Solisten wie im kammermusikalischen «Tableau» vernehmbar – verdienten sich eine gute Note: Bernhard Neuhaus (Flöte), Bernd Schulz, Anke Grotz und Sabine Schumann (Oboe), Klaus Luft, Jonas Thelen und Timo Hanf (Trompete).

Zuhörer als Sänger

Hatten würdevolle Bläserklänge («Sonata Pian e Forte» von Giovanni Gabrieli) die Kirche St. Peter und Paul eingangs mit sakraler Feierlichkeit belegt, die die Herzen für die folgenden Bachschen Klänge bereit machte, so überführte das Finale die «Jauchzet, frohlocket»-Haltung die lange gebannt lauschenden Zuhörer in aktives Mittun. Unmerklich vertauschten sich die Rollen: Beim Gemeindelied «Nun freut Euch ihr Christen» wurden die Zuhörer Haupt-Sänger, nunmehr geführt und begleitet von Chor und Orchester am Altar.

Joachim Peters

© www. az-web.de/ lokales/eschweiler  – 18.12.2011

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Fünf Stücke aus diesem Konzert  sind zu hören bei „YouTube“ unter folgenden Links:

1. „Jauchzet, frohlocket“

2. „Brich an, o schönes Morgenlicht“ 

3. „Ach mein herzliebes Jesulein“

4. “ Sinfonietta“

5.“Seid froh dieweil – Herrscher des Himmels“

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Im Jahr 2011 feierten Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler Johann Sebastian Bach:  vor Ostern mit einer fulminanten Aufführung der «Johannespassion»,   jetzt zum 4. Advent mit einer reifen Darbietung des «Weihnachtsoratoriums» (siehe Artikel oben) 

Im nächsten Jahr 2012 steht das 150-jährige Bestehen im Mittelpunkt.                                                            

Dann feiert die Musikgesellschaft zunächst einmal sich selbst. Und das mit vollem Recht: Die älteste existierende Musikvereinigung der Indestadt  wird nämlich 150 Jahre alt.  Ein Festakt am 12. Mai in der Festhalle Weisweiler trägt der Bedeutung der «Städtischen» im sozialen Leben Eschweilers Rechnung. «Wir werden befreundete Chöre in unser Jubiläumskonzert einbeziehen», so Dirigent Horst Berretz bei der Weihnachtsfeier im Kulturzentrum Talbahnhof.

Zum Programm-Ablauf dieses Festes sowie des nächstjährigen Weihnachtskonzertes ließ der musikalische Leiter noch nichts nach draußen vordringen. Traditionell geht Berretz in der Zeit der nun folgenden dreiwöchigen Probenpause «in Klausur» und tüftelt aus verschiedenen schon vorhandenen Ideen das neue Jahresprogramm mit vielen Noten in seinem stillen Kämmerlein aus.

J.S.Bach – Johannespassion in Eschweiler

Ja, große Zustimmung bei allen Akteuren der Städt. Musikgesellschaft Eschweiler, als wir uns in 2010 entschlossen, J.S.Bachs Johannespassion in 2011 aufzuführen. Nur drei Monate standen für die Einstudierung zur Verfügung. Genügend Zeit sollte man meinen!  Für Profis ganz bestimmt –  für passionierte Amateure jedoch eine nicht geringe Herausforderung. Nun sind wir froh und stolz, diese bestanden zu haben und hoffen, der musikalischen Dramatik dieses Passions-Oratoriums gerecht geworden zu sein. (KS)

Eine Geschichte voller Leid, Wut und Glauben

Der Chor und das Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler gestalteten Bachs Johannes-Passion in der Kirche St. Peter und Paul

Dankbarer Beifall nach zwei Stunden dramatischen Musik- Geschehens: Der Chor und das Orchester der Städtischen Mu­sikgesellschaft Eschweiler stellten sich am Samstag einer besonderen Herausforderung.   Die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach ist ein komplexes und schwieriges, ein auch für die Zu­hörer, wenn sie sich auf die baro­cke Vorstellungswelt ein- lassen, anstrengendes Werk. Für die Eschweiler Musiker und Sänger war es ein Wagnis – aber ein gelun­genes.

Musikalisches Wagnis

Das Leiden und Sterben Jesu Christi musikalisch darzustellen, war auch zu der Zeit, als Bach sei­ne Passionen komponierte, ein Wagnis. Zumal in Leipzig, wo ein glaubensstrenger und konservati­ver Stadtrat regierte. Und ebenso die evangelische Geistlichkeit sah es nicht gern, wenn das Wort Got­tes in allzu prächtiger musikali­scher Gestalt daherkam. Bach, der sich intensiv mit den Bibeltexten und ihrer musikalischen Umset­zung beschäftigte, begegnete die­sem puritanischen Misstrauen mit einer Musiksprache, die sich ganz dem Text anpasst und sich ihm scheinbar unterordnet.

Wenn da von Geißelung die Rede ist, hört man im Gesang des Evangelisten die einzelnen Schlä­ge. Wenn die Kriegsknechte um den Rock des Gekreuzigten wür­feln, kann man den Würfel gera­dezu rollen hören. Bach illustriert den Text der Bibel derart wörtlich –da konnte auch der sauer töpfischste Stadtrat schwerlich etwas einwenden, auch wenn ihm ein Oratorium insgeheim verdächtig war, weil es ja fast schon eine Oper und damit etwas Unterhaltendes war.

Bach war erst seit zehn Monaten Thomaskantor in Leipzig, als die Johannespassion uraufgeführt wurde, in der Karfreitagsvesper. 1724 in der Leipziger Nikolaikir­che. Sein erstes Passionsoratori­um, wenn man von einem ange­blich 1717 komponierten, aber verschollenen Werk – der „Weima­rer Passion“ –  absieht.

Im Johannes-Evangelium wird das Leiden Christi unter einem anderen Blick­winkel geschildert als in den ande­ren drei Evangelien. Jesus ist bei Johannes nicht so sehr der leiden­de, sondern der siegende Gottes­sohn. Einer, der dem römischen Stadthalter Pontius Pilatus beim Verhör auf Augenhöhe begegnet, der mit königlicher Würde seiner Bestimmung entgegen geht.

Bei Johannes – und damit auch in der Johannes-Passion – werden „die Juden“ als treibende Kraft für die Verurteilung Jesu dargestellt. Aus dieser Ansicht hat sich auch der christliche Antisemitismus lange gespeist. Heute wird das the­ologisch differenziert gesehen: nicht mit dem Volk, sondern mit der religiös-politischen Führung des römisch-besetzten Landes lag der Wanderprediger Jesus im Kon­flikt.

Zwei Passagen aus Matthäus

Den Text seines Oratoriums hat Johann Sebastian Bach nicht kom­plett dem Johannes- Evangelium entnommen. Um etwas mehr Dra­matik ins Geschehen zu bringen, hat er zwei Passagen aus Matthäus eingefügt: die Verleugnung Jesu durch Petrus und die lebhafte Schilderung des Erdbebens samt Erweckung der Toten nach Jesu Tod am Kreuz.

Die Johannes-Passion ist Musik, die nicht für den Konzertsaal, son­dern für den Gottesdienst geschaf­fen wurde. Zwischen den ersten und den zweiten Teil gehörte ur­sprünglich die Predigt. Und wirk­lich macht es einen großen und bewegenden Unterschied, ob man diese Musik von einer CD hört, mag die Einspielung auch noch so brillant und perfekt sein, oder ob man sie an dem Ort hört, wo sie vom Ursprung her hin gehört, nämlich in einer Kirche.

Bei einer solchen Aufführung, wie sie am Samstag durch Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft geboten wurde, entscheidet nicht die Perfektion, ob die Zuhörer berührt sind, ob sie von Musik, Text und Geschehen ergriffen werden. Sondern das ent­scheidet sich daran, ob es den Mu­sikern und Sängern gelingt, die Zuhörer mitzunehmen in das Ge­schehen um Verhaftung, Anklage und Verhör, um Verurteilung und Kreuzigung Jesu. Bach macht es da den Zuhörern leicht, aber den Künstlern schwer. Besonders der Chor hat Enormes zu leisten. Er muss nicht nur elf Choräle und zwei große Chorsätze singen, er treibt vor allem in 14 emotionalen sog. Turba-Chören („Turba“ aus dem Lateini­schen für Schar, Volkshaufen, Getümmel) die Handlung voran. Wutschreie  und  Verachtung, Hassausbrüche und Spottgeläch­ter – wie lange muss Chor- und Orchesterleiter Horst Berretz das mit seinem Chor geübt haben, da­mit es wirklich so glaubhaft deut­lich wurde wie am Samstag in der Kirche am Eschweiler Markt?

Berretz „hetzte“ den Chor gerade­zu voran –  in seinen Gesten sah man die geballten Fäuste der em­pörten Volksmenge – man sah den Würfel der Kriegsknechte rollen. Und dann wieder konnte Berretz den Chor ganz zurücknehmen, in eine sanfte, lyrische Stimmung, und auch das bildete sich in sei­nen Gesten ab,   wie sich dann am Schluss der Himmel öffnet, um den an Christus glaubenden Men­schen aufzunehmen.

Überzeugender Tenor

In Bachs Johannes-Passion ist die Rolle des Evangelisten sozusagen das Rückgrat. Er erzählt die Ge­schichte, und wie er sie erzählt, entscheidet darüber, ob sie in den Köpfen der Zuhörer lebendig wird. Mit dem Tenor Johannes Klüser hatte die Städtische Musikgesell­schaft einen Sänger verpflichtet, der in den Rezitativen jedes einzel­ne Wort mit Bedeutung aufladen kann, der die Passion geradezu nachlebt.  Sein erstauntes, ungläu­big fragendes „Was schlägst du mich?“ in der Verhaftungsszene oder auch das erschütternd trost­lose Weinen des Petrus nach sei­nem Verrat waren Höhepunkte der Aufführung.

Die wurde am Schluss mit Bei­fall und Blumen bedacht. Es gab glückliche Gesichter bei den Musi­kern und den Chorsängern, die sich einer ganz großen Aufgabe gestellt und sie gemeistert hatten. Ganz besonders hatte Dirigent Horst Berretz Grund zum Strah­len – nachdem er sich erst einmal den Schweiß von der Stirn ge­wischt hatte.

(c) Eschweiler Nachrichten – Montag,  11. April 2011