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Good luck, Joe!

Amerika hat mit Joe Biden Gott sei Dank einen neuen Präsidenten, dem man angesichts der Lage in den USA und in der Welt für sein Handeln wirklich nur viel Glück und Erfolg wünschen sollte. Denn in Zeiten der Covid-19-Pandemie ist ja kein verantwortlicher Regierungschef zu beneiden. Aber 83 Millionen Amerikaner wollten ihn als Präsidenten. Doch Joe Biden hat neben der katastrophalen Pandemie noch ein besonderes Problem: Er will und muss die Nachfolge von Donald Trump antreten, einem Expräsidenten, der sich partout weigert, seine Wahlniederlage vom November 2020 einzugestehen.

Wäre das nur die charakterliche Macke des unfairen Wahlverlierers Trump, man könnte ihn unbesorgt seinem Hobby auf seinem Golfplatz in Florida nachgehen lassen.  Er aber verkündet penetrant über seine Medien, dass ein groß angelegtes Betrugsmanöver der Demokratischen Partei ihm die Wahl gestohlen habe. Twitter und Facebook haben ihm zwar wegen dieser unwahren Behauptung den Account blockiert. Aber noch immer glauben das etwa 60% von 74 Millionen amerikanischer Wähler, obwohl alle Gerichte bis hinauf zum obersten Gericht der USA diesbezügliche Klagen abgewiesen hatten.  

Und auch nicht einmal der Skandal der gewalttätigen Erstürmung des Kapitols durch aufgehetzte Trump-Fans am 6. Januar 2021 konnte einen Großteil der Senatoren republika-nischer Provenienz dazu bewegen, sich von Donald Trumps Fake-News-Propaganda zu distanzieren – im Hinterkopf eine mögliche Wiederwahl Donald Trumps im Jahre 2024 oder um zumindest sein Wählerpotenzial zu behalten.  

Was ist los in Amerika, dem „Leuchtturm der Demokratie“? Hat sich wirklich eine Mehrheit der Amerikaner gegen Trumps skandalöses Regierungshandeln in den vergangenen vier Jahren entschieden, oder gab letztlich nur sein Versagen beim Management der Corona-Pandemie den Ausschlag?

Vor vier Jahren habe ich in diesem Blog einen kritischen Beitrag zu Donald Trumps Wahl 2016 veröffentlicht, den ich auch heute nicht zu korrigieren brauche.  Donald Trumps Regierungsjahre waren eine Katastrophe.

https://klaussturm.wordpress.com/2017/02/  

Aber wenn man meinte, das sei nur die persönliche Katastrophe eines narzisstischen Selbstdarstellers – ein demokratischer Ausrutscher für die USA – gewesen, dann hatte man von der Situation Amerikas und seinen Wählern wohl zu wenig verstanden.  

In der jüngsten Ausgabe Zeitschrift „Publik-Forum“ gewährt der Autor Alexander Schwabe einen analytischen Blick auf die wahrscheinlich wirksamsten Motive der Trump-Wähler.

Sein Resümee sei hier zitiert:

„Trump ist weg. Doch die Ursachen für seinen Aufstieg sind nicht verschwunden.      Sein toxisches Erbe bleibt. Die Demokratie ist gefährdet, die USA sind ein Hochrisikoland.

„Es sind die Verlustängste und die Verlusterfahrungen der bisher Privilegierten, die zu einem Kulturkampf führen, in dem grob gesagt die viel beschworenen angry white men, die zornigen weißen Männer, den Wandel der Zeit rückgängig machen wollen. Es ist ein Kampf um Macht, Einfluss und Identität. Und die Radikalis-ierung der Bürger in diesem Kampf wird nach Ansicht von Soziologen zunehmen.

Trump war ein Vorbote dieses inneramerikanischen Culture Clashs, für den der Mauerbau an der Grenze zu Mexiko sinnbildlich steht. Und zu dem es auch gehört, den Vorgänger-Präsidenten als Muslim diskreditieren zu wollen und ihm abzusprechen, ein echter Amerikaner zu sein, weil er angeblich in Kenia geboren sei und nicht im US-Bundesstaat Hawaii. Auch die Massenproteste nach dem Tod von George Floyd sind Teil dieser Auseinandersetzung. Die Vorherrschaft der Weißen in God‘s own Country ist tief in der religiösen Tradition verwurzelt. Aus ihr speisen sich Nationalismus und Rassismus.

Egal, ob sich jemand expliziert christlich versteht oder nicht – das Weltbild der meisten Trump-Anhänger und das weißer christlicher Nationalisten geht jeweils auf die Idee zurück, dass Amerika von Weißen (Christen) für Weiße (Christen) gebaut wurde. Nur ein Weißer (Christ) ist ein echter Amerikaner. Die calvinistisch geprägte Arbeitsethik der Pilgerväter lässt sie glauben, angesichts ihrer Rechtgläubigkeit und Recht-schaffenheit habe Gott Amerika reich und mächtig werden lassen. Aus dem Verfall, der sich nun vor aller Augen abspielt und den die Eliten zu verantworten haben, folgt für sie, dass sich Amerika von seinem Erbe gelöst hat und den Gesetzen Gottes nicht mehr gehorcht.

Philip Gorski, Soziologieprofessor an der Yale-Universität, hat die Konsequenz, die sie daraus ziehen, auf den Punkt gebracht: „Die einzige Möglichkeit, das Blatt zu wenden – die einzige Möglichkeit,  ‚to make-America great again‘ ist die Rückeroberung des Landes durch die Christen – oder zumindest der entschlossene Widerstand gegen ihre Feinde: die Liberalen, Säkularisierten und Humanisten, die jetzt die Oberhand haben“.

…… Das Politische und das Religiöse sind im Land der civil religion viel zu eng verknüpft. Die zivilreligiöse Grundierung der ganzen Nation ist noch immer und überall überdeutlich zu sehen. Selbst ein religiöser Analphabet wie Donald Trump wird von Fundamentalisten als „Werkzeug Gottes“, als dessen Gesandter verstanden. Und Joe Biden ist – wie fast jeder neu ins Amt kommende Präsident – von messianischen Fantasien umweht. Fragt sich nur, wer von ihnen Gottes Werk befördert und wer des Teufels Beitrag liefert.“ (Zitat) https://www.publik-forum.de/Politik-Gesellschaft/good-luck-joe

Auch dieses Mal sei mir ein augenzwinkernder Blick in die Prognose der chinesischen Horoskop-Experten erlaubt:  

Am 12. Februar 2021 beginnt das Jahr des Büffels Ihm schreibt man Geduld, Fleiß und Gerechtigkeitsliebe zu.  Der Büffel ist stark und überwindet alle Schwierigkeiten.                                  

Es gibt also Hoffnung, auch für Joe Biden, den ‚weißen‘ Katholiken.                    

Good luck, Joe (KS 02-2021)