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Besser kann eine Premiere einfach nicht sein

 

Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler begeistern samt Solisten ihr Publikum bei ihrem ersten Konzert unter dem Dirigat von Jeremy Hulin                                            Von Andreas Röchter

Eschweiler. Große Namen standen am Samstagabend auf dem Pro­gramm: Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven. Literari­sche Verstärkung erhielt das Duo der musikalischen Genies durch keinen Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe. Und im Geiste waren auch Klavier-Virtuo­sin Clara Schumann und der Meis­terviolinist Joseph Joachim zuge­gen.

So stellten sich die spürbar er­wartungsvollen Gäste des Konzerts der Städtischen Musikgesellschaft in der vollbesetzten Aula des Städ­tischen Gymnasiums vor dem Er­klingen der ersten Melodie sicher­lich die Frage, ob sich Chor und Orchester unter dem Premieren-Dirigat des neuen Ensemble-Lei­ters Jeremy Hulin der anspruchs­vollen Aufgaben gewachsen zeigen würden?

Rund zwei Stunden später waren keinerlei Zweifel mehr vorhanden. Die Zuhörer, darunter auch der ehemalige Chor- und Orchesterlei­ter Horst Berretz, der die Geschicke der Gesellschaft drei Jahrzehnte maßgeblich prägte, erhoben sich von ihren Sitzplätzen und spende­ten frenetischen und dankbaren Applaus.

Diesen erhielten die Sängerin­nen und Sänger sowie die Instrumentalisten der Städtischen Mu­sikgesellschaft, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, auch von ihrem neuen „Chef“ und einer professionellen Musikerin der Extraklasse: Die großartige Pia­nistin Tomoko Yoneyama begeis­terte zum krönenden Abschluss des Konzerts, das unter dem Titel „Eine Sommerserenade“ stand, mit einer meisterhaften Interpre­tation der „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Op. 80″ von Ludwig van Beethoven und bildete dabei eine wunderschöne Sym­biose mit den Protagonisten der Musikgesellschaft.

 Beethoven und Brahms

Auch der Start in die neue Ära der Gemeinschaft war dem 1770 in Bonn geborenen Musikgiganten gewidmet: Ludwig van Beethoven, der in den Jahren 1811 und 1812 einen regen Gedankenaustausch mit dem von ihm hochverehrten Dichter Johann Wolfgang von Goethe unterhielt, vertonte we­nige Jahre später dessen Gedichte „Meeresstille“ und „Glückliche Fahrt“ zu einer Kantate. Nach dem , schwermütigen, aber stimmlich  anspruchsvollen Beginn, der in  den Worten „Keine Luft von keiner l Seite! Todesstille fürchterlich!“ seinen Ausdruck findet, gelang es – Chor und Orchester unter dem  energischen Dirigat von Jeremy  Hulin eindrucksvoll, hymnisch den  Wind und die Wellen zu entfesseln und das rettende Land in Sicht­weite kommen zu lassen.

 

Inmitten der Klammer Beethoven setzte sich die Musikgesellschaft mit zwei sehr unterschiedlichen Werken von Johannes Brahms aus­einander. Die Sammlung kurzer Lieder, denen der Komponist unter dem Titel „Liebeslieder-Walzer Op. 52″ eine „lyrisch-schwelgerische“ Note gab, forderte von Sängern und Instrumentalisten höchste Konzentration und Genauigkeit. Die 17-jährige Sopranistin Jeanne Jansen setzte einen elektrisierenden Kontrapunkt mit ihrem gelungenen Solo.

Nach der Pause stellte sich das Orchester der Herausforderung einer „Beinahe-Symphonie“ von Brahms, der der Komponist und Pianist schließlich den Titel „Sere­nade Nr. l Op. 11″ gab, nachdem er eine frühere Fassung seinen Freunden Clara Schumann und Jo­seph Joachim im Jahr 1858 vorge­stellt hatte.

 Grandiose Leistung

Das Orchester der Musikgesell­schaft präsentierte den l. Satz Allegro molto und strebte melodiös und ausschweifend, aber dennoch feingliedrig, dem klanglichen Hö­hepunkt des Werkes entgegen. Ein Musikerlebnis der besonders ge­lungenen Art bescherten dann alle Konzert-Mitwirkenden ihren Zu­hörern mit der Wiedergabe von Beethovens „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Op. 80″. „Wo­bei ich hoffe, dass wir im Hinblick auf die Erstaufführung im Jahr 1811 nicht allzu authentisch auf­treten werden“, bemerkte Jeremy Hulin schmunzelnd.

Schließlich wird die damalige Ausführung als schlecht bezeichnet. Selbst Beethoven, der bei dieser Gelegenheit letztmals öffentlich als Pianist auftrat, hatte wohl nicht den besten Tag innerhalb seines unvergleichlichen Lebenswerkes erwischt. Das Chaos während der Chor-Fantasie soll irgendwann so­gar so groß gewesen sein, dass die Beteiligten den Entschluss fassten, abzubrechen und von vorne zu beginnen.

Da Capo zum Finale

Davon konnte am Samstag in der Aula des Städtischen Gymna­siums allerdings keine Rede sein. Obwohl Tomoko Yoneyama ge­meinsam mit Chor und Orchester den beinahe ekstatischen Schluss­teil der Komposition ebenfalls ein zweites Mal darbrachten. Aber nicht wegen vorherigem Chaos, sondern auf Grund des stürmi­schen Beifalls, den die grandiose Leistung aller Mitwirkenden voll­kommen zu Recht herausgefordert hatte. (AR)

Sie sorgten für ein Musikerlebnis, das so schnell niemand vergisst       ______________________________________________________________________

Die Mitwirkenden des Konzerts:

 Gesamtleitung: Jeremy Hulin

Kla­vier: Tomoko Yoneyama.

 Chor: Sopran: Hildegard Breuer, Claudia Förster, Elke Frohmann, Ursula Helmling, Jeanne Jansen, Maria Johnen, Ute Kowalewski, Edeltraud Müller, Käthe Müller, Stepha­nie Sievers, Doris Sommer;

Alt: Birgit Breckheimer, Stephanie Fell, Sabine Härtung, Ingrid Hilgers-Szemeit, Ga­briela Jansen, Rosemarie Keuthen, Ursula Manthey, Christa Michaizyk, Renate Schwartz, Cornelia Schwarz-Misere, Ursula Weyand;

Tenor: Fried­rich Friedhoff, Georg Lingemann, Markus Paulmann, Johannes Rohrer, Nikolaus Sturm;

Bass: Peter Adrian, Helmut Dolfen, Josef Holtmann-Spötter, Arno Johnen, Andreas Laurs, Johannes Mülfahrt, Lothar Szemeit, Franz Wolters, Wolfgang Zemler, Jür­gen Kozel.

Orchester: Erste Violine: Konzert­meisterin Brigitte Petrovitsch, Astrid Latz, Etelka Nagy, Lisa Plecikova, Vera Wunsch;

Zweite Violine: Roswi-tha Kühnen, Kathrin Lingemann, Yumiko Matsuyama, Ellen Nowack, Mi­chaela Schieren;

Viola: Katharina Lindemann-Docter, Helmut Löwe, Xa­ver Schiffeis;

Violincello: Ingrid Walz, Paula Becker, Helmut Erbstößer, Charlotte Lehmbruck, Wolfram Simonsen;

Kontrabass: Georg Klinkenberg, Klaus Schruff;

Flöte: Anna Boese, Agnes Acs;

Oboe: Christoph Linge­mann, Yvonne Schabarum;

Klari­nette: Jochen Förster, Stephan Wistop;

Fagott: Severin Graff, Katharina Zey;

Hörner: Ulrich Michels, Gereon Graff, Thomas Graff, Simon Bauer;

Trompete: Jonas Nobis, Didier Dhont;

Pauke, Schlagwerk: Martin Graff.

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(c) Eschweiler Nachrichten – 8. Mai 2017

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