Category Archives: Nias

INDONESIENREISE 2012

Von Manado nach Lahewa

Nias: Am Strand von Soroma°asi /Lahewa

Nias: Am Strand von Soroma°asi /Lahewa

Seit zwei Wochen sind wir nun zurück aus Indonesien. Der Jet-Lag hat nachgelassen, aber die Seele –  die ja bekanntlich zu Fuß geht – ist bemüht, sich hier in Deutschland wieder heimisch zu fühlen.  Sechs intensive Wochen in Indonesien wollen verdaut sein. (Nb. Wem die Lektüre zu lang ist, der kann sich auch nur  die Links mit den Fotos anschauen, sofern ihm die kurzen Bild-Kommentare reichen)

Dienstag, 18. September, 12:00 Uhr Abflug von Düsseldorf mit „Etihad Air“ via Abu Dhabi nach Jakarta.  „Etihad Air“ hat ordentliche Flugzeuge und einen guten Service, verlangt auf dieser Route jedoch viel Geduld mit langen Transit-Zeiten in Abu Dhabi: Wir durften sechs Stunden auf unseren Anschlussflug warten. Aber –  Bismillah! – was nimmt man nicht alles für einen preiswerten Flug in Kauf!  Ankunft in Jakarta jedenfalls am darauffolgenden Tag  um 14:15 Uhr Ortszeit.  Zwei Stunden Zeit für  Auschecken, Passkontrolle und  erneutes Einchecken bei  „Lion-Air“, einer Inlandfluglinie. Dann  Weiterflug von Jakarta nach Surabaya, wo uns kurz nach 18:00 Uhr Khae und Lian am Flughafen begrüßen konnten.

 Fünf Tage  Surabaya   – Fotos

Ein frohes Wiedersehen mit unseren alten Freunden aus Aachener Zeiten in der Sittarderstraße.  Da ihre Kinder alle aus dem Haus sind, ist reichlich Platz und Zeit für Gäste.  Wie schon 2010 waren Khae und Lian  wieder ganz wunder-bare Gastgeber. Und wie vor zwei Jahren  war alles schon prima vorbereitet, damit wir uns möglichst problemlos akklimatisieren konnten. Aircon im Schlafzimmer sorgt bei Außentemperaturen von fast 30°  für einen erholsamen Schlaf. Nach zwei Tagen waren denn auch die unvermeidlichen Jetlag-Probleme überwunden (Surabaya hat sechs Stunden Zeitvorsprung zu Deutschland.) Indonesisch als Umgangssprache funktionierte  auch wieder. Nur meine Darmflora brauchte etwas länger, bis sie sich mit den neuen Umständen abfand, zumal ich – kaum in Indonesien gelandet – sofort wieder mit Hingabe die geliebten  Kretek-Zigaretten schmauchte. Khae hatte schon im Voraus meine Lieblingsmarke Gudang Garam besorgt.

Khae musste zwar noch zwei Tage in seine Firma am Stadtrand von Surabaya. Aber dann zum Wochenende hatte er sich einen zusätzlichen freien Tag genommen und chauffierte uns Freitag-Morgen in seinem Toyota Innova souverän durch das Verkehrschaos von Surabaya zum Ferienhaus von Lians Familie in Trawas, in den kühlen Bergen von Ostjava. Am Samstag machten wir eine schöne Fahrt nach Pacet in das Gebirge nordwestlich des schlafenden Vulkans Gunung Arjuna und trafen uns da wie zufällig mit  Lians Bruder Sun und seiner Frau Ino zum Essen in einem schön gelegenen Bergrestaurant.

Das „zufällige“ Treffen war aber beileibe nicht zufällig: Lian hatte ihre Handy-Kontakte spielen lassen. Die immer aktiven Black-Berries und Smartphones machen solche spontanen Verabredungen möglich. Man ist immer online und erreichbar, und ohne diese Dinger geht nichts mehr im Indonesien von 2012. Indonesien ist pausenlos online…  Wir profitierten ein wenig davon: Die  fünf Tage mit Lian und Khae vergingen wie im Fluge und Dienstag, dem 25.09. hieß es Abschied nehmen von  Surabaya.  

Vier Tage Manado – Fotos

Die nächste Station unserer Reise hieß Manado, die Hauptstadt von Nord-Sulawesi (Nordcelebes). Eigentlich wollten wir gemeinsam mit Khae und Lian dorthin reisen und ein paar gemeinsame Tage dort verbringen. Doch Khae war schlussendlich für die entsprechende Zeit in seiner Firma leider unabkömmlich – eine Spezialmaschine, frisch geliefert aus der Schweiz, sollte in Betrieb genommen werden – unsere gemeinsamen Reisepläne mussten gecancelt werden. Schade, schade…   Weiterlesen…..hier!

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Nias 2010 – Reisenotizen

Fünf Jahre nach dem Erdbeben  (Fotos)

Donnerstag, 25. Februar 2010 — Es ist 8:30 Uhr als unsere Maschine auf dem Flughafen Bhinaka in Nias landet.  Etwa eine Stunde brauchen die Propellermaschinen  der Riau-Airlines von Medan (Nordsumatra) bis nach Nias. Endlich wieder in Nias! Unsere Familie wartet schon sehnsüchtig auf uns. Eigentlich sollten wir schon sehr viel eher wieder nach Nias kommen. Inzwischen waren aber doch wieder vier Jahre vergangen seit unserem letzten Besuch.  Außer dem Wiedersehen mit unserer Familie in Lahewa, wollten wir auch mit eigenen Augen sehen, was denn in der Zwischenzeit an Wiederaufbau in Nias geleistet worden war.

Damals  in 2006, ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben – war noch kaum etwas von  Wiederaufbau zu  sehen, das diesen Namen verdiente. Die ganz wichtigen Infrastrukturprojekte des BRR, der staatlichen Wiederaufbaubehörde,  schienen irgendwie ohne Realisierungsdruck oder eventuell von interessierter Seite blockiert.   Ich schrieb damals in meinem Reisebericht: „Ohne die Arbeit der privaten und kirchlichen Hilfsorganisationen brauchte man von Wiederaufbau gar nicht zu sprechen. Das ist Fakt.“ Die Arbeit dieser Organisationen war auf Hilfe im privaten Bereich konzentriert, aber zunehmend abhängig vom Fortschritt der Arbeiten infrastruktureller Art.  Wie sollte man z.B. zerstörte Häuser und Schulen in den abgelegeneren Dörfern wieder aufbauen, wenn Straßen und Brücken nicht befahrbar waren, um das Baumaterial dahin zu schaffen?

Auch wenn man in den folgenden Jahren im Internet Berichte von Erfolgen beim Wiederaufbau der Insel zu lesen bekam, die Skepsis wollte nicht weichen: Hatten denn die eingesetzten Hilfsgelder von ca. 1 Mrd EUR  tatsächlich zu erkennbaren Ergebnissen geführt? Zumal es auch immer wieder zu berichteten Skandalen bei der Auftragsvergabe und Ausführung gekommen war.  Dieser Skepsis konnte nur ein persönlicher Besuch abhelfen. Die Phase des Wiederaufbaus war planmäßig  Mitte 2009 offiziell beendet worden. Alle Projekte mussten also bis dato beendet sein. Für uns als Besucher natürlich nicht überprüfbar, ob mit dem investierten Geld nicht mehr zu machen gewesen wäre, und ob das Geld immer in den richtigen Taschen gelandet war. Die persönlichen Beobachtungen beschränken sich also auf die sichtbaren Seiten des wieder aufgebauten Nias.Um es vorweg zu nehmen:

Es tut gut, angenehm überrascht zu werden.

Wir fanden ein Nias vor, wie wir es nicht kannten. Beeindruckend, was in den vier bzw. fünf Jahren geleistet wurde. Nias hatte einen mächtigen Sprung in die zivilisatorische Moderne gemacht und Anschluss an die indonesische Normalität gefunden. Das war unübersehbar. Die unmittelbarste Erfahrung waren die Telekommunikation und  und der Straßenverkehr.  Ausgebaute und benutzbare Straßen von Nord nach Süd und von Ost nach West. Die Brücken zum großen Teil problemlos befahrbar. Die Qualität des Straßenbelags auf vielen Streckenabschnitten von fast europäischem Standard.

Wir profitierten sofort von diesem neuen Verkehrsstandard: Für die Fahrt von Gunung Sitoli in das 80 km  entfernte Lahewa an der Nordspitze der Insel brauchten wir nur eineinhalb Stunden mit dem Auto.  Dort in Lahewa waren wir für die nächsten zwei Wochen Gäste im Haus unserer Familie und  es  war dann genug Zeit, sich ein persönliches Bild vom „neuen Nias“ zu machen.

Die kleine Hafenstadt Lahewa  hat eine Reihe attraktiver neuer Schulgebäude vorzuweisen und auch  eine neue katholische Kirche, die erbebensicher auf einer Anhöhe über dem alten Kirchplatz erbaut wurde. Auch eine Bank und eine tadellos funktionierende Pertamina-Tankstelle steht den Einwohnern zur Verfügung.Der Pasar–Lahewa ist wieder aufgebaut mit Ausnahme der ehemaligen Hauptgeschäftstraße zum Hafen. Eine Reihe chinesischer Geschäftsleute hat das Interesse an diesem Stadtteil verloren, weil  der Hafen offensichtlich  nicht mehr die Bedeutung besitzt, die er früher hatte. Die meisten importierten und exportierten Waren kommen inzwischen auf dem Landweg aus dem Hafen von Gunung Sitoli.

Aus dem 80 km entfernten Gunung Sitoli kommen auch jeden Samstag oder Sonntag  Hunderte von jungen Leute auf ihren Motorrädern angebraust, um am Strand von Tureloto (6 km außerhalb von Lahewa ) das Wochenende zu verbringen – einfach so!  Sind das die Anfänge eines einheimischen Tourismus in Nordnias?  Vielleicht ja, und Nordnias hat außer Tureloto noch andere prospektreife „Traumstrände“,  die noch zu erschließen wären.

Dagegen ist der Tourismus in Südnias nach dem Erdbeben noch nicht wieder richtig in Gang gekommen. Der international bekannte Surfspot, „Sorake-Beach“ bekommt nur spärlichen Besuch von den Surf-Cracks aus der internationalen Szene. Der Strand hat etwas von seiner ehemaligen Attraktivität eingebüßt. Das Beben von 2005 hat die Insel ja um etwa zwei Meter angehoben, sodass  man in Sorake-Beach nun nicht mehr direkt vom weißen Sandstrand in die Welle paddeln kann, sondern das Board unterm Arm zunächst über das flache Strandkorallenriff balancieren muss, um im tieferen Wasser in die Surf-Wellen zu gelangen. An Unterkünften stehen nur sehr einfache Losmen zur Verfügung, die den Namen Hotel eigentlich nicht verdienen. Ein vor  15 Jahren errichtetes Viersterne-Hotel ist bis dato noch nicht wieder in Betrieb genommen.

Die eigentliche Attraktion  von Südnias sind ja die herrlich gelegenen Traditionsdörfer auf den nahen Hügeln, in denen bis in die Mitte des vergangenen  Jahrhunderts die Megalith-Kultur noch lebendige Normalität war. Auf Grund dieser Attraktionen glaubt man, dass Nias ein ähnliches touristisches Potential zu bieten hätte wie Bali.  Ich selbst bin da skeptisch. Selbst  wenn  mehr Besucher in die Dörfer kommen  würden, darf bezweifelt werden, ob die Erwartungen der Dorfbewohner erfüllbar sind, die sich vom Besuchstourismus ihren Lebensunterhalt erhoffen.  Viele  junge Südniasser glauben nicht an diese touristische Zukunft und haben ihre Dörfer bereits verlassen, um in den großen Städten Indonesiens ihr  Auskommen zu suchen. Die Problematik der Überbevölkerung ist besonders in Südnias zu erleben, wo es  schon  vor vierzig Jahren das Problem der großen Dörfer war, ihre Leute von den Erträgen der eigenen Felder nicht mehr ernähren zu können.  Und die Bevölkerung wächst weiter: noch immer haben die meisten Familien vier und mehr Kinder.

Auch wenn sich so viel verändert hat: Der Besuch im Großen Haus, dem „Königshaus“ von Bawömataluo war für mich ein biographisches „Real-Dejavu“: Ich dachte für einen Moment, die Zeit sei stehen geblieben. Nichts schien sich verändert zu haben, seit ich dieses Haus vor vierzig Jahren das letzte Mal besucht hatte. Die derzeitigen Hausbesitzer der Si’ulu-Familie Wau, die uns willkommen hießen, waren zu der damaligen Zeit noch Kinder. Aber man erinnerte sich noch an mich.

Um die Dörfer in ihrer jetzigen Form erhalten zu können, brauchte es eigentlich einen großen Kultur-Fonds, der den Bewohnern helfen müsste, ihre Häuser in der alten Adat-Form zu renovieren.  Das ist aber sehr teuer, weil es die dazu notwendigen Hölzer in Nias gar nicht mehr zu bekommen sind. Es gibt in Nias keinen Urwald mehr mit den erforderlichen Baumriesen. Man ist da auf Holz-Importe etwa aus Kalimantan(Borneo) angewiesen. Zum anderen sind z.B. die adligen Hausbesitzer wirtschaftlich nicht mehr in der Lage, einen solchen Hausbau zu finanzieren oder auch die erforderlichen Feste zu bezahlen, die für eine Megalith-Steinsetzung zu veranstalten sind, weil sich die sozial-ökonomischen Strukturen in den Dörfern geändert haben.

Das „Museum Pusaka Nias“ in Gunung  Sitoli

Dem Erhalt und der Dokumentation der allmählich verschwindenden Nias-Kultur ist das „Museum Pusaka Nias“ in Gunung  Sitoli ( http://www.museum-nias.org ) gewidmet, das vom deutsch-stämmigen Kapuziner P. Yohannes Hämmerle 1997 gegründet wurde, und heute für einheimische und fremde Besucher ein echte Attraktion darstellt.  Die Niasser der jüngeren Generation, besonders wenn sie aus den Küstengegenden stammen, kennen ihre eigene Kultur zum Teil nur aus Erzählungen der Älteren. In diesem Museum, in dem neben den Artefakten der niassischen Bildhauerei  auch die charakteristischen Haustypen der verschiedenen Nias-Regionen aufgebaut sind, erleben die jungen Besucher ganz plastisch den Reiz der Kultur,     der sie ihre spezifische niassische Identität verdanken.

Besonders angetan war ich von dem kleinen Tierpark des Museums, in dem speziell in Nias vorkommende Tiere, wie Laosi, Kancil, der Nias-Hirsch, der Nias-Beo, der Nias-Tukan, viele andere Tiere zu sehen waren, denen die jungen Niasser nicht einmal in Büchern begegnen. Sehr eindrucksvoll auch zwei veritable Nias-Krokodile – wahrscheinlich im Unterlauf der großen Flüsse gefangen. Das Museum, ein beeindruckendes Projekt, das alle Kraft und Aufmerksamkeit von P. Yohannes  und seiner 20 Mitarbeiter beansprucht.  P. Yohannes , bald siebzig Jahre alt , macht  sich ein wenig Sorgen , ob das Museum auch ohne ihn und seine Kontakte wird überleben können. Bleiben wir einfach optimistisch. Das Erdbeben von 2005 hatte auch das Museum  schwer beschädigt. Aber heute, durch Spenden der Wiederaufbauhilfe wieder aufgebaut und erweitert, ist es offensichtlich schöner und attraktiver geworden.

Der Entwicklungsschub

Wie schon einmal erwähnt: Das Wiederaufbauprogramm hat einen nicht zu unterschätzenden Entwicklungsschub bis in die Dörfer verursacht. Nicht zu übersehen, überall im Land die neuen Schulgebäude, Sanitätsstationen und einfachen Wohnhäuser. Die verschiedenen Hilfsorganisationen hatten unterschiedliche Konzeptionen für den  Aufbau von neuen Wohnhäusern. Auffällig in den Dörfern vor allem in Nordnias die neuen  Häuser mit bunten Seitenwänden, deren spezielle Qualität sich erst beim genaueren Hinsehen erschloss: Eine Rahmenkonstruktion aus verzinktem Stahl, die auf unterschiedlichstem Untergrund errichtet werden kann. Sie ist erdbebensicher und kann im Bedarfsfall auseinander geschraubt und an anderer Stelle  wieder aufgebaut werden. Das kanadische Rote Kreuz hatte sich in seinem Hilfsprogramm für diese zweifellos teurere, aber sicher nachhaltigere Häuser-Variante entschieden, deren Vorteil von den Leuten sehr schnell erkannt wurde.“ Rumah Canada“ ist ein Schnäppchen!

Zweifellos – der Wiederaufbau hat Geld unter die Leute gebracht – vom Verwaltungsbeamten bis zum Hilfsarbeiter beim Straßenbau.  Eine neue Betriebsamkeit hat die Insel erfasst. Zehnausende von Motorrädern Typ Honda Cup (100 ccm)  scheinen ständig unterwegs zu sein, um irgendjemand oder irgendetwas von hier nach da zu transportieren. Für uns auffällig, für die Leute aber alltäglich: nicht nur junge und alte Männer sind die Fahrzeuglenker – Frauen, Mädchen mit und ohne Jilbab-Kopftuch steuern ihre Honda  mit größter Selbstverständlichkeit zum Einkauf oder zum Verwandtenbesuch ins nächste Dorf.  Die Hondas, wie Motorräder in Nias einfach genannt werden, haben das Fahrrad abgelöst und sind die derzeit angesagten Transportesel. Atemberaubend, was man mit ihnen alles transportieren kann. Das ist zwar alles nicht von TÜV und Straßenverkehrsordnung genehmigt, aber die Polizei verhält sich sehr pragmatisch und greift vor allem ein, wenn es zu Unfällen kommt, oder die Polizei Geld braucht. Das ist allerdings häufiger der Fall als den meisten Verkehrsteilnehmern lieb ist. Sowohl die Häufigkeit von Unfällen, als auch die Geldnöte der Polizeibeamten.

Der Anteil der PKWs ist noch relativ gering – der Kaufpreis dafür ist für die meisten Leute unerschwinglich hoch. Eine Honda Cup in indonesischer Ausführung  kostet etwa 12 Mio Rupiah(€ 1.000,-).  Das scheint über monatliche Ratenkredite irgendwie finanzierbar zu sein.  Für einen Toyota Innova, die indonesische Minivan-Variante von Toyota, muss man schon über andere Einkünfte verfügen, um sich das Auto leisten zu können.

Aber im Bereich der Finanzen ist einiges geschehen. Nicht nur dass es Filialen der indonesischen Banken in allen Kreisstädten gibt, auch hat sich vielerorts inzwischen das System der CU (Credit Unions), der Kreditgenossenschaften etabliert. Propagiert und garantiert vor allem durch die katholischen Pfarreien. Die CU–Lahewa z.B., deren veröffentlichte Bilanz 2009 ich einsehen konnte, hatte mit ca. 2800 Kreditgenossen ein Kreditvolumen von 4,5 Mrd Rupiah (= € 375.000,-) eine gewaltige Summe für niassische Verhältnisse. Aber diese Kredit-Genossenschaften ermöglichen  ihren Mitgliedern die Finanzierung von Projekten, zu denen sie alleine nicht in der Lage wären.

Für die Arbeiten beim Wiederaufbau wurde vom BRR sowie den nationalen und internationalen Organisationen qualifiziertes Personal in Technik und Verwaltung benötigt, das man damals ja in Nias nicht vorfand, sondern erst anwerben oder ausbilden musste. Mit dem Erfolg, dass es inzwischen eine respektable Anzahl an ausgebildeten Leuten gibt, die jetzt in Nias dringend gebraucht werden, um den technischen Standard für ein modernes Nias zu halten. Sie haben aber das Problem, dass die Regierung ihnen sehr viel weniger Gehalt zahlen kann, als sie es in den vergangenen Jahren von der BRR gewohnt waren. Diese jungen Spezialisten haben in Nias nicht viele berufliche Alternativen, aber ihre Abwanderung  wäre für Nias ein herber Verlust.

Vorhersehbare Probleme

Dass dieser gewaltige Entwicklungsschub nicht nur Vorteile, sondern auch Probleme bringen würde, war abzusehen.  Das Wiederaufbauprogramm hat einigen Leuten einen Wohlstand beschert, der wohl nur mit Korruptionsverdacht erklärbar scheint. Gar mancher der allzu leichtsinnigen Profiteure verbringt einige Zeit seines Lebens im Gefängnis, nachdem seine Konkurrenten dem Gericht genügend belastendes Material liefern konnten und genügend Geld hatten, es dem Richter vorlegen zu dürfen. In der traditionellen niassischen Ethik wird derjenige hochgeschätzt, der „onekhe“ ist, der schlau genug ist, am Ende Sieger zu bleiben, egal wie. Also wird mit harten Bandagen gefochten. Das soziale Auf und Ab ist brisanter geworden.

Das ehedem ruhige, oft fast lethargische Inselleben ist hektischer geworden. Der Bedarf an elektrischem Strom ist enorm gestiegen.Beleuchtung,Fernseher, Kühlschränke, AC, PC und vor allem Handys benötigen mehr Strom, als die staatliche Stromversorgung PLN bereitstellen kann. Immer wieder bricht unvermittelt das Netz zusammen und niemand kann sagen, wann alles wieder funktionieren wird. Vielleicht bekommt durch diesen Mißstand eine dezentrale alternative Energieerzeugung   die dringend gebotene Chance. Solange aber die subventionierten  Benzinpreise so billig sind, wirft man lieber  den eigenen Strom-Generator hinter  dem Haus  an. Der knattert und stinkt, ist aber derzeit noch kostengünstiger, als etwa eine leistungsfähige Solaranlage.

Die besseren Straßenverhältnisse mit dem zunehmenden  und schnelleren Verkehr verursachen  eine Zahl von Verkehrsunfällen mit oft tödlichem Ausgang, die es so eben früher nicht gab.  Aber das ist die unmittelbare Kehrseite der angestoßenen Entwicklung. Die Niasser nehmen diese Schattenseite wahr und beklagen sie, aber sie trauern auf keinen Fall den alten Zeiten nach. Dafür besteht auch kein Nostalgiebedarf – das „alte Nias“ am Rande des Indischen Ozeans, isoliert  und von der Welt vergessen – , war wirklich kein Paradies, das nun gerade verloren geht, sondern es war eine Kultur, die sozial-ökonomisch an ihren Überlebens-Limit gekommen war. Heute aber besteht die drängende Frage, ob das „neue Nias“ den Level halten kann, der durch das Wiederaufbauprogramm vorgegeben wurde. Man wird sehen, was die nächsten Jahre bringen. Anfang 2010 jedenfalls war für Pessimismus kein Anlass.

K.Sturm, 2. April 2010 –

Einen ausführlicheren Bericht dieser Reise hier

2010 – Eschweiler-Nias und zurück

 

Nias und Deutschland – eine sehr besondere Beziehung


Vielen Menschen in Deutschland wurde die Insel Nias bekannt, als sich Weihnachten 2004 die Tsunamikatastrophe  und  Ostern 2005 das gewaltige Erdbeben ereignete und die Welt entschlossen den Opfern  zu Hilfe eilte, als man in allen Medien sehen konnte, welches Ausmaß die Katastrophe hatte. Deutsche Hilfe kam besonders der kleinen Insel Nias zugute. Es gibt besondere Beziehungen zwischen Nias und Deutschland: Deutsche Missionare hatten seit 150 Jahren sich um den Aufbau der christlichen Kirchen gekümmert,  und noch immer bestehen enge Verbindungen zwischen Mutter- und Tochterkirchen.  Das ist mehr oder weniger bekannt und präsent
.

Wenig bekannt und fast vergessen ist, dass sich 1942 vor der Küste von Nias ein holländisch-deutsches Seekriegsdrama ereignete, das über 400 Deutsche das Leben kostete. Das niederländische Schiff, das dort unterging, trug kurioser weise den Namen „Van Imhoff“, den Namen eines berühmten Generalgouverneurs deutscher Herkunft .

Fast gar nicht bekannt ist, dass die Überlebenden der „Van Imhoff“ -Katastrophe  im Januar 1942 in einer Art Staatstreich die Republik Nias Merdeka – die Republik Freies Nias ausriefen, und ein Herr Fischer- Vertreter der Firma Bosch – ihr erster Präsident und ein Herr Vehring ihr Außenminister war. Die Unabhängigkeit dieser Republik dauerte zwar nur wenige Monate – aber immerhin …. ein wahrlich besonderes Kapitel deutsch-niassischer Beziehungen, das selbst im heutigen Nias kaum noch bekannt ist.

Näheres zu diesen tragisch-kuriosen Ereignissen ist im folgenden Beitrag nachzulesen, den  Herwig Zahorka 2001 im Internet veröffentlicht hat.  Zahorka schrieb eine Dokumentation über die Geschichte des deutschen Soldatenfriedhofs ARCA DOMAS in der Nähe der Stadt Bogor in Westjava. Diese Geschichte liefert auch die Verbindung zu den Ereignissen der „Van Imhoff“- Tragödie vor der Küste von Nias.

D er Untergang  der „Van Imhoff“ und die „Freie Republik Nias“

von Herwig Zahorka

1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, und am 10. Mai 1940 fielen deutsche Truppen in die Niederlande ein. Noch am selben Tage begann die Kolonialverwaltung im damaligen „Nederlands Indie“  alle  2.436 Deutschen zu internieren. Es waren überwiegend Angehörige der Kolonialverwaltung mit ihren Familien, wie Plantagenexperten, Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler, Erdölexperten. Aber auch Diplomaten, viele Missionare, Kaufleute und Seeleute und einige Künstler, wie der Begründer der berühmten balinesischen Malschule, Walter Spies, waren darunter. Das größte Lager befand sich in Nord-Sumatra. Die Männer wurden von den Frauen und Kindern getrennt. Einige Hundert Frauen und Kinder konnten dank der Vermittlung der Helferichs später über China nach Japan ausreisen, so auch Albert Vehrings Frau Hildegard. Helfferichs Plantage wurde enteignet.

Am 14. Dezember 1941 landeten japanische Truppen auf Borneo und im Februar 1942 in Air Bangis auf Sumatra. Die deutschen Männer durften nicht in Ihre Hände fallen- beschlossen die Niederländer – denn Deutschland war mit Japan verbündet. Die niederländische Kolonialverwaltung beschloss daher bereits im Januar, die Internierten in die britische Kronkolonie Indien zu verschiffen. Zwei holländische Gefängnisschiffe stachen am 17. Januar 1942 von Sibolga auf Sumatra in See. Am 18. folgte als drittes der 3000 BRT-Dampfer der Niederl. Königlichen Paketfahrt Gesellschaft KPM „VAN IMHOFF“ unter Kapitän Bongvani*). Das Schiff wurde aber nach einigen Stunden Fahrt wieder zurückbeordert, um weitere Deutsche aufzunehmen.

477 Deutsche waren schließlich in ein Meter hohe, mit Stacheldraht umgebene Verließe gezwängt, darunter auch Albert Vehring und Walter Spies. Bewacht wurden sie von 62 bewaffneten Holländern. Die Crew umfasste weitere 48 Mann. Das Schiff war nicht mit dem Rot-Kreuz-Symbol bezeichnet.

Am nächsten Tag wurde das Schiff auf hoher See von einem japanischen Jagdflugzeug angegriffen. Zwei Bomben explodierten im Wasser, die dritte schlug das Schiff Leck. Der erste Offizier kam zu den Deutschen und erklärte, das Schiff sei nicht in Gefahr, aber man habe trotzdem um Hilfe gefunkt. Hinter dem Stacheldraht brach keine Panik aus. Aber die Deutschen waren entsetzt, als sie durch die mit Stacheldraht vergitterten Ausblicke sahen, dass die Niederländer die fünf großen Landeboote zu Wasser ließen, sie an eine Motorpinasse hängten und das Schiff Richtung Sumatra verließen. Jedes dieser Fünf-Tonnen-Boote hätte 80 Mann fassen können, die Motorpinasse weitere 60. Einige dieser Boote sind fast leer.

Nun brachen die Deutschen ihre Gefängnisse auf und erkannten, dass das Schiff am Sinken war. Sie stellten fest, dass die Holländer auch die Pumpen und die Funkausrüstung zerschlagen hatten. Auf dem Achterschiff befand sich noch ein kleines Rettungsboot, das die Holländer nicht aus den festsitzenden Krampen bekamen. Die Ruder hatten die Holländer zerbrochen. Das Boot war für 42 Mann ausgezeichnet. Mit vereinten Kräften konnte es freigemacht und zu Wasser gelassen werden. 53 Mann stürzten sich hinein. Mit Planken als Ruder entfernten sie sich aus Sicherheitsgründen.

Etwa 200 Mann waren schon ins Wasser gesprungen in der Hoffnung auf Rettung. Aber die von den Bomben getöteten Fische hatten viele Haie angelockt, die nun die hilflosen Männer angriffen. Einige begingen Selbstmord. Die Tatkräftigsten bauten schnell aus Ladeluken, Brettern und Seilen Flöße. Albert Vehrings Bekannter findet noch ein verstecktes 2 bis 3 Meter langes Ruderboot an Deck. 14 Mann zwängen sich hinein, Vehring übernimmt das Kommando. Die Bordkante ragt eine Handbreit aus dem Wasser. Als sie 100 Meter vom Schiff entfernt sind, geht dieses plötzlich unter. Um die 200 Männer waren noch an Bord.

Die beiden Boote und die Flöße versuchten nun, die 55 Seemeilen entfernte Insel Nias zu erreichen, die Sumatra vorgelagert ist. Am nächsten Morgen, den 20. Januar, erschien das holländische Motorschiff „BOELONGAN“. Es kam auf 100 Meter an Vehrings Boot heran. Es wurde zugerufen: „Seid Ihr Holländer?“. Auf die Verneinung drehte die „Boeloengan“ ab und verschwand. Damit hatten die Männer auf den Flößen keine Chance mehr, gerettet zu werden. Ein jüdischer Juwelier, der aus Nazi-Deutschland geflüchtet war, schwamm von seinem Floß an das Schiff heran, wurde aber erbarmungslos zurückgewiesen. Das war sein unverdientes Todesurteil.

Albert Vehring berichtete später über diese unglaublichen Vorfälle in einer eidesstattlichen Erklärung am 20. Juni 1949 in Bielefeld bei Notar Bernhard Grünewald (Urkundenrolle Nr. 61/1949). Er schilderte, dass bei schwerem Seegang die Hälfte der Männer zur Entlastung des Bootes über Bord gehen und sich von außen am Boot festhalten mussten. Die Flöße waren aber nicht mehr zu retten. Erst am vierten Tag, den 23. Januar, erreichten sie vollkommen erschöpft, ausgehungert, dehydriert und sonnenverbrannt die Korallenküste von Nias. Das größere Boot wurde von der Brandung umgeworfen, wobei ein Mann ums Leben kam. Ein 73-Jähriger erhängte sich vor Verzweiflung. Am nächsten Morgen versorgten freundliche Niasser und ein holländischer Pastor namens Ildefons van Straalen die Geretteten mit Nahrung und Getränken.

Bei diesem Unglück gingen 411 zivilinternierte Deutsche unter, darunter 20 protestantische und 18 katholische Missionare sowie der geniale Künstler Walter Spies. 67 Männer erreichten Nias, wovon 65 überlebten. Da die „VAN IMHOFF“ der niederländischen KPM gehörte und die Niederlande unter deutscher Besetzung waren, mussten die versicherten Betreiber eine Entschädigungen von 4 Millionen Gulden an die Angehörigen der Toten in Deutschland zahlen, auch eine Einmaligkeit während eines Krieges. Nach dem Kriege strengten die in England lebenden Eltern von Walter Spies eine Klage gegen den Kapitän der „VAN IMHOFF“ Bongvani*). Er wurde zum Tode verurteilt, aber sofort amnestiert.

Am nächsten Tag wurden die Überlebenden auf Nias wieder von Holländern gefangen genommen und in den Hauptort der Insel, Gunung Sitoli, gebracht. Dort wurden sie im Polizeigefängnis eingesperrt, das von Holländern und von indonesischen Polizisten aus Sumatra bewacht wurde. Die Indonesier zeigten sich sehr verwundert, dass sie nun Deutsche bewachen sollten, wo doch die Deutschen erst vor kurzem ihre ungeliebten Kolonialherren in Holland besiegt hatten. Albert Vehring schmiedete mit ihnen ein Komplott. Die Deutschen verbündeten sich mit den Indonesiern und setzten am Palmsonntag 1942 die Holländer als Gefangene fest. Die Japaner waren inzwischen schon auf Sumatra und Java gelandet und hatten nun – Ironie des Schicksals – überall die Niederländer in Internierungslager gesperrt.

Nun ereignete sich auf Nias eine unglaubliche Inszenierung, die uns heute zum Schmunzeln veranlasst: Die Deutschen proklamierten zusammen mit den Niassern die „Freie Republik Nias“. Der Vertreter der Firma Bosch, ein Herr Fischer, wurde ihr Ministerpräsident, und Albert Vehring wurde Außenminister. Sie hatten niassische Counterparts. Die Niasser jubelten, sie hatten endlich das Kolonialjoch abgeschüttelt. Einige Wochen regierten die Deutschen im Einvernehmen mit den Niassern ihre Insel.

Albert Vehring segelte dann hinüber nach Sumatra, um mit den Japanern Verbindung aufzunehmen. Diese kamen am 17. April nach Nias und transportierten nun die Holländer als Gefangene ab, darunter auch Pastor van Straalen. Die Deutschen konnten wieder an ihre früheren Stätten zurückkehren, die „Freie Republik Nias“ hatte sich wieder aufgelöst. Albert Vehring arbeitete für die Japaner in einem Hotel, braute Schnaps und findet sich später wieder als Schiffsingenieur in Singapur.

*) Anderen Berichten zufolge hieß der Kapitän  H.J.Hoeksema (SPIEGEL 12/1965)

Weiterlesen über deutsche Schicksale in Indonesien während des 2. Weltkrieges:

http://www.bogor.indo.net.id/indonesien.deutschersoldatenfriedhof

Stichwort „NIAS“

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Unter dem Stichwort „Nias“ werden in diesem Blog Beiträge verschiedener Art erscheinen.  Was hat es mit Nias auf sich?
Nias ist eine der 13.000 Inseln Indonesiens. Sie liegt vor der Westküste Sumatras etwas über dem Äquator im Indischen Ozean. Sie ist etwa so groß wie die bekannte Insel Bali, hat wie Bali eine eigene Kultur und Sprache, die derzeit von ca. 1,3 Millionen Menschen gesprochen wird. In ihrer Sprache heißt Nias „Tanö Niha“ – „Land der Menschen“.

Das Volk der Niasser zählt zu den sog. altmalayischen Bevölkerungsgruppen Indonesiens, wie zB die Dayak auf Kalimantan oder die Batak auf Nordsumatra. Bekannt war Nias bis vor wenigen Jahren vor allem bei Ethnologen wegen seiner bis ins frühe 20. Jahrhundert noch aktiven Megalithkultur. Vor allem in den Dörfern von Südnias können Besucher/ Touristen auch heute noch einen Eindruck von der tradtionellen Lebensform der „Ono Niha“ – der Niasser gewinnen.

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Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Nias durch die Tsunami-Katastrohe vom 26. Dezember 2004 und das für die Insel noch verheerendere Folge-Erdbeben von Ostern 2005.  Eine Welle der Hilfsbereitschaft erreichte die kleine Insel, und die Arbeit der Hilfsorganisationen zeigt Wirkung. Ein international gesponserter Aufbauplan verhalf dem kleinen Eiland seither zu einer moderneren Infrastruktur, von der man sich auch einen ökonomisch-sozialen Entwicklungseffekt erhofft.

Nias hat eine stark wachsende Bevölkerung und kann seine Menschen kaum ausreichend ernähren – für viele junge Leute gibt es nur eine Zukunft auf den größeren Inseln Sumatra und in den Großstädten Indonesiens.  Für viele von ihnen ist das Internet und damit auch der Zugriff auf Musik und Lieder ein wichtiges Mittel geworden, um ihre Bindung an ihre niassische Heimat  zu erhalten. Deshalb ist für Besucher niassisch-indonesischer Zunge eine eigene Blogseite eingerichtet : „Nias- Indonesien“, auf der für sie relevante Beiträge gepostet sind.

Kultur und Religion der Niasser

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Der Rettung und Erhaltung  niassischer Kultur ist das Projekt MUSEUM PUSAKA NIAS gewidmet, das 1990 von dem deutschen Kapuziner  P. Johannes Hämmerle  ins Leben gerufen wurde und heute einheimischen wie ausländischen Besuchern einen authentischen An- und Einblick niassischer Kultur vermittelt.

Reiseberichte (Fotos)

Ein sehr anschaulicher und detaillierterNias-Reisebericht mit Fotos von 2003 ist beim Portal „Ciao“ (Mitglied „Leo56“)  zu lesen.  Der Link führt zu weiteren 30  informativen Einzelberichten der Indonesienreise von Verfasserin Elke.

Ein Bericht einer von  Reise im Februar 2006 nach Nordnias erzählt von den Schwierigkeiten beim Wiederaufbau der Insel ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben von Ostern 2005.

Historische Fotos von Nias

Es gibt nicht so viele Fotos von dem Nias von einst. Wenige Reisende und Ethnologen der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts, die sich für die Insel Nias interessierten, waren auch Fotografen. Hier eine Reihe Fotos (siehe Link unten), die von dem dänischen Arzt und Ethnologen Dr. O. Hagerup und dem deutschen Weltreisenden Dr. Paul Wirz aufgenommen wurden zu einer Zeit als Indonesien noch Oostindie genannt wurde und holländische Kolonie war.

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Nias 1915 von –  Dr. O.Hagerup

Nias 1925 von  –  Dr. Paul Wirz

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LAGU NIAS NOSTALGIA

Kleine Geschichte der niassischen Popmusik ( Bahasa Indonesia)

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                                        The Teluk Dalam Beach Boys – 1970

Lieder, Sänger und Gitarrenspieler gab es auf Nias auch schon vor 1970 – die Niasser sind beeindruckend sangesfrohe Leute – man höre sie nur das Lied TANÖ NIHA singen, die inoffizielle Nationalhymne von Nias. Auch die Kirchenchöre und die Maenas bei den Festen  auf den Dörfern belegen die lebendige Sangestradition auf Nias. Aber erst seit 1970 gab es auf Nias Gruppen, die elektrisch verstärktes Band-Equipment benutzten. Einer der Gründe war natürlich, dass 1970 auf Nias mit Ausnahme der  Inselhauptstadt Gunung-Sitoli, einigen größeren Geschäften oder Fabriken kein elektrischer Strom zu Verfügung war.

Zum anderen wurde um 1970 auch in Nias die aus Jakarta kommende indonesische Popmusik interessant, wo Bands wie z.B. die legendäreKOES-PLUS Formation Songs produzierten, die sich über Radio in Windeseile in ganz Indonesien verbreiteten. Natürlich kannte und liebte man je nach Geschmack die Beatles, Rolling Stones, Deep Purple und andere Heroes of Rock & Pop  (Übrigens: Das Lied Du“ von Peter Maffay, wurde ab 1970 auch in Indonesien ein Schlager) Aber KOES-PLUS sang indonesische Lieder! Das war es!

Wie die BEATLES benutzte KOES-PLUS drei elektrisch verstärkte Gitarren und Schlagzeug und sang dazu im Chor von Liebe, Lust und Frust der indonesischen Jugend von 1970 ff. Das war einfach ansteckend. Im Laufe weniger Jahre entwickelte sich eine eigene indonesische Popmusik-Kultur, die Bands wie THE MERCY’S, PANBERS, D’LLOYD, BIMBO&IJN, APRILITE’S GROUP usw. und Stars wie Charles Hutagalung, Bob Tutupoli, Tetty Kadi, Emilia Contessa, Ernie Johan, Titiek Sandhora u.v.a. hervorbrachte, die heute noch bekannt sind und deren Lieder immer noch gesungen werden.

Als erste niassische Popmusik-Gruppe, die in elektrisch verstärkter Bandformation auftrat, gründete sich 1970 in Südnias die Band „The Teluk-Dalam Beachboys“, die indonesische und internationale Hits coverten, aber auch schon den Beatles-Hit „Obladi-Oblada“ mit einem niassischen Text („Sökhi li ziliwi gowi“) unterlegt präsentierten. Auch spielte man populäre Nias-Lieder (z.B.“Katitira langi“ oder „Bowo madala“), die auf den Dörfern gesungen wurden. Leider gibt es keine Tonaufnahmen dieser Band.

Die gab es erst 1973 von der Band SIMAENARIA LAHEWA, einer 1972 in Lahewa-Nordnias gegründeten Band.  Erschwingliche japanische Kassetten-recorder, die es inzwischen auch in Nias zu kaufen gab, ermöglichten die Verbreitung ihrer Lieder auf der ganzen Insel.  Dann begann eine rasante Entwicklung der niassischen Musikszene: Gruppen wie z.B. MARDIANA, BATE’E  BROTHERS GROUP und eine Reihe anderer Bands veröffentlichten ihre Lieder auf Musikkassetten, die mit einfachster Technik aufgenommen waren. Besonders an ihren Lieder war, dass sowohl Text als auch Musik ihre eigenen Kompositionen waren und nicht nur gecoverte Titel der außerniassischen Musikszene.

Einen qualitativen Schub erfuhr die niassische Popmusik  Anfang der 80-ziger Jahre, als niassische Musiker ihre Lieder in professionellen Studios in Jakarta aufnahmen, wie z.B. AVORE NIAS oder TRIO TIVALI. Seither gibt es eine ganze Reihe von niassischen Popmusik-Produktionen, die über Kasette, CD und Internet sich verbreiten.

Aber alle Gruppen, deren Lieder in den 70-er Jahren auf einfachen Kasettentapes gespeichert waren, haben das Problem des tropischen Klimas: die Bänder sind so korrodiert, dass ihre Produktionen in Nias heute fast nicht mehr verfügbar sind. Für alle Fans der ersten Stunde eine kleine Katastrophe.

Deshalb also dieser Blog-Beitrag: Niassische Popmusik der 70-er Jahre aus drei Cassetten, die sich in meiner Mediathek noch gefunden haben.Lagu Nias – Nostalgia. Here we are!