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Toke‘, Toke‘!

DER RUF DES GECKOS  –  Horst H. Geerken

Können Geckos rufen – wie es der Titel dieses hochinteressanten Buches unterstellt? Ja, müssen wir sagen: Der indonesischen Vertreter dieser Gattung schon, der „Tokek“ – der große Mauergecko, der abends und nachts in den Häusern und Hütten sein unüberhörbares  tiefes Toke‘ ertönen lässt  und dem viele Indonesier magische Kraft zuschreiben: Man zählt aufmerksam, wie oft sein Toke‘ zu hören ist und erfährt dann, ob einem Glück beschert sein wird. Allerdings muss das Toke‘ mindestens siebenmal – am besten aber – neunmal zu hören sein. Soll man so etwas ernst nehmen? Horst Geerken und seiner Familie hat der oft gehörte 9-malige Ruf des Geckos – sowohl privat als auch geschäftlich -18  glückliche Jahre in Indonesien gebracht.

Dabei begann seine Zeit in Jakarta als Geschäftsträger der deutschen Firma AEG –TELEFUNKEN im Jahre 1963 – die bis 1981 währen sollte,  zu einer Zeit, in der Indonesien unter seinem Präsidenten Sukarno auf ein politisch-ökonomisches Desaster zusteuerte, das 1965 mit dem Putsch-Massaker des General Suharto seinen Tiefpunkt erreichte. Horst Geerken hat diese Zeit hautnah erlebt.  Sein Buch erzählt detailreich, welch schwierige Verhältnisse des täglichen Lebens damals selbst für ein Mitglied der deutschen Geschäfts-Community  zu bewältigen waren. Aber auch welch interessante Aufgaben und Begegnungen der junge Geschäftsmann – Horst Geerken war damals gerade 30 Jahre alt – erleben konnte. Er hat im Laufe der Jahre neben vielen Persönlichkeiten  der deutschen Politik und Wirtschaft und der deutschen Botschaft in Indonesien  z.B. auch den damaligen Präsidenten Sukarno persönlich kennen und schätzen gelernt.

Was aber den besonderen Charme dieses Buches ausmacht, ist die Sympathie  für Indonesiens Menschen, ihre  Kultur und Geschichte, der des Autors engagiertes Interesse gilt. Nicht eben selbstverständlich für einen Ingenieur der Nachrichtentechnik! Über  fünfzig Seiten widmet das Buch der Geschichte des Landes, das 350 Jahre eine holländische Kolonie war und seine Unabhängigkeit letztendlich in einem fast fünfjährigen Krieg gegen Holland erkämpfen musste. Sehr gut auch die engagierte Sympathie des Autors für die Rolle Sukarnos, des ersten Präsidenten  Indonesiens, ohne den ein Indonesia Merdeka – ein freies Indonesien, wohl nicht vorstellbar wäre. Schonungslos dokumentiert der Autor auch die Grausamkeiten des kolonialen Terrorregimes als blutige Antwort auf die indonesischen Unabhängigkeitsbestrebungen seit 1945 – Fakten, von denen in Europa wenig zu lesen war und die für Holland noch immer ein sehr unpopuläres Kapitel seiner jüngsten Geschichte sind.

Ebenso aufschlussreich Geerkens Schilderung der Rolle der USA für das unabhängige Indonesien. Die anfängliche Unterstützung, dann aber die wiederholten Versuche der CIA den Präsidenten Sukarno durch Attentate zu ermorden  und  schließlich  die maßgebliche Rolle der CIA beim Putsch des General Suharto und dem Massenmord von 1965/66 an hunderttausenden Menschen – ein Trauma, unter dem auch noch das heutige Indonesien leidet.

Neben diesem wichtigen Exkurs in die Geschichte, von der man auch als kurzweiliger Indonesienbesucher ein wenig wissen sollte, sind es vor allem die kenntnisreichen, oft  sehr amüsanten Erlebnisse und Anekdoten aus dem Leben und den Erfahrungen des langjährigen „Expats“ H. Geerken, dem Indonesien – wie er bekennt – zur zweiten Heimat geworden ist.

Wer sollte sich die Lektüre gönnen? Natürlich alle, die ein wenig mehr über Indonesien erfahren wollen, als die Prospekte der Reiseveranstalter dem Touristen an die Hand geben. Für jemanden wie mich aber, der selbst neun Jahre von 1968 -1977 in Indonesien gelebt und gearbeitet hat, also auch ein paar Jahre zur selben Zeit wie der Autor,  bedarf es keiner Leseempfehlung für dieses Buch. Es ist eine lebendige – fast nostalgische Erinnerung an ein Indonesien, das es heute so fast nicht mehr gibt.  Einen herzlichen Dank an den Autor also, der sich die Mühe – aber sicher auch die Freude – gemacht hat, seine indonesischen Erfahrungen mit uns zu teilen. Terima kasih, Pak!

nb.  Das Buch ist ja schon 2009 erschienen, und ich hatte es schon 2010 gelesen.Die kleine Buchrezension hätte eigentlich schon längst verfasst sein müssen. Entstanden ist damals aber zunächst der Blog-Artikel  „Merdeka atau Mati“ über den indonesischen Unabhängigkeitskampf .  Inzwischen hatte ich aber das Buch verliehen und erst vor kurzem wieder in die Hand bekommen. Nach einer neuerlichen Lektüre war es mir eine Herzenssache, mich für das Lesevergnügen durch eine kleine Besprechung zu bedanken.

Oktober 2017 (KS)

 

 

 

 

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HILLBILLY-ELEGIE

J.D.Vance – Hillbilly-Elegie                                                                                                                                                                                            

Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise

„Das wichtigste politische Buch des Jahres 2016“  nennt die Süddeutsche Zeitung dieses Buch, das Millionen von Lesern in den USA bewegte. Obwohl der Autor das Manuskript ja schon vor den Präsidentschaftswahlen 2016 verfasst hatte, macht seine Lektüre sehr verstehbar, wie Donald Trump  mit der populistischen Parole „Make America great again!“ gewählt werden konnte. Deprimierend realistisch wird das Milieu beschrieben, dem er seinen Wahlerfolg verdankt: das Milieu der weißen Arbeiterschicht des Mittleren Westens der USA,  dem sog . „rust belt“.

„Hillbilly-Elegie“ hat J.D.Vance sein Buch genannt. Den Begriff „Elegie“ wird man etwa mit „Klagelied“ oder „Trauerrede“ übersetzen dürfen. Mit „Hillbilly“ verband sich für mich bisher eher eine bestimmte Richtung der amerikanischen Countrymusik, von der aber hier nicht die Rede sein wird, sondern mit „Hillbilly“ bezeichnete man in Amerika  etwas abwertend Leute, die  in den Appalachen-Bergen beheimatet waren, Nachkommen ulster-schottischer Siedler, die seit dem frühen 19. Jahrhundert in diese Gegend eingewandert waren. Voller Stolz hatten sie über Generationen ihre eigene Kultur bewahrt. Aber  aus armen Bergbauern und Tagelöhnern waren Mitte des 20. Jahrhunderts die recht gut verdienenden Fabrikarbeiter der Eisen- und Stahlindustrie in den Städten geworden, die aber spätestens Ende des Jahrhunderts im Zuge der Deindustrialisierung ihre Arbeitsplätze verloren und in prekäre Lebensverhältnisse abstürzten.

Der Untertitel von J.D.Vance  „Hillbilly-Elegie“ heißt:  Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise. Hillbilly-Elegie ist also das Klagelied des Hillbilly J.D.Vance, dessen persönliche Geschichte eigentlich eine Paradestory eines sozialen Aufsteigers ist, wie die USA sie so lieben. Er ist heute 32 Jahre alt, gut situierter Jurist im Finanzsektor, glücklich verheiratet und lebt in Kalifornien. Aber seine Lebensgeschichte lässt ihn nicht los. Er kann kaum begreifen, wie er dem Teufelskreis von Armut und Chaos, Hilflosigkeit und Gewalt, Drogen und Alkohol entkommen konnte, in den die Familien der Hillbillies geraten sind. Zitat: „Ich war eines dieser Kinder mit einer trostlosen Zukunft. Ich hätte mich beinahe der tiefsitzenden Wut und Verbitterung ergeben, die alle in meinem Umfeld erfasst hatte. Es ist meine wahre Lebensgeschichte  und das ist der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Die Leute sollen wissen, wie es sich anfühlt, wenn man sich fast schon selbst aufgegeben hat, und warum es tatsächlich soweit kommen konnte.“

J.D.Vance ist ein begnadeter Erzähler: Sein Buch, eine bewegend ehrliche und detailreich erzählte Geschichte, voller Sympathie für die Menschen seiner Jugend und Kindheit, voller Dankbarkeit für seine Großmutter Mamaw und Großvater Papaw, deren beharrliche Zuneigung ihn wohl in den kritischen Jahren seiner Jugend vor dem Scheitern bewahrt hat. Aber auch eine sehr schonungslose Betrachtung der Schwächen dieser „Hillbilly-Gesellschaft“, die die Schuld an ihren Lebenskatastrophen – ob privat oder politisch –  immer bei den andern sucht, sich weigert, ihre Situation ehrlich zu betrachten  und nun „Erlösung“  durch politische Scharlatane wie Donald Trump erhofft.

Für alle, die ein wenig mehr von diesem uns so unbekannten Amerika erfahren wollen, ein unbedingt empfehlenswertes Buch. Fünf Sterne! Ein herzliches Dankeschön deswegen auch an meine belesene Schwester Agi, die mir das Buch schenkte. (KS)

 

Wenn man ein Problem leugnet…

Einmal abgesehen davon, dass die Überschrift des unten zitierten Artikels aus der FAZ –  „Terrorismus und Islam hängen zusammen “ – eine Blabla-Überschrift darstellt, die das informierende Interview mit einem wirklich informierten muslimischen Gelehrten nicht verdient hat, zeigt die Reaktion im „Netz“ und den „sozialen Medien“, dass der Artikel vor allem von solchen Leuten zitiert und gelobt wird, die den Islam lieber grundsätzlich als Terror-Religion einstufen und verbieten würden

.Der tapfere Haji Staquf als Kronzeuge  dieser Leute könnte einem fast leid tun, wenn er nicht ein lebendiger Kronzeuge der gewaltigen und leider auch gewalttätigen  Auseinandersetzungen  der Gesellschaften des muslimischen Kulturkreises wäre. Der Islam ringt dort um seine weltanschaulich-religiöse Bedeutung für die moderne Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Islamischer Fundamentalismus – auch Islamismus genannt – möchte die Muslime des 21. Jahrhunderts  in eine Lebensform und Weltanschauung des 7. Jahrhunderts zurück zwingen, die sie als die gottgewollte und einzig gültige propagieren.

Kyai Staquf kommt aus Indonesien, einem Land, das bei seiner Gründung 1945, sich bewusst  eine säkuläre Verfassung gab, die das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Kulturen garantieren sollte, ringt heute auf vielen Ebenen um die Gültigkeit dieser Verfassung „Pancasila“. Kyai Staquf steht als Generalsekretär der NU (Nadlatul Ulama) und Verteidiger eines modernen Islam in  vorderster Front gegen die fundamentalistischen Strömungen in seiner Heimat. Klartext sei auch in Europa angesagt, mahnt er. Der Deckmantel der Religionsfreiheit sollte einem fundamentalistischen Islam nicht zugestanden werden. (KS)

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) – 19.08.2017  (Printausgabe)

Terrorismus und Islam hängen zusammen

Ein Interview von Marco Stahlhut  (FAZ)                                      

Wenn Bomben Terror in die Städte bringen, sind meist Muslime die Täter. Das hat seinen Grund, und der Westen muss anders damit umgehen als bislang üblich.

Kyai Haji Yahya Cholil Staquf stammt aus einer sunnitischen Gelehrtenfamilie. Er ist Generalsekretär des Obersten Rats van Nahdlatul Ulama, der größten muslimischen Vereinigung Indonesiens, das wiederum das Land mit den meisten Muslimen ist. Nahdlatul Ulama gibt ihre Mitgliederzahl mit fünfzig Millionen an und versteht sich zumindest in Teilen als moderat. Yahya Cholil Staquf gehört dem spirituell orientierten Flügel der Organisation an. F.A.Z

Im Westen gibt es viele Politiker und Intellektuelle, die sagen, dass der islamistische Terror nichts mit dem Islam zu tun habe. Was sagen Sie als führendes Mitglied der wohl größten sunnitischen Massenorganisation der Welt dazu, der indonesischen Nahdlatul Ulama?

Westliche Politiker sollten aufhören, zu behaupten, Extremismus und Terrorismus hätten nichts mit dem Islam zu tun. Es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Fundamentalismus, Terror und Grundannahmen der islamischen Orthodoxie. Solange wir darüber keinen Konsens erzielen, so lange werden wir keinen endgültigen Sieg über die fundamentalistische Gewalt im Islam erreichen. Radikalislamische Bewegungen sind doch nichts Neues. Auch in der indonesischen Geschichte gab es sie immer wieder. Ich bin selbst gläubiger Muslim. Der Westen muss aufhören, das Nachdenken über diese Fragen für islamophob zu erklären. Oder will man mich, einen islamischen Gelehrten, auch islamophob nennen?

Welche Grundannahmen des traditionellen Islams sind problematisch?

Drei Bereiche, wir nennen sie die „centers of concern“, sind besonders wichtig.               Erstens das Verhältnis von Muslimen zu Nichtmuslimen. Zweitens das Verhältnis von Muslimen zum Staat. Drittens das muslimische Verhältnis zum Recht.

Fangen wir mit dem Verhältnis von Muslimen zu Nichtmuslimen an. Was ist am traditionellen Verständnis davon problematisch?

In der klassischen Tradition ist das Verhältnis von Muslimen zu Nichtmuslimen eines von Segregation und Feindschaft. Dafür mag es Gründe gegeben haben im Mittelalter, als die islamische Orthodoxie sich konsolidiert hat, aber heutzutage ist eine solche Lehre schlicht unvernünftig. Sie macht ein friedliches Leben von Muslimen in den multikulturellen, sen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts tendenziell unmöglich.

 Das sind harte Aussagen. Kämen sie von einem westlichen Politiker, würde ihm womöglich Rassismus vorgeworfen.

Ich sage nicht, dass der Islam das Einzige ist, was die muslimischen Minderheiten im Westen dazu bringt, ein mehr oder weniger segregiertes Leben abseits der Mehrheitsgesellschaft zu leben. Es mag weitere Faktoren auf der Seite der Gastgebergesellschaft geben, Rassismus zum Beispiel, wie überall. Aber jedenfalls ist der traditionelle Islam, der eine Haltung von Segregation und Feindschaft gegen-über Nichtmuslimen fördert, ein wichtiger Grund.

Nun zum zweiten Punkt, dem traditionellen muslimischen Verhältnis zum Staat.

In der islamischen Tradition ist der Staat als universaler, einheitlicher Staat für alle Muslime konzipiert, mit einem Einzelherrscher an der Spitze, der die muslimische gegen die nichtmuslimische Welt vereinigt.

Zumindest in dieser Hinsicht ist der Ruf von radikalen Kräften wie dem IS nach einem Kalifat also nicht unislamisch?

Nein, in dieser Hinsicht entspricht der IS der Tradition. Aber wir leben in einer Welt von Nationalstaaten, und jeder Versuch, im 21. Jahrhunderts einen einheitlichen islamischen Staat zu schaffen, kann nur zu Chaos und Gewalt führen.

Der dritte Bereich problematischer Grundannahmen des traditionellen Islams betrifft das Verhältnis zum Recht.

Viele Muslime setzen voraus, dass es eine Gruppe fester, unveränderlicher islamischer Gesetze gibt, auch bekannt als Scharia. Auch das steht im Einklang mit der Tradition, aber es führt zwangsläufig zu Konflikten mit den Gesetzen von säkularen Nationalstaaten. Wir müssen dahin kommen, dass ein Verständnis, das die traditionellen Normen der islamischen Rechtslehre absolut setzt, als falsch gilt. Religiöse Werte und soziale Realität müssen zueinander passen. Und es muss glasklar sein, dass die staatlichen Gesetze Vorrang haben.

Was muss man dafür tun?

In Indonesien waren wir schon einmal so weit, dass sich eine kontextualistische Lesart dieser Grundannahmen im Islam durchgesetzt hatte. Dass indonesische Muslime also mehrheitlich der Meinung waren — ich denke, auch noch sind —, dass bestimmte im Mittelalter entstandene Grundannahmen der Tradition im Kontext ihrer Entstehungszeit verstanden werden müssen, aber bitte nicht als Handlungsanweisung für die Gegenwart. Darüber müsste möglichst weltweit ein Konsens hergestellt werden.

Wie könnte das gelingen?

Wie wir aus der Geschichte wissen, werden Fragen darüber, welche theologischen Interpretationen die richtigen sind, nicht rein theologisch entschieden. Das sind Kämpfe um Autorität, sie haben eine stark politische Dimension. In den Ländern, in denen Muslime eine Mehrheit darstellen, benutzen politische Eliten ihn als Waffe zur Durchsetzung ihrer eigenen Ziele, auch in Indonesien.

Kann man aus Ihrer Perspektive überall auf der Welt eine ähnliche Politisierung des Islams diagnostizieren?

Ich glaube nicht, dass es in europäischen Ländern wie Belgien, Großbritannien oder Dänemark weniger große Probleme in dieser Hinsicht gibt als in Indonesien. Zu viele Muslime sehen die Zivilisation, das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens, als etwas an, das bekämpft werden muss. Und ich glaube, dass viele Europäer das spüren. Es gibt doch eine immer größere Unzufriedenheit im Westen, was die dortigen muslimischen Minderheiten angeht, eine steigende Furcht vor dem Islam. In diesem Sinne sind auch einige westliche Freunde von mir islamophob. Sie haben Angst vor dem Islam. Wenn ich ehrlich bin, dann kann ich das verstehen.

Was sollte der Westen tun?                                                                                                                                                                                                                                                      Der Westen kann den Muslimen keine moderate Interpretation des Islams aufzwingen. Aber die westlichen Politiker sollten aufhören zu erzählen, dass Fundamentalismus und Gewalt nichts mit dem traditionellen Islam zu tun hätten. Das ist schlicht falsch.

Aber westliche Politiker, die so argumentieren, haben zumindest einen guten Grund dafür: Sie möchten eine Spaltung ihrer Gesellschaften in Muslime und Nichtmuslime nicht noch befördern, möchten nicht zu Rassismus gegenüber Muslimen beitragen.

Diesen Wunsch teile ich. Das ist sogar ein Hauptgrund, warum ich mich so deutlich äußere. Aber so wird das nicht funktionieren. Wenn man ein Problem leugnet, kann man es nicht lösen. Man muss das Problem benennen und sagen, wer und was dafür verantwortlich ist.

Über den Beitrag der islamischen Tradition zu den aktuellen Problemen haben wir geredet. Welche Akteure tragen darüber hinaus zur Zuspitzung der Lage in den letzten Jahren bei?

Was jetzt hinzukommt, ist, dass Saudi-Arabien und andere Golfstaaten überall in der Welt massenhaft Geld verteilen, um ihre ultrakonservative Version des Islams zu verbreiten. Der Westen muss Saudi-Arabien endlich ernsthaft unter Druck setzen, damit aufzuhören.

Was für ein Ziel verfolgen die Saudis denn aus Ihrer Perspektive?

Es sind auch politische Ziele. Saudi Arabien und Iran konkurrieren miteinander um die Vorherrschaft, geopolitisch wie religiös. Iran ist schiitisch. Deshalb ist es für Saudi-Arabien politisch hilfreich zu betonen, dass Schiiten Ungläubige wären. Aber wenn man zugleich alle Ungläubigen zum Feind erklärt, der vernichtet werden darf, bleibt es bei den Schiiten als Gegnern natürlich nicht stehen. Iran unternimmt im Übrigen etwas Ähnliches wie die Saudis, nur in der schiitischen Welt. Aber vor allem die saudische Strategie einer Verbreitung van Wahhabismus und Salafismus hat die Welt in ein Pulverfass verwandelt.

Glauben Sie, dass es noch gelingen kann, das Steuer herumzureißen?

Es hat schon bessere Zeiten gegeben (lacht traurig). Aber wir müssen es zumindest versuchen.

Ich vermute,  Sie und Ihre Organisation sind gefragte Gesprächspartner der Politik im terrorgeplagten Westen?

Wissen Sie, ich bewundere westliche, insbesondere europäische Politiker. Sie denken so wunderbar humanitär. Aber das allein reicht nicht. Wir leben in einer Zeit, in der man realistisch denken und handeln muss.

Das ist eine sehr diplomatische Antwort.

Europa hat aus seinen Fehlern in der Vergangenheit immer noch nicht gelernt. Als ich zuletzt in Brüssel war, habe ich gesehen, wie eine Gruppe arabischer, viel-leicht auch nordafrikanischer Jugendlicher Polizisten bedrängt hat. Meine belgischen Freunde haben gesagt, das sei schon fast alltäglich in Belgien. Warum lässt man das zu? Was macht das für einen Eindruck? Jetzt nimmt Europa, nimmt Deutschland massenhaft Flüchtlinge auf — verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich darf man die Augen nicht vor Not verschließen. Aber man nimmt Flüchtlinge auf, über die man nichts weiß, die am sehr problematischen Gegenden stammen. Extremisten sind nicht dumm.

Ich vermute, wir sind uns einig darin, dass es einen harten rechten Rand in westlichen Gesellschaften gibt, der auch einen moderaten, kontextualistischen Islam ablehnen würde, einfach weil es sich um eine fremde Religion handelt . . .

. . . und es gibt einen harten linksliberalen Rand im Westen, der jedes Nachdenken über die Zusammenhänge zwischen traditionellem Islam, Fundamentalismus und Gewalt als islamophob denunziert. Das muss endlich aufhören. Wie gesagt: Ein Problem, das geleugnet wird, kann nicht gelöst werden.

© FAZ  Das Gespräch führte Marco Stahlhut.

 

Denk ich an Deutschland…

Warte nicht auf bessere Zeiten! – Die Autobiographie

Dass er herrliche Lieder schreiben und singen konnte – und übrigens immer noch kann, das ist in Deutschland seit Jahrzehnten bekannt. Gefeiert und mit Applaus überschüttet auf allen Bühnen der Republik. Und das nicht nur aus Sympathie für den von der DDR-Regierung 1976 exilierten Barden.  Seine Lieder und Gedichte scheinen mir ebenso  legendär zutreffend für das Nachkriegs–Deutschland des 20. Jahrhunderts zu sein wie die Heinrich Heines für das Deutschland des 19. Jahrhunderts. Denk ich an Deutschland…

2015  hat der Liedermacher Biermann aber etwas  gemacht, von dem er  bekennt, dass er ohne den konsequenten Zuspruch seiner Frau Pamela sich nicht getraut hätte, zu schreiben: Er hat ein Prosawerk verfasst, eine Autobiographie!

Und was für ein schönes und hochinteressantes Buch da entstanden ist! Das Buch von über 500 Seiten ist der überzeugende Beleg: Biermann beherrscht auch Prosa ganz meisterlich. Schon die Kapitel-Überschriften des Inhaltsverzeichnisses machen neugierig.  Über 200 Tagebücher und  ca. 50.000 Dokumente  seiner Stasi-Akte sind im Buch verarbeitet.

In kurzen überschaubaren Kapiteln lässt Wolf Biermann „das jüdische Kommunistenkind“ (O-Ton Biermann), Jahrgang 1937, uns teilhaben an einem Leben, geprägt durch das kommunistische Elternhaus in Hamburg, das im Widerstand gegen die Nazis den Vater im KZ das Leben kostete.           „Den Kommunismus soff ich mit der Muttermilch. Karl Marxens Utopie war mein Vaterblut. Und das bewährte sich als mein Lebenselixier im Streit mit der DDR-Diktatur“. (S.523)

1953, schickte Mutter Emma den begeisterten Jungkommunisten auf ein Kader-Internat der sich im Aufbau befindlichen DDR. In ihm glühte „die revolutionäre Sehnsucht nach dem roten Paradies“. Diese Sehnsucht teilt er mit einem großen Kreis von Intellektuellen und Künstlern, die spätestens Anfang der sechziger Jahre in immer größere  Konflikte  mit der faktischen Politik der SED geraten, die sie als Verrat am Sozialismus empfinden. Sie alle werden immer enger geheimdienstlich vom  MfS überwacht und manipuliert. Wie deprimierend eng, das wird Biermann erst annähernd klar, als er in 1990-er Jahren  Zugang zu den über 50.000 Stasi- Dokumenten bekommt, die seine Person betreffen.

Neben den detailreichen  Berichten über das Leben  in der DDR dieser Jahre finden sich im Buch viele Fotos, auf denen man sehen kann, mit wie vielen unserer Generation  bekannten Künstlern und Schriftstellern Biermann  befreundet war oder Kontakt hatte. Wie populär er in diesem Kreis war, zeigte sich 1976  in der Protestresolution gegen seine Ausbürgerung, die von über hundert prominenten DDR- Künstlerkollegen unterschrieben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon sieben Jahre Publikations- und Auftrittsverbot in der DDR, sodass er  damals einem breiteren Publikum in der BRD bekannter war, als dem der DDR.  Ob der Titel des Buches „Warte nicht auf bessere Zeiten“  damals wirklich so ernst gemeint war?

Nach seiner Ausbürgerung war ihm in der damaligen Bundesrepublik  sein  tägliches Hauptthema abhanden gekommen: Widerstand gegen die SED-Diktatur im Namen des wahren Sozialismus.

Es gibt im Leben des Wolf Biermann einige durchgehende, alles durchdringende Themen. Das sind seine Familie, die Freundschaft, die Frauen und die Liebe, der Sozialismus und die erlebte Diktatur des SED-Staates.

Es ist  bewegend  zu lesen, mit welcher Zuneigung, welch engagiertem Respekt er von seiner Familie, seiner Mutter Emma, seinem Vater oder Oma Meume erzählt, von den Freunden, die ihm in so vielen schwierigen Zeiten die Treue gehalten haben. Aber auch von  jenen, die seiner Freundschaft wohl nicht wert waren.

Es ist sympathisch, wie er von den Frauen erzählt, die er geliebt und die ihn geliebt haben und die ihm zehn Kinder geschenkt haben. Kein böses Wort über die sicherlich nicht einfachen Beziehungskrisen. Allen bewahrt diese Biographie ein sympathisches Andenken.

Leidenschaftlich betrachtet er seine eigene Entwicklung, sein Verhältnis zu seinen sozialistisch- kommunistischen Idealen, die ihm im Laufe seines späteren Lebens immer kritikwürdiger erscheinen, eine Auseinandersetzung, die ihm laut eigenem Bekenntnis die größte Kraftanstrengung seines Lebens abverlangte: „Ich verbrauchte meine Kräfte nicht für den Streit mit den falschen Genossen, sondern für den Bruch mit der Illusion Kommunismus.“…  er habe „begriffen, wie hochmütig mein Spott auf die bürgerliche Demokratie war, … das am wenigsten Unmenschliche, was wir Menschen als Gesellschaftsmodell bisher…ausprobiert haben.“

Fazit

Großer Applaus für Wolf Biermann. Abgesehen von der bestechenden Sprachfertigkeit des Autors, die schon alleine eine Lektüre rechtfertigte, verdient dieses Buch eine unbedingte Leseempfehlung für deutsche Zeitgenossen, die die geschilderte Lebenszeit  Biermanns in etwa teilen können. Ehemalige DDR-Bürger werden viel von ihrer damaligen Lebenssituation  wiedererkennen und den Konflikt mit ihren eigenen Lebenserwartungen wiederfinden. Für Leute wie mich, die unter ganz anderer politischer Sozialisation in der BRD groß wurden, und mit der realen Situation der DDR nicht vertraut waren, sind die vielen geschilderten Details des täglichen DDR-Lebens äußerst interessant, auch wenn das Leben der Künstlerszene sicherlich nicht die Normalität des DDR-Alltags war.

Fünf Sterne also für dieses Buch und Dank an  Mechtild und Werner, die mir dieses Buch geschenkt haben. (KS)

PS. Am Ende des Buches findet sich ein Gedicht, das wohl recht viel vom Leben des Wolf Biermann verdichtet mit dem Titel :

Heimweh

Die heile Heimat Utopie hab ich verloren   /  Dafür und ganz kaputt die halbe Welt gewonnen  / Als Kommunistenketzer ward ich neu  geboren / Als Mann erst ist mein Kinderglaube mir zerronnen.

Hab manchmal Heimweh noch nach diesem blöden Hoffen / Statt Mensch wär ich viel lieber Marxens Zwergriese / Die alte Sehnsucht macht mich manchmal noch besoffen  / Spür nächtens den Phantomschmerz aus dem Paradiese.

Dies Höllen-Heimweh trieb mich weg vom Vaterlande  /     Ins Land der Troubadours, wo Wein wächst wie die Lieder / Es trieb mich auch ins Land der Väter, fern am Rande  /   traf dort drei Tausend Jahre alte Freunde wieder.

Allein in meinem kurzen Menschenleben fraß ich /  Zwei Diktaturen, schluckte mehrere Epochen   /Die echten Kriege, falschen Frieden – nichts vergaß ich  /    Hab oft nach Angstschweiß wie nach Heldentum gerochen.

Schlief tief im feinen Duft aus deinen Lebenssäften  /    Mein Weib, du bist Utopia für mich geblieben   /   Ich könnt nicht singen, auch nicht schrein nach Kräften  /     Schon gar nicht schweigen ohne unser blindes Lieben.

Wolf Biermann

 

Die ausgebliebene „Friedensdividende“ und andere bittere Erkenntnisse

Heribert Münkler: DIE NEUEN KRIEGE

1990: Welch überschwängliche Hoffnungen hatte sich  die westliche Welt mit der Auflösung des Warschauer Paktes gemacht: Die Supermächte USA und Russlands Sowjetunion hatten sich geeinigt. Der eiserne Vorhang war obsolet. Ende der gegenseitigen nuklearen Bedrohung. Ende des monströsen Aufrüstens, Ende der ruinösen Rüstungsausgaben. Der große Weltkrieg war nicht mehr auf der Agenda.  Kriege schienen nicht mehr realistisch. Vom „Ende der Geschichte“ war die Rede. (F. Fukuyama)

Das war natürlich reichlich blauäugig, aber typisch für die eurozentristische Betrachtung der Welt. Dass zum gleichen Zeitpunkt  auf dem Balkan, im Vorderen Orient und in Afrika  sich katastrophale Auseinander-setzungen ankündigten bzw. Kriege schon blutiger Alltag waren, das wollte man in der neuen Friedensseligkeit nicht wirklich wahrhaben.

Inzwischen ist die Welt weiter denn je davon entfernt,  ein Ort des Friedens zu sein, von  einer damals erhofften „Friedensdividende“ ganz zu schweigen. 50 Millionen Flüchtlinge auf der Welt sind das traurige Ergebnis der neuen Kriege. Dass für die internationale Waffenindustrie ein Friede keine erfreuliche Alternative sei, hätte man allerdings schon damals wissen können. Dass es allerdings der Politik des Westens unter der Führung der USA gelungen ist, die alte Gegnerschaft mit Russland neu zu provozieren, das ist ein politischer Skandal, auch wenn man derzeit sehr bemüht ist, militärisch nicht direkt aneinander zu geraten. Der klassische Staatenkrieg scheint ein historisches Auslaufmodell zu sein. Große Kriege scheinen keine erfolgreichen Siege mehr zu versprechen.

Was ist an ihre Stelle getreten? Was ist charakteristisch für diese neuen Kriege? Heribert Münkler hat sich umgesehen und sein Buch fasst zusammen, was man heute dazu sagen kann und wissen sollte.

„Anstelle der Staaten und ihrer Streitkräfte als kriegführende Parteien treten immer häufiger parastaatliche, teilweise sogar private Akteure -von lokalen Warlords und Guerillagruppen über weltweit operierende Söldnerfirmen bis zu internationalen Terrornetzwerken -, für die der Krieg zu einem dauerhaften Betätigungsfeld geworden ist.  Nicht alle, aber doch viele von ihnen sind Kriegsunternehmer, die den Krieg auf eigene Rechnung führen und sich die benötigten Einnahmen auf unterschiedliche Art und Weise verschaffen.“ (S.7)

Der Krieg als Geschäft, dessen Ende gar nicht wünschenswert erscheint. Will man diese Kriege verstehen, so muss man ihre wirtschaftlichen Grundlagen in den Blick nehmen. Ohne Rentabilität der Gewalt keine Privatisierung des Krieges.

Im Hinblick auf die religiösen – aktuell die islamistischen – Aspekte der Auseinandersetzungen ist Münklers Verweis und Analyse  auf  die Konstellationen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) äußerst aufschlussreich.

Die damalige Gemengelage weist viele Parallelen zur heutigen Situation auf und erklärt, warum man nicht auf ein schnelles Ende dieser neuen Kriege hoffen sollte. Religiöse Motive spielten übrigens auch damals nicht die Rolle, die ihnen pauschal gerne unterstellt wird.

Sehr aufschlussreich Münklers Beschäftigung mit Themen wie „Kindersoldaten“ , „Massenvergewaltigungen von Frauen“ als taktisches Mittel zur sog. ethnischen Säuberung, „Verwüstung von Landschaften“, „Flüchtlingscamps als Versorgungs-Ressource“, „Terrorismus als Kommunikationswaffe“.

Man versteht, warum auch eine militärische Supermacht wie die USA mit all ihrer Hightech-Bewaffnung so hilflos erscheint im Hinblick auf die neuen Formen der „asymmetrischen Kriege“. Die Instrumentalisierung kultureller und religiöser Feindschaften für eigene Interessen haben eine desaströse Situation im Nahen Osten entstehen lassen, deren Lösung  überhaupt nicht absehbar erscheint.

Auch wenn uns Münkler keine  zu großen Hoffnungen auf eine friedliche Zukunft machen kann, sein Buch ist überaus lesenswert und ein „must read“ für alle, die sich zu diesem Thema äußern wollen. Fünf Sterne.     (KS 30-05-2017)

 

Ein fatales Gerichtsurteil in Jakarta

Es ist passiert, was zu befürchten war: Nicht nur, dass der politische Wendehals Anies Baswedan vor zwei Wochen zum Gouverneur von Jakarta gewählt wurde, sondern dass das Gericht von Nord-Jakarta am Dienstag den bisherigen Gouverneur Tjahaya Basuki Purnama, kurz: „Ahok“ genannt, tatsächlich zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe wegen öffentlicher Beleidigung/Verächtlichmachung des Islam verurteilt hat.

Was war vorgefallen? Ahok, bekennender evangelischer Christ, hatte während des Wahlkampfs zur Gouverneurswahl bei einem Besuch in einem Fischerdorf  auf die Kampagne seiner Gegner reagiert, die verkündeten, der Koran verbiete es  Muslimen, sich von einem Nicht-Moslem regieren zu lassen. Ahok sagte den Leuten, sie sollten sich bei dieser Wahl nicht von  muslimischen Propagandisten manipulieren lassen, die  den Koran für ihre politischen Zwecke missbrauchten. Dieses Statement verdrehte man zu den Vorwurf, Ahok hätte den Koran und seine Gläubigen verunglimpft. Ein Unding! Aber Ahoks Gegner – man darf ruhig „Feinde“ sagen – setzten dieses Strafverfahren durch.

Man muss den Verdacht haben, dass ein indonesisches Gericht hier dem Druck der Straße radikaler Moslems nachgegeben hat. Der Richter ging mit seinem Strafmaß dazu noch über den Strafantrag der Staatsanwalts von einem Jahr Gefängnis hinaus. Das Urteil ist eine Farce und ein katastrophaler Indikator für die politische Situation in Indonesien 2017. Und man  sollte wissen, dass der neue Gouverneur Baswedan im Wahlkampf just mit den Leuten von der radikal-muslimischen FPI paktiert hat, die diesen Prozess angestrengt und durchgesetzt hatten.

Das Urteil gegen Ahok ist noch nicht rechtskräftig, aber er wurde sofort nach der Urteilsverkündung wie ein Schwerverbrecher abgeführt und muss wohl vom Gefängnis aus seinen Einspruch gegen das Urteil betreiben. Traurig, und besorgniserregend.

Mehr zu den Hintergründen im Artikel von Christina Schott, der hiermit empfohlen sei.

Gouverneurswahl in Indonesien

Stimmungsmesser für Toleranz und Pluralismus

Indonesiens Hauptstadt Jakarta wird künftig wieder von einem Muslim regiert: Bei der Stichwahl um das Gouverneursamt unterlag der bisherige christliche Amtsinhaber seinem muslimischen Herausforderer Anies Baswedan. Für viele war die Wahl ein Testfall für den indonesischen Pluralismus. Aus Jakarta informiert Christina Schott

„Ich wusste ehrlich nicht, wen ich noch wählen sollte“, sagt Ivana Lee. Die 32-jährige Lehrerin ist unentschlossen, wer ihr Wunschkandidat für den Posten des Gouverneurs von Jakarta ist. „Der eine Kandidat lässt sich von den Islamisten unterstützen. Der andere vertreibt die Armen aus ihren Häusern. Deswegen bin ich heute zu Hause geblieben.“ Gewählt hat sie nicht.

Lee hat sich jahrelang im Gemeindezentrum „Ciliwung Merdeka“ im Armenviertel Bukit Duri engagiert, das sich am Ufer des völlig vermüllten Flusses Ciliwung drängt. Gleichzeitig mit den Behausungen von 440 Familien musste das zweistöckige Haus im vergangenen August einem massiven Betonwall weichen. Mit solchen Flussbegradigungen will Jakartas amtierender Gouverneur Basuki Tjahaja Purnama, genannt Ahok, die notorischen Überschwemmungen in Indonesiens Hauptstadt eindämmen. Dabei hat er sich bei den unteren Schichten der Bevölkerung nicht gerade beliebt gemacht. „Viele Leute hier haben bis heute keine der versprochenen Ersatzwohnungen erhalten. Sie haben daher Ahoks Gegner gewählt“, sagt sie.

Ahoks Gegner heißt Anies Baswedan. Und er wird sein Nachfolger werden: Rund 55 Prozent der Bewohner von Jakarta haben den ehemaligen Bildungsminister zu ihrem neuen Gouverneur gewählt.

Im Wahlkampf allerdings spielten die Vertreibungen aus Armenvierteln nur eine untergeordnete Rolle, genauso wie die durchaus beachtlichen Erfolge des amtierenden Gouverneurs, der hart gegen korrupte Beamte vorging, wichtige Infrastrukturprojekte anstieß und den Zugang zu Bildungs- und Gesundheitswesen verbesserte.

Herkunft und Glaube als entscheidende Faktoren

Stattdessen ging es vor allem um Ahoks Glauben und seine Herkunft: Ein Christ, der noch dazu der unbeliebten chinesischen Minderheit angehört, könne unmöglich die Hauptstadt des Landes mit der weltgrößten muslimischen Bevölkerung führen, so die einhellige Meinung islamischer Massenorganisationen.

„Diese Wahl ist ein Testfall für den indonesischen Pluralismus, ob wir dem Druck der religiösen Gruppen und Populisten widerstehen können“, sagte Wimar Witoelar, ein angesehener politischer Analyst und Berater des früheren Präsidenten Abdurrahman Wahid vor der Wahl: „Indonesien steht an einem Wendepunkt. Und ich meine Indonesien, nicht nur Jakarta.“

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DIE NEUEN DEUTSCHEN

Ein gescheites und notwendiges Buch

DIE NEUEN DEUTSCHEN  von  Herfried und Marina Münkler

Es ist ein gescheites Buch. Nicht etwa, weil seine Autoren beide Universitätsprofessoren sind  – deren Sprachgewohnheiten  sind für den nicht akademisch geschulten Leser manchmal eher hinderlich, sondern weil die Themenausarbeitung historisch und soziologisch weit genug greift, um die Problemlage fundiert zu beleuchten. Und es ist ein notwendiges Buch. Weil sich Deutschland in diesen Jahren – und mit ihm auch Europa – in einer  historischen Zeitenwende befindet, die in der jüngsten Flüchtlings- und Migrationswelle ihren unübersehbaren Ausdruck fand und findet, und dadurch eine heftige Debatte um die nationale Identität entfacht hat, die eine tiefe Spaltung  im gesellschaftlichen Bewusstsein Deutschlands offen legte. „Deutschland, einig Vaterland?“  Von wegen!

Diese Spaltung ist auch in der Reaktion auf dieses Buch festzustellen.  Einerseits eine hohe Zustimmung  und andererseits eine fast ebenso große demonstrative Ablehnung – Beleidigungen inklusive. Die Autoren müssen sich gefallen lassen, als gekaufte Propagandisten der Merkelschen-Flüchtlingspolitik beschimpft zu werden, die ihr wissenschaftliches Renommee an den linksliberalen Mainstream verraten hätten, usw.

Einmal abgesehen davon, dass dieses Buch keine wissenschaftliche Dissertation sein wollte, haben die  Autoren ihren Befund durch eine fast 40-seitige Liste von Anmerkungen und Literaturhinweisen abgestützt. Aber sie wollten ja ein Buch schreiben, das über den universitären Zirkel hinaus, einer  breiten deutschen Öffentlichkeit die wichtigen Überlegungen zur Flüchtlings- und Einwanderungsproblematik deutlich machen sollte. Das Buch hat ein Anliegen und einen sozial-historischen  Standpunkt: Das Deutschland der nahen Zukunft wird nicht mehr dasselbe sein, das es einmal war und schon gar nicht  mehr ist, sondern Deutschland muss sich positiv gestaltend mit der Einwanderungsproblematik auseinandersetzen. Das ist das Gebot der Stunde.

Und die Frage, wer Deutscher ist, entscheidet die gültige Verfassung dieser Republik und nicht irgendwelche Überlegungen zu einer angeblich „deutschen Leitkultur“ oder das „Erbe des christlichen Abendlandes“, über das sich nicht einmal die „alten Deutschen“ aus Hamburg, Berlin und Oberbayern einigen können, geschweige denn AfD, Pegida und die CSU.

Wer sind aber nach Münkler die „alten und die neuen Deutschen“?                                          „Die alten Deutschen sind jene, die an der ethnischen Geschlossenheit des Volkes hängen und sich nichts anderes für die Zukunft vorstellen können. Die neuen Deutschen sind in diesem Fall nicht die Neuankömmlinge, die sich ja überhaupt noch nicht entscheiden müssen, ob sie überhaupt Deutsche werden wollen, sondern jene, die auf ein weltoffenes und nicht mehr ausschließlich ethnisch definiertes Deutschland setzen.“ (Zitat S.13)

Dass Einwanderung und Flüchtlingsaufnahme immer mit Problemen verbunden war, zeigt Münklers exzellenter Exkurs in die Geschichte Deutschlands und Europas. Er zeigt aber auch, dass diese Migrations- und Flüchtlingsgeschichte häufig auch die Chance für einen Neuanfang, sowie einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg war.

Es täte den „alten Deutschen“ sehr gut, diese Kapitel recht andächtig zu lesen, wenn ihnen an Deutschlands Zukunft wirklich gelegen ist, was bei einigen rechten Gruppierungen in der Tat zu bezweifeln ist. Beim ihrem konsequenten Rückzug auf das Gestern landen sie zwangsläufig bei rassisch-völkischen Vorstellungen der Nazis oder auch bei Preußens Gloria.  Sind das etwa die Blaupausen für ein Deutschland im 21. Jahrhundert?

Ja, es geht um Deutschlands Zukunft, wie der Untertitel des Buches betont. Münklers Buch geht sehr kenntnisreich mit den Stichworten um wie  „Überalterung der deutschen Bevölkerung“, „Zuwanderungsbedarf“  „Migranten-Integration“, „Multikulti“, „Europa“, „Flüchtling“, „Einwanderer“, „Islam und Islamismus“, „Parallelgesellschaften“, „Asylrecht“, „Migranten-Kriminalität“,  „Gastrecht“, „Fremdsein und Heimat“ usw und formuliert konkrete Vorschläge, wie Staat und Zivil-gesellschaft auf die neuen Herausforderungen reagieren sollten. Er lässt aber keinen Zweifel daran, dass es notwendig ist, diese Krise positiv wahr zu nehmen und als Chance für Deutschland und Europa zu begreifen.

Ob allerdings die veränderungsunwilligen „alten Deutschen“ mit dem Beispiel der „Pascalschen Wette“ zu einer positiveren Verhaltensweise motiviert werden können, ist ebenso zweifelhaft wie der Erfolg besagter Wette, einen agnostischen Gottesleugner zum Gottesglauben zu bewegen.   „Das Herz hat seine Gründe, von denen der Verstand nichts weiß.“ Auch das ein  Zitat  Blaise Pascals, dessen Wahrheit uns lehrt, wie wichtig es ist, dem Herzen die Gründe des Verstandes „ans Herz“ zu legen, wenn es um wichtige Entscheidungen geht.

Auch wenn ich also die oben zitierte „Pascalsche Wette“ als Bucheinleitung für eher fragwürdig halte, so sei das Buch trotzdem einer eingehenden Lektüre empfohlen.             (KS -2017)

Nb. Dank an meine Schwester Hildegard, der ich so viele gute Lektüre verdanke.

 

DAS JAHR DES GOCKELS

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Die guten Wünsche für uns von Peter Rosegger in meinem letzten Blogeintrag scheinen sich schwer zu tun im neuen Jahr 2017. Mit mehr Friede und mehr Wahrheit scheint es nicht gut bestellt zu sein, wenn es wahr ist, was wir in diesen Tagen lesen und sehen mussten, besonders aus den USA.

Auch intensives Augenreiben und Kopfschütteln hilft nicht weiter: Amerikas Wähler haben mit Donald Trump einen Präsidenten gewählt, der sich offensichtlich in der Rolle des Polit-Terminators gefällt, um aller Welt zu beweisen, was er für ein toller Kerl ist. Und das alles vor dem Banner mit Stars und Stripes als effektiver Kulisse. Der amerikanische Präsident als Hauptdarsteller in einer täglichen Live-Show, die belegen soll, wie er „America great again“ macht. Wie das mit Drohungen, Mauerbauplänen, Einreiseverboten usw. gelingen soll, bleibt unerfindlich. Was wir bis jetzt beobachten konnten, sind vor allem Signale eines nationalen Egoismus, der sich im Slogan „America  first!“ dokumentiert, mit dem Mr. Trump sich zum Sprecher des „weißen“ Yankee-Amerika gemacht hat, das immer noch glaubt, es verkörpere das eigentliche Amerika, das in den vergangenen Jahren von der anderen  (besonders der farbigen) Hälfte der Amerikaner und der übrigen Welt um seine Zukunft betrogen worden sei –  so die Wahlkampfreden des Mr. Trump.

Es gehört zu den tragischen Tatsachen demokratischer Wahlentscheidungen, dass dieser Präsident mit den Stimmen jener Wähler an die Macht gekommen ist, die von den Auswirkungen globaler ökonomischer Veränderungen besonders hart getroffen wurden: Leute, die an die Gerechtigkeit kapitalistischer Wirtschaftsfreiheit glaubten, denen man weisgemacht hat, dass die Obama-Regierung mit ihren sozialen Projekten sie verraten habe, und nun nach einem Staat rufen, der ihnen aus dieser Situation helfen soll. Der Mann, den sie groteskerweise dafür wählten, ist ausgerechnet ein Milliardär, der mit seinem Reichtum prahlt, nicht bereit ist, seine Steuererklärung öffentlich zu machen und sich dabei brüstet, in diesen USA kaum bis gar keine Steuern entrichtet zu haben, weil die unzureichenden Steuergesetze dieses Landes es ja ermöglicht hätten. Das ist zynisch, wenn es nicht besser mit tragisch zu bezeichnen wäre, angesichts der Hoffnungen, den seine arg gebeutelte Wählerklientel in ihn gesetzt hat.

Chinesen feiern in diesen Tagen seit dem 28. Januar nach ihrem Mond-Kalender das chinesische neue Jahr. Nach ihrem Horoskop steht nach dem Jahr des Affen 2016 dieses Jahr 2017 nun im Zeichen des Hahns, und zwar des Feuer-Hahns. Die astrologische Charakteristik des Hahns prägt also die Situation des ganzen Jahres. Ich gebe  zu, es ist ein wenig süffisant und stirngerunzelt,  die Erläuterungen der chinesischen Sterndeuter für dieses Jahr besonders auf die Situation in den USA zu applizieren. Denn nach chinesischer Astrologie gilt das für die Situation der ganzen Welt. Aber man wird zugeben, es passt doch sehr auf die Szene der USA 2017.  Was ist da über das Jahr des Hahns 2017 zu lesen? Es sei ein Jahr der spannenden Projekte, die nicht immer erfolgreich sein würden. Schlimmes sei nicht ausgeschlossen. Denn..

„Hähne neigen dazu, sich gerne auf besonders große (und viele) Projekte einzulassen. In ihrer Eitelkeit möchten sie dann nicht wahrhaben, dass selbst ihre unbestreitbaren Fähigkeiten einmal an ihre Grenzen stoßen. Ob im Privatleben oder auf der großen gesellschaftlichen und politischen Bühne: In diesem Jahr kann es immer wieder zu Konflikten kommen. Diplomatie gehört einfach nicht zu den Stärken des Hahns.“

Na dann, Rest der Welt,  mach dich auf etwas gefasst…. Es sei aber angemerkt, dass Donald Trump laut seinem Geburtsdatum vom 14. Juni 1946 nach chinesischem Horoskop im einem Jahr des Hundes geboren wurde, persönlich also die Chakteristika des Hundes auf ihn zutreffen würden. Neben all dem Positiven, das Hunden  so eigen ist, gibt es aber bei ihnen ja auch Exemplare, die nur bellen und nur Ärger  machen. Ganz ähnlich, wie es unter den stolzen Hähnen ja nicht nur für Hühner und  Küken notwendige Exemplare gibt, sondern auch solche, die sich ohne sozialen Nutzen vor allem besonders gockelhaft in Szene zu setzen wissen. Amerika im Jahr des Gockels? God  bless America! (KS)

 

NEUJAHRSWÜNSCHE 2017

Allen meinen Lesern ein gutes Jahr 2017 und Dank für ihr Interesse !

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Festliches Abschiedskonzert

Die Liebe zur Musik prägt sein Leben

Horst Berretz verabschiedet sich mit einem grandiosen Weihnachtskonzert von Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler

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Eschweiler, 17.12.2016 – Samstagabend, 19.15 Uhr:

Fulminant unterstützt von den Instrumentalisten des Orches­ters lassen die Sängerinnen und Sänger des Chors der Städtischen Musikgesellschaft die ersten quasi in Stein gemeißelten Worte des monumentalen „Weihnachtsoratoriums“ von Johann Sebastian Bach erdröhnen: „Jauchzet, froh­locket auf, preiset die Tage, rüh­met, was heute der Höchste ge­tan!“

Rund 90 Minuten später jauch­zen und frohlocken auch die zahl­reichen Konzertbesucher in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Peter und Paul aufgrund des Hörgenus­ses, der ihnen zuvor beschert wurde. In die Freude, die die Lieb­haber klassischer Musik durch stehend dargebrachte Ovationen zum Ausdruck bringen, mischt sich neben ehrlicher Anerkennung allerdings auch mehr als ein klein wenig Wehmut. Denn mit dem Weihnachtskonzert 2016 geht für die Städtische Musikgesellschaft eine jahrzehntelange Ära zu Ende:

Das „Weihnachtsoratorium“ stellte für Horst Berretz, der als Lei­ter des erfolgreichen Ensembles dessen Geschicke mehr als 30 Jahre lang entscheidend prägte, das letzte Dirigat seiner Karriere dar. Somit schließt sich ein Kreis, der am 21. Dezember 1985 mit der Prä­sentation eines anderen Meilen­steins der Musikgeschichte seinen Anfang nahm: der Aufführung des „Messias“ von Georg Friedrich Händel.

Bereits vor Beginn des Konzerts strömte eine ganz und gar außergewöhnliche Stimmung und Atmo­sphäre durch das Gotteshaus, des­sen Bänke sich stetig füllten. Er­wartungsvoll lauschten die Besucher zunächst der „Sonata Pian e Porte“ von Giovanni Gabrieli, die mit ihrer wahrhaft ruhig und klar fließenden Melodie vielleicht auch ein wenig die bei allen Protagonisten spürbare Spannung löste. Und auch Horst Berretz trug sei­nen Teil dazu bei, als er vor Beginn des Oratoriums eine kurze Pause von einer knappen Minute ankün­digte: „Eine Brille fehlt“, so die ein­leuchtende Begründung.

Mit Pauken und Trompeten   

Sekunden später erklangen mit Pauken und Trompeten die ersten Takte von Bachs sechsteiligem Meisterwerk, dessen Uraufführun­gen während sechs Gottesdiensten zwischen dem Ersten Weihnachts­tag 1734 und dem Epiphaniasfest (6. Januar) 1735 durch den Leipzi­ger Thomanerchor erfolgten, und dessen erste drei Teile die Städti­sche Musikgesellschaft präsen­tierte.   Hochkonzentriert und kraftvoll sowie feinfühlig und nu­anciert nahmen sich Chor und Or­chester der herausfordernden Auf­gabe an.

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Beeindruckend als Evangelist: Tenor Raimund Fürst verkündete die Weih­nachtsgeschichte nach Lukas mit Nachdruck. Mitreißend: Anna Fischer (Alt) interpretierte die Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“ ausdrucksstark

Prachtvoll glückte das Zusam­menspiel mit den hervorragenden Solisten, die den Konzertabend ebenso prägten: Anna Fischer (Alt) interpretierte unter anderem die Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtli­chen Trieben“ ausdrucksstark, die in Aachen geborene Sopranistin Maria Regina Heyne harmonierte wunderbar mit Bariton Erik Schmidt, als im Duett „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen tröstet uns und macht uns frei“ erklang und Tenor Raimund Fürst brillierte als Erzähler, der den Zuhörern die Weihnachtsgeschichte nach Lukas näher brachte. Mit dem Choral „Herrscher des Himmels“ fand der dritte Teil des Oratoriums einen bewegenden Abschluss. Einem kurzen Moment der Stille folgte zunächst andächtiger, dann immer lautstärker werdender Ap­plaus.

Würdige Worte des Dankes sprach die stellvertretende Bürger­meisterin Helen Weidenhaupt, die als Vorsitzende des Kulturaus­schusses auch als Präsidentin der‘ Städtischen   Musikgesellschaft agiert: „Die Liebe zur Musik prägt Ihr Leben. Sie besitzen die Fähig­keit, auch andere Menschen für Musik zu begeistern. Mehr als drei Jahrzehnte lang ist es Ihnen gelun­gen, diese Begeisterung in die Musikgesellschaft hineinzutragen.“

„Auf eigenen Wunsch legen nun ihr Amt als Leiter des Orchesters und des Chors nieder. Sie hinterlassen große Fußstapfen“, sprach sie Horst Berretz direkt an, der auch von „seinen“ Musikern stürmischen Applaus erhielt, Petra Seeger, Leiterin des Amts für Schu­len, Sport und Kultur, überreichte ein Präsent, bevor noch einmal ein äußerst emotionaler Augenblick einen in Erinnerung bleibenden Konzertabend krönte.

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Helen Weidenhaupt dankte als stellvertretende Bürger­meisterin und Präsidentin der Musikgesellschaft dem scheidenden Leiter Horst Berretz im Namen der Stadt für sein Jahrzehnte langes Engagement.

Voll positiver Energie

Orchester und Chor der Musikgesellschaft ließen das Weih­nachtslied „Nun freut euch ihr , Christen“ erklingen und luden das Publikum traditionell zum Mitsin­gen ein. Voll positiver Energie schritten die Konzertbesucher an­schließend in den Abend hinaus. Und immer wieder war zu hören: ,„Wie hat es dir gefallen? Es war wunderschön!“

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 © Andreas RöchterEschweiler Nachrichten/Volkszeitung – 18.12.2016 ´

ps. Wir Mitglieder von Chor und Orchester verabschiedeten uns in einer anschließenden Feier im Restaurant „Talbahnhof“ in Eschweiler  gebührend von unserem langjährigen „Maestro“, der uns über so lange Jahre hinweg ohne  jede „Maestro- Attitüde“ immer wieder zu musikalischen Höhepunkten führte. Die Vorsitzenden von Chor und Orchester Doris Sommer und Thomas Graff  überbrachten den Dank der Mitglieder  und wünschten dem scheidenden  Dirigenten mehr Zeit und Muße für  Familie und sich selbst. Vielen Dank, Herr Berretz! 

Ab dem kommenden Jahr wird Herr Jeremy Hulin die musikalische Leitung der  Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler übernehmen. Wir freuen uns auf kommende Herausforderungen  unter neuer Führung. Viva la Musica! (KS)