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HILLBILLY-ELEGIE

J.D.Vance – Hillbilly-Elegie                                                                                                                                                                                            

Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise

„Das wichtigste politische Buch des Jahres 2016“  nennt die Süddeutsche Zeitung dieses Buch, das Millionen von Lesern in den USA bewegte. Obwohl der Autor das Manuskript ja schon vor den Präsidentschaftswahlen 2016 verfasst hatte, macht seine Lektüre sehr verstehbar, wie Donald Trump  mit der populistischen Parole „Make America great again!“ gewählt werden konnte. Deprimierend realistisch wird das Milieu beschrieben, dem er seinen Wahlerfolg verdankt: das Milieu der weißen Arbeiterschicht des Mittleren Westens der USA,  dem sog . „rust belt“.

„Hillbilly-Elegie“ hat J.D.Vance sein Buch genannt. Den Begriff „Elegie“ wird man etwa mit „Klagelied“ oder „Trauerrede“ übersetzen dürfen. Mit „Hillbilly“ verband sich für mich bisher eher eine bestimmte Richtung der amerikanischen Countrymusik, von der aber hier nicht die Rede sein wird, sondern mit „Hillbilly“ bezeichnete man in Amerika  etwas abwertend Leute, die  in den Appalachen-Bergen beheimatet waren, Nachkommen ulster-schottischer Siedler, die seit dem frühen 19. Jahrhundert in diese Gegend eingewandert waren. Voller Stolz hatten sie über Generationen ihre eigene Kultur bewahrt. Aber  aus armen Bergbauern und Tagelöhnern waren Mitte des 20. Jahrhunderts die recht gut verdienenden Fabrikarbeiter der Eisen- und Stahlindustrie in den Städten geworden, die aber spätestens Ende des Jahrhunderts im Zuge der Deindustrialisierung ihre Arbeitsplätze verloren und in prekäre Lebensverhältnisse abstürzten.

Der Untertitel von J.D.Vance  „Hillbilly-Elegie“ heißt:  Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise. Hillbilly-Elegie ist also das Klagelied des Hillbilly J.D.Vance, dessen persönliche Geschichte eigentlich eine Paradestory eines sozialen Aufsteigers ist, wie die USA sie so lieben. Er ist heute 32 Jahre alt, gut situierter Jurist im Finanzsektor, glücklich verheiratet und lebt in Kalifornien. Aber seine Lebensgeschichte lässt ihn nicht los. Er kann kaum begreifen, wie er dem Teufelskreis von Armut und Chaos, Hilflosigkeit und Gewalt, Drogen und Alkohol entkommen konnte, in den die Familien der Hillbillies geraten sind. Zitat: „Ich war eines dieser Kinder mit einer trostlosen Zukunft. Ich hätte mich beinahe der tiefsitzenden Wut und Verbitterung ergeben, die alle in meinem Umfeld erfasst hatte. Es ist meine wahre Lebensgeschichte  und das ist der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Die Leute sollen wissen, wie es sich anfühlt, wenn man sich fast schon selbst aufgegeben hat, und warum es tatsächlich soweit kommen konnte.“

J.D.Vance ist ein begnadeter Erzähler: Sein Buch, eine bewegend ehrliche und detailreich erzählte Geschichte, voller Sympathie für die Menschen seiner Jugend und Kindheit, voller Dankbarkeit für seine Großmutter Mamaw und Großvater Papaw, deren beharrliche Zuneigung ihn wohl in den kritischen Jahren seiner Jugend vor dem Scheitern bewahrt hat. Aber auch eine sehr schonungslose Betrachtung der Schwächen dieser „Hillbilly-Gesellschaft“, die die Schuld an ihren Lebenskatastrophen – ob privat oder politisch –  immer bei den andern sucht, sich weigert, ihre Situation ehrlich zu betrachten  und nun „Erlösung“  durch politische Scharlatane wie Donald Trump erhofft.

Für alle, die ein wenig mehr von diesem uns so unbekannten Amerika erfahren wollen, ein unbedingt empfehlenswertes Buch. Fünf Sterne! Ein herzliches Dankeschön deswegen auch an meine belesene Schwester Agi, die mir das Buch schenkte. (KS)

 

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DAS JAHR DES GOCKELS

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Die guten Wünsche für uns von Peter Rosegger in meinem letzten Blogeintrag scheinen sich schwer zu tun im neuen Jahr 2017. Mit mehr Friede und mehr Wahrheit scheint es nicht gut bestellt zu sein, wenn es wahr ist, was wir in diesen Tagen lesen und sehen mussten, besonders aus den USA.

Auch intensives Augenreiben und Kopfschütteln hilft nicht weiter: Amerikas Wähler haben mit Donald Trump einen Präsidenten gewählt, der sich offensichtlich in der Rolle des Polit-Terminators gefällt, um aller Welt zu beweisen, was er für ein toller Kerl ist. Und das alles vor dem Banner mit Stars und Stripes als effektiver Kulisse. Der amerikanische Präsident als Hauptdarsteller in einer täglichen Live-Show, die belegen soll, wie er „America great again“ macht. Wie das mit Drohungen, Mauerbauplänen, Einreiseverboten usw. gelingen soll, bleibt unerfindlich. Was wir bis jetzt beobachten konnten, sind vor allem Signale eines nationalen Egoismus, der sich im Slogan „America  first!“ dokumentiert, mit dem Mr. Trump sich zum Sprecher des „weißen“ Yankee-Amerika gemacht hat, das immer noch glaubt, es verkörpere das eigentliche Amerika, das in den vergangenen Jahren von der anderen  (besonders der farbigen) Hälfte der Amerikaner und der übrigen Welt um seine Zukunft betrogen worden sei –  so die Wahlkampfreden des Mr. Trump.

Es gehört zu den tragischen Tatsachen demokratischer Wahlentscheidungen, dass dieser Präsident mit den Stimmen jener Wähler an die Macht gekommen ist, die von den Auswirkungen globaler ökonomischer Veränderungen besonders hart getroffen wurden: Leute, die an die Gerechtigkeit kapitalistischer Wirtschaftsfreiheit glaubten, denen man weisgemacht hat, dass die Obama-Regierung mit ihren sozialen Projekten sie verraten habe, und nun nach einem Staat rufen, der ihnen aus dieser Situation helfen soll. Der Mann, den sie groteskerweise dafür wählten, ist ausgerechnet ein Milliardär, der mit seinem Reichtum prahlt, nicht bereit ist, seine Steuererklärung öffentlich zu machen und sich dabei brüstet, in diesen USA kaum bis gar keine Steuern entrichtet zu haben, weil die unzureichenden Steuergesetze dieses Landes es ja ermöglicht hätten. Das ist zynisch, wenn es nicht besser mit tragisch zu bezeichnen wäre, angesichts der Hoffnungen, den seine arg gebeutelte Wählerklientel in ihn gesetzt hat.

Chinesen feiern in diesen Tagen seit dem 28. Januar nach ihrem Mond-Kalender das chinesische neue Jahr. Nach ihrem Horoskop steht nach dem Jahr des Affen 2016 dieses Jahr 2017 nun im Zeichen des Hahns, und zwar des Feuer-Hahns. Die astrologische Charakteristik des Hahns prägt also die Situation des ganzen Jahres. Ich gebe  zu, es ist ein wenig süffisant und stirngerunzelt,  die Erläuterungen der chinesischen Sterndeuter für dieses Jahr besonders auf die Situation in den USA zu applizieren. Denn nach chinesischer Astrologie gilt das für die Situation der ganzen Welt. Aber man wird zugeben, es passt doch sehr auf die Szene der USA 2017.  Was ist da über das Jahr des Hahns 2017 zu lesen? Es sei ein Jahr der spannenden Projekte, die nicht immer erfolgreich sein würden. Schlimmes sei nicht ausgeschlossen. Denn..

„Hähne neigen dazu, sich gerne auf besonders große (und viele) Projekte einzulassen. In ihrer Eitelkeit möchten sie dann nicht wahrhaben, dass selbst ihre unbestreitbaren Fähigkeiten einmal an ihre Grenzen stoßen. Ob im Privatleben oder auf der großen gesellschaftlichen und politischen Bühne: In diesem Jahr kann es immer wieder zu Konflikten kommen. Diplomatie gehört einfach nicht zu den Stärken des Hahns.“

Na dann, Rest der Welt,  mach dich auf etwas gefasst…. Es sei aber angemerkt, dass Donald Trump laut seinem Geburtsdatum vom 14. Juni 1946 nach chinesischem Horoskop im einem Jahr des Hundes geboren wurde, persönlich also die Chakteristika des Hundes auf ihn zutreffen würden. Neben all dem Positiven, das Hunden  so eigen ist, gibt es aber bei ihnen ja auch Exemplare, die nur bellen und nur Ärger  machen. Ganz ähnlich, wie es unter den stolzen Hähnen ja nicht nur für Hühner und  Küken notwendige Exemplare gibt, sondern auch solche, die sich ohne sozialen Nutzen vor allem besonders gockelhaft in Szene zu setzen wissen. Amerika im Jahr des Gockels? God  bless America! (KS)