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Erlebtes Indonesien – von 1964 bis 2014

Annette Bräker und Horst H. Geerken

Indonesien – Gestern und Heute      

„Reiseberichte der anderen Art“, heißt der Untertitel  von 12 Reisen im Laufe von 50 Jahren durch den indonesischen Archipel. Von Sumatra bis Papua-Neuguinea, nach Sulawesi ,nach Sumba und Kalimantan, bedeutende Ziele im Reich der 13000 Inseln, die aber von ganz wenigen Indonesienreisenden  besucht werden. Auch für Annette Bräker und Horst Geerken, die beiden Autoren des Buches, waren es außergewöhnliche Reiseziele. Ihre besondere Liebe und Aufmerksamkeit jedoch gilt den Inseln Java und Bali, mit denen sich auch die meisten Erinnerungen verknüpfen. Besonders aber an Bali, der Insel, die den beiden in den vergangenen Jahren wie eine zweite Heimat wurde.

Der Reiz des Buches liegt zum einen in dem großen Zeitbogen von 50 Jahren, aus dem diese authentischen Reiseerzählungen stammen, und  die zugleich fast dokumentarisch  über das sich so schnell verändernde  Indonesien berichten:  Siehe den Titel des Buches: Indonesien, Gestern und heute. Zum andern profitiert das Buch von den langjährigen persönlichen Begegnungen und Freundschaften mit indonesischen Freunden, der detaillierten Kenntnis von Sitte, Religion und Kultur dieses exotischen Landes. Der größte Teil der Reiseerinnerungen stammt aus Annettes Feder, die durch Horst Geerkens Schilderungen und Fotos komplettiert werden.

Was wäre aber das alles ohne die interessanten privaten Stories, die der Leser mit bekommt! Vom Flugbetrieb und Fluggästen vor 40  Jahren, vom Besuch  an Sukarnos Grab und seinem Arbeitszimmer im  Tugu-Hotel in Blitar,  von guten und schlechten  Hotels in Java, von Annettes Toilettenproblemen 1987 an den Bushaltestationen in Sumatra, vom Treffen mit alten Freunden, aber auch von lästigen und unerfreulichen Mitreisenden, von lebensgefährlichen Abenteuern 2001 in Kalimantan, vom Urlaubsdomizil bei den Redemptoristenpatres in Sumba, von einer Seereise als 1.Klasse-Passagiere auf einem PELNI-Schiff von Bali bis Jayapura, vom Schacher um gefälschte Bilder von Walter Spieß in Bali, von der er geliebten Ferienwohnung in Ubud, sowie  den Freuden und Kummer der Hausangestellten, vom Hausfrosch in der Urlaubsvilla, der nicht mehr quaken wollte, von Horsts Problemen mit Miet-Autos auf Bali oder von Annettes Salsa-Tanzleidenschaft, der sie in den beiden letzten Jahren ihres Lebens nicht mehr richtig frönen konnte, als auch ihrem tapferen Leben mit ihrer tödlichen Krankheit auch im geliebten Ambiente Balis.

Ironisch bis sarkastisch Annettes Reserve gegenüber dem zunehmenden Boom von  Touristen , der Bali zu überrennen droht und an Balis Kultur und Religion keinen Deut interessiert  scheint, an amerikanischen und australischen Heilern und Gurus, die in Bali eine ertragreiche Nachfolgeadresse für Bhagwans  heimatlos gewordene Nachkommen aus Poona entdeckt haben, und mit ihren Festivals und Kursen heilsuchenden Schülern das letzte Geld aus der Tasche ziehen.

Gerade in ihren letzten Urlaubsmonaten2014  in Bali beschreibt sie – ungeachtet ihrer persönlichen Krankheit – die Sorge um die Zukunft ihres geliebten Bali, ob die Insel im Erfolg des Tourismus und der javanischen Geschäftsleute, der zunehmenden Islamisierung Indonesiens,  ihren Charme und ihre Seele behalten kann. Fast nebenbei – ohne dozierende Attitüde –  lässt Annette in die Erzählungen aus ihrem balinesischen Alltag – aus dem „Nähkästchen“ ihrer Profession als vergleichende Religionswissenschaftlerin –  höchst informative Anmerkungen über Religion und Kultur Balis einfließen, die zeigen, wie eng sie sich diesem Kulturkreis verbunden fühlte. Wie wir aus dem Nachwort von Horst Geerken erfahren, wurde – Annettes Wunsch entsprechend – nach ihrem Tod 2015 ihre Asche nach Bali verbracht und im heiligen Fluss  Campuhan in der Nähe von Tampaksiring verstreut.

Wem ist die Lektüre zu empfehlen? Sicherlich allen Lesern, die Indonesien aus einer unmittelbar persönlichen Erfahrung erleben wollen, die zugleich ein Dokument einer großen Liebe und Zuneigung zu diesem Land, aber auch eine berührende Liebesgeschichte der beiden Autoren zu einander ist.

Für jemanden  wie mich, der Indonesien seit 1968 kennt, war das Buch natürlich eine unwiderstehliche Einladung zum Lesen, nachdem mir kurz davor Horst Geerkens „Ruf des Gecko“ wieder in die Finger gekommen war. Ich habe „Indonesien – Gestern und Heute“ in einem Rutsch gelesen. Ein posthumes herzliches „Terima kasih!“ an die leider 2015 schon verstorbene Annette Bräker, die uns Leser literarisch so nah an ihren Reisen und indonesischen Erfahrungen teilhaben ließ. Dank aber auch an Horst Geerken, ohne den diese so lebendigen Erinnerungen wohl für immer in einer Nachlassschublade verschwunden wären.

(KS) Oktober 2017

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Toke‘, Toke‘!

DER RUF DES GECKOS  –  Horst H. Geerken

Können Geckos rufen – wie es der Titel dieses hochinteressanten Buches unterstellt? Ja, müssen wir sagen: Der indonesischen Vertreter dieser Gattung schon, der „Tokek“ – der große Mauergecko, der abends und nachts in den Häusern und Hütten sein unüberhörbares  tiefes Toke‘ ertönen lässt  und dem viele Indonesier magische Kraft zuschreiben: Man zählt aufmerksam, wie oft sein Toke‘ zu hören ist und erfährt dann, ob einem Glück beschert sein wird. Allerdings muss das Toke‘ mindestens siebenmal – am besten aber – neunmal zu hören sein. Soll man so etwas ernst nehmen? Horst Geerken und seiner Familie hat der oft gehörte 9-malige Ruf des Geckos – sowohl privat als auch geschäftlich -18  glückliche Jahre in Indonesien gebracht.

Dabei begann seine Zeit in Jakarta als Geschäftsträger der deutschen Firma AEG –TELEFUNKEN im Jahre 1963 – die bis 1981 währen sollte,  zu einer Zeit, in der Indonesien unter seinem Präsidenten Sukarno auf ein politisch-ökonomisches Desaster zusteuerte, das 1965 mit dem Putsch-Massaker des General Suharto seinen Tiefpunkt erreichte. Horst Geerken hat diese Zeit hautnah erlebt.  Sein Buch erzählt detailreich, welch schwierige Verhältnisse des täglichen Lebens damals selbst für ein Mitglied der deutschen Geschäfts-Community  zu bewältigen waren. Aber auch welch interessante Aufgaben und Begegnungen der junge Geschäftsmann – Horst Geerken war damals gerade 30 Jahre alt – erleben konnte. Er hat im Laufe der Jahre neben vielen Persönlichkeiten  der deutschen Politik und Wirtschaft und der deutschen Botschaft in Indonesien  z.B. auch den damaligen Präsidenten Sukarno persönlich kennen und schätzen gelernt.

Was aber den besonderen Charme dieses Buches ausmacht, ist die Sympathie  für Indonesiens Menschen, ihre  Kultur und Geschichte, der des Autors engagiertes Interesse gilt. Nicht eben selbstverständlich für einen Ingenieur der Nachrichtentechnik! Über  fünfzig Seiten widmet das Buch der Geschichte des Landes, das 350 Jahre eine holländische Kolonie war und seine Unabhängigkeit letztendlich in einem fast fünfjährigen Krieg gegen Holland erkämpfen musste. Sehr gut auch die engagierte Sympathie des Autors für die Rolle Sukarnos, des ersten Präsidenten  Indonesiens, ohne den ein Indonesia Merdeka – ein freies Indonesien, wohl nicht vorstellbar wäre. Schonungslos dokumentiert der Autor auch die Grausamkeiten des kolonialen Terrorregimes als blutige Antwort auf die indonesischen Unabhängigkeitsbestrebungen seit 1945 – Fakten, von denen in Europa wenig zu lesen war und die für Holland noch immer ein sehr unpopuläres Kapitel seiner jüngsten Geschichte sind.

Ebenso aufschlussreich Geerkens Schilderung der Rolle der USA für das unabhängige Indonesien. Die anfängliche Unterstützung, dann aber die wiederholten Versuche der CIA den Präsidenten Sukarno durch Attentate zu ermorden  und  schließlich  die maßgebliche Rolle der CIA beim Putsch des General Suharto und dem Massenmord von 1965/66 an hunderttausenden Menschen – ein Trauma, unter dem auch noch das heutige Indonesien leidet.

Neben diesem wichtigen Exkurs in die Geschichte, von der man auch als kurzweiliger Indonesienbesucher ein wenig wissen sollte, sind es vor allem die kenntnisreichen, oft  sehr amüsanten Erlebnisse und Anekdoten aus dem Leben und den Erfahrungen des langjährigen „Expats“ H. Geerken, dem Indonesien – wie er bekennt – zur zweiten Heimat geworden ist.

Wer sollte sich die Lektüre gönnen? Natürlich alle, die ein wenig mehr über Indonesien erfahren wollen, als die Prospekte der Reiseveranstalter dem Touristen an die Hand geben. Für jemanden wie mich aber, der selbst neun Jahre von 1968 -1977 in Indonesien gelebt und gearbeitet hat, also auch ein paar Jahre zur selben Zeit wie der Autor,  bedarf es keiner Leseempfehlung für dieses Buch. Es ist eine lebendige – fast nostalgische Erinnerung an ein Indonesien, das es heute so fast nicht mehr gibt.  Einen herzlichen Dank an den Autor also, der sich die Mühe – aber sicher auch die Freude – gemacht hat, seine indonesischen Erfahrungen mit uns zu teilen. Terima kasih, Pak!

nb.  Das Buch ist ja schon 2009 erschienen, und ich hatte es schon 2010 gelesen.Die kleine Buchrezension hätte eigentlich schon längst verfasst sein müssen. Entstanden ist damals aber zunächst der Blog-Artikel  „Merdeka atau Mati“ über den indonesischen Unabhängigkeitskampf .  Inzwischen hatte ich aber das Buch verliehen und erst vor kurzem wieder in die Hand bekommen. Nach einer neuerlichen Lektüre war es mir eine Herzenssache, mich für das Lesevergnügen durch eine kleine Besprechung zu bedanken.

Oktober 2017 (KS)

 

 

 

 

Ein fatales Gerichtsurteil in Jakarta

Es ist passiert, was zu befürchten war: Nicht nur, dass der politische Wendehals Anies Baswedan vor zwei Wochen zum Gouverneur von Jakarta gewählt wurde, sondern dass das Gericht von Nord-Jakarta am Dienstag den bisherigen Gouverneur Tjahaya Basuki Purnama, kurz: „Ahok“ genannt, tatsächlich zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe wegen öffentlicher Beleidigung/Verächtlichmachung des Islam verurteilt hat.

Was war vorgefallen? Ahok, bekennender evangelischer Christ, hatte während des Wahlkampfs zur Gouverneurswahl bei einem Besuch in einem Fischerdorf  auf die Kampagne seiner Gegner reagiert, die verkündeten, der Koran verbiete es  Muslimen, sich von einem Nicht-Moslem regieren zu lassen. Ahok sagte den Leuten, sie sollten sich bei dieser Wahl nicht von  muslimischen Propagandisten manipulieren lassen, die  den Koran für ihre politischen Zwecke missbrauchten. Dieses Statement verdrehte man zu den Vorwurf, Ahok hätte den Koran und seine Gläubigen verunglimpft. Ein Unding! Aber Ahoks Gegner – man darf ruhig „Feinde“ sagen – setzten dieses Strafverfahren durch.

Man muss den Verdacht haben, dass ein indonesisches Gericht hier dem Druck der Straße radikaler Moslems nachgegeben hat. Der Richter ging mit seinem Strafmaß dazu noch über den Strafantrag der Staatsanwalts von einem Jahr Gefängnis hinaus. Das Urteil ist eine Farce und ein katastrophaler Indikator für die politische Situation in Indonesien 2017. Und man  sollte wissen, dass der neue Gouverneur Baswedan im Wahlkampf just mit den Leuten von der radikal-muslimischen FPI paktiert hat, die diesen Prozess angestrengt und durchgesetzt hatten.

Das Urteil gegen Ahok ist noch nicht rechtskräftig, aber er wurde sofort nach der Urteilsverkündung wie ein Schwerverbrecher abgeführt und muss wohl vom Gefängnis aus seinen Einspruch gegen das Urteil betreiben. Traurig, und besorgniserregend.

Mehr zu den Hintergründen im Artikel von Christina Schott, der hiermit empfohlen sei.

Gouverneurswahl in Indonesien

Stimmungsmesser für Toleranz und Pluralismus

Indonesiens Hauptstadt Jakarta wird künftig wieder von einem Muslim regiert: Bei der Stichwahl um das Gouverneursamt unterlag der bisherige christliche Amtsinhaber seinem muslimischen Herausforderer Anies Baswedan. Für viele war die Wahl ein Testfall für den indonesischen Pluralismus. Aus Jakarta informiert Christina Schott

„Ich wusste ehrlich nicht, wen ich noch wählen sollte“, sagt Ivana Lee. Die 32-jährige Lehrerin ist unentschlossen, wer ihr Wunschkandidat für den Posten des Gouverneurs von Jakarta ist. „Der eine Kandidat lässt sich von den Islamisten unterstützen. Der andere vertreibt die Armen aus ihren Häusern. Deswegen bin ich heute zu Hause geblieben.“ Gewählt hat sie nicht.

Lee hat sich jahrelang im Gemeindezentrum „Ciliwung Merdeka“ im Armenviertel Bukit Duri engagiert, das sich am Ufer des völlig vermüllten Flusses Ciliwung drängt. Gleichzeitig mit den Behausungen von 440 Familien musste das zweistöckige Haus im vergangenen August einem massiven Betonwall weichen. Mit solchen Flussbegradigungen will Jakartas amtierender Gouverneur Basuki Tjahaja Purnama, genannt Ahok, die notorischen Überschwemmungen in Indonesiens Hauptstadt eindämmen. Dabei hat er sich bei den unteren Schichten der Bevölkerung nicht gerade beliebt gemacht. „Viele Leute hier haben bis heute keine der versprochenen Ersatzwohnungen erhalten. Sie haben daher Ahoks Gegner gewählt“, sagt sie.

Ahoks Gegner heißt Anies Baswedan. Und er wird sein Nachfolger werden: Rund 55 Prozent der Bewohner von Jakarta haben den ehemaligen Bildungsminister zu ihrem neuen Gouverneur gewählt.

Im Wahlkampf allerdings spielten die Vertreibungen aus Armenvierteln nur eine untergeordnete Rolle, genauso wie die durchaus beachtlichen Erfolge des amtierenden Gouverneurs, der hart gegen korrupte Beamte vorging, wichtige Infrastrukturprojekte anstieß und den Zugang zu Bildungs- und Gesundheitswesen verbesserte.

Herkunft und Glaube als entscheidende Faktoren

Stattdessen ging es vor allem um Ahoks Glauben und seine Herkunft: Ein Christ, der noch dazu der unbeliebten chinesischen Minderheit angehört, könne unmöglich die Hauptstadt des Landes mit der weltgrößten muslimischen Bevölkerung führen, so die einhellige Meinung islamischer Massenorganisationen.

„Diese Wahl ist ein Testfall für den indonesischen Pluralismus, ob wir dem Druck der religiösen Gruppen und Populisten widerstehen können“, sagte Wimar Witoelar, ein angesehener politischer Analyst und Berater des früheren Präsidenten Abdurrahman Wahid vor der Wahl: „Indonesien steht an einem Wendepunkt. Und ich meine Indonesien, nicht nur Jakarta.“

Weiterlesen... Ahok und Jakartas Gouverneurswahl

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Es wird höchste Zeit…

Obwohl es im Indonesien von 2015  an Projekten und Problemen nicht mangelt, wird es höchste Zeit, dass Indonesien nach 50 Jahren sich endlich  Klarheit über die Ereignisse verschafft, die mit dem Kürzel „G30S“ umschrieben werden, dem Militärputsch des General Suharto und dem damit verbundenen Massenmord und den Progromen an  Millionen indonesischer Bürger.

Bald wird es keine überlebenden Zeugen mehr geben.  Den überlebenden Tätern, die sich als Retter Indonesiens feiern lassen,  käme das sehr zu pass. So wurde z.B. 2014 durch eine internationale Kampagne gerade noch verhindert, dass der damalige Präsident (und Ex-General) Susilo Bambang Yudhoyono (SBY), seinen Schwiegervater General Sarwo Edhie Wibowo, den verantwortlichen Militärkommandeur für den Massenmord in Mitteljava, posthum zum Nationalhelden  erklärte. 

Das Regime Suharto wurde 1998 zwar entmachtet, aber das Tabu „G30S“ und seine Profiteure blieben bis heute unangetastet. Die Kinder und hinterbliebenen Familien haben einen Anspruch auf Gerechtigkeit.

Dank an den Autor Till Mayer, der sich dieses  Themas in diesem SPIEGEL-Artikel angenommen hat.  (KS)

Till Mayer Indonesien

Völkermord in Indonesien:                                             Eine Million Tote – keine Gerechtigkeit

Aus Jakarta berichtet Till Mayer                                                                                      SPIEGEL-Online 1. März 2015

In Indonesiens Folterkellern starben bis zu eine Million Kommunisten, Linke, Künstler. Überlebende und Angehörige fordern 50 Jahre danach noch immer Gerechtigkeit. Doch die Täter gelten als Helden

Die Schattenmänner stehen verloren im Abseits, kaum einer beachtet sie. Trotzdem streckt einer die linke Faust in den Himmel. „Gegen die Straflosigkeit!“ Was Endang Darsa ruft, schluckt der Verkehr. Mopeds, Laster, Autos rauschen an ihm vorbei. Ab und zu blickt einer hinter dem Steuer auf die alten Männer am Straßenrand. Dann springt die Ampel wieder auf Grün.

Wer oft an Indonesiens Präsidentenpalast vorbeifährt, kennt die Demonstranten. Seit Jahren stehen sie dort an jedem Donnerstagnachmittag. Ihre schwarzen Schirme mit dem weißen Aufdruck erinnern an einen verdrängten Völkermord. Zu ihren Füßen liegen Fotos der Ermordeten.

1965 töteten rechtsgerichtete Militärs und Milizen laut Schätzungen von Amnesty International bis zu eine Million Menschen, die sie für Staatsfeinde hielten: Kommunisten, Intellektuelle, Studenten, Künstler, Gewerkschafter, zudem Angehörige der chinesischen Minderheit und sogar andere Soldaten.

Weiterlesenhttp://www.spiegel.de/politik/ausland/indonesien-opfer-des-genozids-fordern-entschaedigung-und-gedenken-a-1019629.html

siehe zum Thema auch:

1. https://klaussturm.wordpress.com/2012/11/30/ein-gar-nicht-mehr-lustiges-theater/

2. http://de.qantara.de/inhalt/joshua-oppenheimers-dokumentarfilm-the-look-of-silence-ich-hatte-erwartet-monster-zu-treffen

DER „GUNUNG-SAMALAS“ WAR ES…

gunung-rinjaniSonnenaufgang am Rinjani – So schön sieht sie manchmal aus: die Caldera des Vulkans Rinjani auf der Insel Lombok in Indonesien. Ein blauweißer Kratersee, in dessen Mitte ein heißer Ascheberg gelegentlich ein Wölkchen Rauch und Asche in den Himmel pustet. Seit Jahren so friedlich, dass man den Touristen Treckingtouren zu seinem Kraterrand anbietet. Seit 2013 scheint aber sicher, dass dieser attraktive Feuerberg auf Lombok zu den globalen Übeltätern von historischer Dimension zählt.

Was man heute als Gunung Rinjani beobachten kann, ist die Restmasse des Vulkans Samalas, der im Jahre 1257 n.Chr. mit verheerender Gewalt explodierte. Neben der Verwüstung in seiner unmittelbaren Umgebung schleuderte der Samalas so viel Asche in die Atmosphäre, dass in Europa noch im Jahr danach 1258 der Sommer ausfiel, ja vielleicht sogar die sog. „kleine Eiszeit“ für mehrere hundert Jahre provoziert wurde…  Das Echo globaler Schreckensnachrichten aus dem Mittelalter – zu lesen in den Zeitungen von 2013 – von einem historischen Desaster, für das es bis jetzt keine schlüssige Erklärung gab. 

Hier der Artikel aus der Wissenschaftsredaktion von SPIEGEL-Online vom 1. Oktober 2013

Kälteeinbruch im Jahr 1258

Ein geologisches Mysterium ist offenbar geklärt: Für eine der gewaltigsten Eruptionen der vergangenen 10.000 Jahre soll ein Vulkan auf der Insel Lombok gesorgt haben. Der Ausbruch hatte 1258 einen Temperatursturz und schwere Hungersnöte in Europa verursacht.

weiterlesen in…. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/kaelteeinbruch-1258-forscher-legen-loesung-fuer-vulkan-raetsel-vor-a-925391.html